Rot-goldene Vertreter mit sportlichen Enttäuschungen in Chengdu

World Games

Die World Games in China sollten für Bogensportler Nico Wiener und Jiu Jitsu-Athletin Lisa Fuhrmann auch sportlich denkwürdig werden. Am Ende kam für beide das vorzeitige Aus - teils trotz ganz starker Leistungen.

Nico Wiener lieferte an sich eine Top-Leistung ab, dennoch reichte es nicht für das Viertelfinale.

Nico Wiener lieferte an sich eine Top-Leistung ab, dennoch reichte es nicht für das Viertelfinale.

© Sport Austria/Florian Rogner, florianrogner photography

Drittbester Score in der Qualifikation, Freilos in Runde eins und dann das K.o.-Duell mit dem Türken Batuhan Akcaoglu. Für den Schreibersdorfer Nico Wiener hätte es auch im Achtelfinale nicht viel besser laufen können: Mit 147 Runden schoss der Südburgenländer auf höchstem Niveau. Sein Problem: Der Gegner war mit 148 Rungen noch besser und bugsierte Wiener somit vorzeitig aus dem Bewerb. Bitteres Detail: Mit seinem Score hätte der Sportpool Burgenland-Athlet bis jenes mit dem Mexikaner Sebastian Garcia Flores (149 Ringe) alle Achtelfinal-Duelle für sich entschieden.

„Ich habe meine Leistung heute abgerufen, kann mir nichts vorwerfen“, war der 28-Jährige mit seiner Performance, die übrigens nur drei Ringe unter Weltrekord war, zufrieden. Auch weil die Bedingungen sehr anspruchsvoll waren: „Die Hitze, Wind von links und rechts, man muss nur schauen, wer noch ausgeschieden ist. Das hilft mir, meinen Wettkampf besser einzuordnen.“ Fazit des Compound-Schützen: „Ich gehöre zu den besten Bogenschützen der Welt.“

Bereits in der Nacht auf Sonntag ging es zurück nach Österreich, wo die Staatsmeisterschaften das nächste Highlight sind. Anfang September folgen die Weltmeisterschaften in Korea. Außerdem wird Wiener im Herbst auch noch ein hochkarätiges Einladungsturnier in Indien schießen – als einer von nur drei Compound-Athleten weltweit. Sein Fernziel sind aber die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, bei denen der Compound-Bewerb erstmals zugelassen ist. „Ich war zwei Mal bei den World Games dabei, jetzt hoffe ich, dass ich mich mit dem Mixed-Team für Olympia qualifiziere, um dieses Flair auch einmal zu erleben.“

Lisa Fuhrmann mit zwei Niederlagen out

Rot-goldene Vertreter mit sportlichen Enttäuschungen in Chengdu

© Sport Austria/Florian Rogner, florianrogner photography

Gar nicht nach Plan lief es für Lisa Fuhrmann. Die Burgenländerin, die sich nach ihrer überstandenen Kreuzband-OP eine Medaille zum Ziel gesetzt hatte, verlor beide Kämpfe in der Gruppenphase und verpasste somit die Finalkämpfe. Zunächst bekam sie es mit der Weltranglisten-Ersten aus Dänemark, Liva Tanzer, zu tun. „Gegen sie war es wie erwartet schwierig. Ich habe gut begonnen und sogar geführt, aber dann hat sie ihre Klasse ausgespielt“, so Fuhrmann, die sich 6:14 geschlagen geben musste.

Da Tanzer auch ihr zweites Duell in der Dreiergruppe gegen Chiara Fiorelli (ITA) gewinnen konnte, kam es für Fuhrmann zum entscheidenden Kampf gegen die Italienerin. Die für den Jiu Jitsu Club Vila Vita Pannonia Wallern kämpfende Athletin geriet zu Beginn in Rückstand, kämpfte sich zwar zurück, verlor aber 12:15. „Es ist schade, ich bin nicht hierhergekommen, um zweimal zu verlieren. Ich hatte ein Ziel, das war eine Medaille. Leider sollte es nicht sein“, gab Fuhrmann zu.

Ebenso gab sie ein ehrliches Fazit zu Protokoll: „Ich bin schon sehr enttäuscht, dass ich nichts reißen konnte und bin natürlich nicht hergekommen, um zwei Mal zu verlieren. Aber ich bin trotzdem stolz auf meine Leistung hier und vor allem auf den Weg hierher. Allein hier zu sein ist schon ein großer Erfolg.“ Nachsatz: „Dann muss ich mir die Medaille wohl bei den nächsten World Games holen.“ Diese steigen übrigens 2029 im deutschen Karlsruhe.

Klar ist freilich auch: Der Faktor Kreuzbandriss spielte retrospektiv eine Rolle. Immerhin feierte Lisa Fuhrmann erst bei den World Games ihr Wettkampf-Comeback. „Das hat natürlich eine Rolle gespielt. Man verfolgt ja die anderen Athletinnen über die sozialen Netzwerke – alle haben Anfang des Jahres trainiert, ich habe Physiotherapie absolviert und gerade irgendwie eine Kniebeuge machen können.“

Dass sie um jeden Preis in Chengdu dabei sein wollte, unterstreicht sie nochmals, denn: „Unsere Sportart ist nicht olympisch, die World Games sind die größte Bühne. Ich wollte unbedingt dabei sein. Erst im Juli habe ich wieder spezifisch mit Jiu Jitsu begonnen. Wir wollte kein Risiko eingehen, ich hatte keine Wettkämpfe vor den World Games.“ Damit sind ihre zweiten World Games nach Birmingham 2022 beendet. Der Teamspirit sei wieder spürbar gewesen: „Alles war super organisiert, wir haben eine tolle Stimmung im Team.“

Nach Hause geht es für das Team Fuhrmann noch nicht, wie Trainer und Vater Ferdinand aus China meldete. Zwei Wochen geht es sightseeing-mäßig durch China, am 24. August folgt dann die Heimreise.