Sichtung im Mittelburgenland: „Dürfte Wanderroute von Jungwölfen sein“
Sichtung bestätigt
Das Institut für Wildtierkunde bestätigte, dass es sich bei dem von einem Mannersdorfer Landwirt in der Nacht von 27. auf 28. Juni gefilmten Tier um einen Wolf handelt. Ob sich dieser noch in der Region befindet, lässt sich laut Experten nicht seriös beantworten.
Symbolbild
© Shutterstock/Michal Ninger, Michal Ninger
Seit der Wolf Ende Juni auf einem Feld zwischen Mannersdorf und Klostermarienberg knapp zwei Stunden lang dem Traktor eines Landwirts gefolgt war, wurden noch zwei weitere Sichtungen gemeldet. „Es kam in den darauffolgenden Tagen noch zu zwei angeblichen Sichtungen rund um Mannersdorf und Klostermarienberg - jeweils von einer Dame und einem Jugendlichen, die ihre Beobachtungen aber nicht dokumentieren konnten“, erklärt Roman Bunyai, Referatsleiter für Jagd und Fischerei im Amt der Burgenländischen Landesregierung.
Ob sich der Wolf noch immer in der Region befindet oder sich hier ansiedeln wird, könne man laut Bunyai nicht seriös beantworten. „Sowohl das zum Sichtungsort angrenzende Günsergebirge mit seinen Muffelwildpopulationen – diese gehören zu den bevorzugten Beutetieren von Wölfen – als auch die in unmittelbarer Nähe befindlichen ausgedehnten wildreichen Wälder rund um Tömörd und Csepreg auf der ungarischen Seite, bieten ein hervorragendes Habitat für den Wolf. Man darf nicht vergessen, Wölfe können bei der Suche nach einem neuen Territorium – und bei dem gefilmten Wolf dürfte es sich um so ein junges Exemplar handeln – zwischen 60 bis 80 Kilometer pro Tag zurücklegen“, führt Bunyai aus.
Auch im Vorjahr wurde Jungwolf in Region nachgewiesen
Auffällig ist aus seiner Sicht allemal, dass es letztes Jahr um exakt die gleiche Zeit hier ebenfalls zu Nachweisen eines jungen Wolfs gekommen ist. „Es dürfte sich zumindest in dieser Region des Mittelburgenlandes offenbar um eine Wanderroute von Jungwölfen handeln“, meint Bunyai.
Laut Aufzeichnungen des Jagdreferats gab es in den vergangenen Jahren nur einige wenige Wolfssichtungen im Burgenland: Im März 2017 wurde eine Wolfsmeldung im Bezirk Eisenstadt-Umgebung registriert. Im Februar 2023 war ein Tier zwei Tage lang auf der Durchreise. Dazu gab es zwar keine Sichtung, aber dies wurde aufgrund der Auswertung eines Peilsenders dokumentiert. Im Juli vergangenen Jahres gab es dann Fotofallennachweise im Bereich Draßmarkt/Neutal und vor einigen Wochen im westlichen Leithagebirge sogar einen DNA-Nachweis eines Exemplares.
Zusammentreffen mit Wolf sehr unwahrscheinlich
Laut Naturschutzbund ist ein Zusammentreffen mit einem Wolf vor allem eines, nämlich sehr unwahrscheinlich. Da das Revier eines Wolfes aber mehrere hundert Quadratkilometer umfassen kann und damit mit großer Wahrscheinlichkeit auch Siedlungen mit einschließt, sei eine sehr kleine Chance für ein „Date“ mit einem Wolf gegeben.
„Eins vorweg: Der Wolf ist ein Wildtier und gehört zur Ordnung der Großraubtiere. Das ist ein Fakt, welches einfach nicht 'wegromantisiert' werden kann. Auch kein Hundehalter kann je garantieren, dass sein vierbeiniger Freund nicht einmal 'zuschnappen' könnte. Wenn dies passiert - sowohl beim Wolf als auch beim Hund - liegt der Anlass meist am (Fehl-)Verhalten des Menschen“, erklärt Jagdreferatsleiter Roman Bunyai.
„Ruhe bewahren - Abstand halten“
Für Waldbesucher gilt grundsätzlich auf den Wegen zu bleiben, nicht unbedingt zu Morgen- und Abendzeiten in Wäldern unterwegs zu sein und - ganz besonders - Hunde immer an die Leine zu nehmen! Hunde werden laut Bunyai von Wölfen oft als Konkurrenten bzw. als Bedrohung wahrgenommen und können auf sie aggressiv reagieren. „Sollte es denoch zu einer Begegnung mit einem Wolf kommen, gilt es folgende Grundregeln zu beachten: Ruhe bewahren - in der Regel zieht sich der Wolf rasch von selbst zurück. Abstand halten - dem Wolf Raum geben, um zu flüchten und sich selbst langsam zurückziehen. Nicht bedrängen - dem Wolf nicht folgen oder in die Enge treiben. Sich bemerkbar machen - groß machen und laut sein“, rät Bunyai.
Stehen bleiben und ruhig verhalten. Im Normalfall zieht sich der Wolf von selbst zurück. Vor allem junge, unerfahrene Wölfe sind meist neugieriger und weniger scheu als ältere Wölfe.
Läuft der Wolf nicht von selbst weg:
Laut sprechen & kräftig in die Hände klatschen.
Nicht weglaufen, unter Blickkontakt langsam rückwärts weggehen.
Sollte der Wolf wider Erwarten sogar folgen, stehenbleiben und versuchen, ihn einzuschüchtern.
Groß machen und lautstark anschreien. Das hält den Wolf auf Distanz.
Kinder, die häufig an gleichen Orten spielen, dürfen Wildtiere nie anlocken oder füttern, auch keine Esswaren hinwerfen oder an ihren Spielorten zurücklassen.
Bei Begegnungen mit Wölfen und anderen großen Wildtieren sollten Kinder panische Bewegungen, wildes Kreischen und fluchtartiges Wegrennen vermeiden und dem Tier nie den Rücken zudrehen!
Sie sollten aufrecht stehen, sich so groß wie möglich machen und sich rückwärts unter ständigem Blickkontakt mit dem Tier entfernen. Lautes Sprechen, in die Hände klatschen oder Anschreien kann das Tier zusätzlich einschüchtern und zum Verschwinden bewegen.
Quelle: Naturschutzbund Österreich/www.chwolf.org