Nah & Frisch bleibt erhalten – Betreiber zieht sich zurück
Zemendorf
Seit zehn Jahren betreibt Franz Xaver Groiss den einzigen Nahversorger in Zemendorf-Stöttera. Zuletzt kursierten Gerüchte über eine Schließung des Geschäfts. Tatsächlich will sich Groiss zurückziehen. Nach seinen Angaben soll der Nah & Frisch voraussichtlich Anfang September übergeben werden.
Der Nah&Frisch-Markt in Zemendorf.
© Bernhard Matouschek
Als Gründe für seinen Rückzug nennt Groiss die Bundespolitik und vor allem die Gemeindeführung. „Ich fühle mich in diesem Dorf nicht mehr wohl“, sagt Groiss im Gespräch mit der BVZ. Zwar würden viele Bürgerinnen und Bürger weiterhin regelmäßig im Nah & Frisch einkaufen, von der Gemeindeführung habe er sich in den vergangenen Jahren aber zu wenig unterstützt gefühlt. „Bürgermeister Herbert Pinter wohnt praktisch nebenan und geht mehrmals täglich vorbei. Trotzdem ist er kaum einmal hereingekommen“, sagt Groiss. Auch Vizebürgermeisterin Karin Perger habe im Wahlkampf angekündigt, den Nahversorger unterstützen zu wollen. „Davon habe ich wenig gespürt.“
Neben der laut ihm mangelnden Unterstützung kritisiert Groiss auch die finanzielle Situation. Nach seinen Angaben erhielt der Nahversorger früher jährlich 6.000 Euro. Heuer sei diese jedoch weggefallen. Gleichzeitig seien die Kosten aber weiter gestiegen. Immer wieder werde ihm auch vorgehalten, seine Produkte seien zu teuer, erzählt Groiss. Dafür habe er wenig Verständnis. „Für ein teures Handy oder Konzertticket wird viel Geld ausgegeben. Aber wenn ein Brot auf einmal 20 Cent mehr kostet, ist es plötzlich zu teuer.“
Bürgermeister Herbert Pinter weist die Vorwürfe entschieden zurück. Die Gemeinde habe den Nahversorger sehr wohl unterstützt und die zugesagten Förderungen ausbezahlt. Zudem habe man Groiss gemeinsam mit der OSG einen neuen Standort angeboten. „Das hat er nicht wollen“, sagt Pinter. Auch den Vorwurf, er würde nicht im Geschäft einkaufen, lässt der Bürgermeister nicht gelten. Seine Familie kaufe regelmäßig beim Nahversorger ein.
Auch die Kritik an der mangelnden Unterstützung des Nahversorgers weist Pinter zurück. Neben den zugesagten Förderungen sei nahezu der gesamte Bedarf für Gemeindeveranstaltungen sowie für den laufenden Betrieb der Gemeinde im Geschäft von Groiss eingekauft worden. „Wir haben dort nicht nur gefördert, sondern auch tatsächlich eingekauft – für Feste, Veranstaltungen und den täglichen Bedarf“, so Pinter.
Zur Zukunft des Nahversorgers zeigt sich der Bürgermeister zuversichtlich. Man stehe bereits in Gesprächen mit der Firma Kastner, die die Nah & Frisch-Filiale nicht nur weiterführen, sondern ausbauen wolle. Der Standort habe aus Sicht des Unternehmens Potential.