Künstliche Laichgewässer sollen in Neudörfl angelegt werden

Zum Schutz der Frösche

Im April dieses Jahres machte der Neudörfler Ökologe Stephan Ettmar auf ein massenhaftes Amphibiensterben in einem Sickerbecken bei der Neudörfler S4-Auffahrt aufmerksam (die BVZ berichtete exklusiv). Nun ist sein Weckruf auch in der Gemeinde angekommen.

Damit in Zukunft Grasfrösche davon abgehalten werden in das Sickerbecken bei der S4-Auffahrt zu wandern, sollen, wenn es nach Grün-Gemeindevorständin Sabine Schügerl geht, dort in der Nähe künstliche Laichgewässer angelegt werden.

Damit in Zukunft Grasfrösche davon abgehalten werden in das Sickerbecken bei der S4-Auffahrt zu wandern, sollen, wenn es nach Grün-Gemeindevorständin Sabine Schügerl geht, dort in der Nähe künstliche Laichgewässer angelegt werden.

© zVg

Die Vorgeschichte in Kürze zusammengefasst: 2022 entdeckte Stephan Ettmar bei besagtem Sickerbecken, dass dort bis zu fünfzig Frösche verendet sind. Auch Kaulquappen, die sich im Wasser bereits entwickelt haben, dürften die Metamorphose bis zum vollendeten Frosch nicht geschafft haben, da das Sickerbecken zwischenzeitlich immer wieder gänzlich oder fast komplett austrocknete. Stephan Ettmar untersuchte das dortige Wasser und kam zu dem Ergebnis, dass ein erhöhter Leitwert vorliegt, der von Salzen, Schadstoffen oder Mineralien stammen kann. Was letztendlich den hohen Leitwert verursacht hat, konnte er nicht endgültig belegen. Ein möglicher Verdacht fiel allerdings auf die S4-Schnellbahn. Womöglich könnten von dort Salze in das Sickerbecken geschwemmt worden sein. Stephan Ettmar hat nach seiner Entdeckung seinen Aussagen zufolge auch umgehend die zuständigen Behörden informiert, passiert sei aber nichts.

Künstliche Laichgewässer sollen in Neudörfl angelegt werden

© Gemeinde

2023 fand der Ökologe wieder einige tote Frösche. Auch den Kaulquappen dürfte erneut das gleiche Schicksal bestimmt gewesen sein wie bereits im Vorjahr. Als die Gemeindevorständin der Grünen, Sabine Schügerl, davon erfuhr, nahm sie Kontakt mit Stephan Ettmar auf und lud ihn zu einer der Sitzungen des Umweltausschusses ein, dem Schügerl vorsteht. „Dort hat er viele interessante und auch erschütternde Details über die Welt der Reptilien und Amphibien den Zuhörern nähergebracht. So sinkt die Zahl der querenden Amphibien am,Krötenzaun‘ auf der B53 Richtung Pöttsching dramatisch: 2016 waren es noch 1.300 Tiere, heuer gab es nur mehr 200! Dieser alarmierende Rückgang und das Sterben der Tiere im Bereich des Sickerbeckens bei der S4 hat die Mitglieder des Umweltausschusses zum Handeln bewogen“, sagt Sabine Schügerl. Man sei sich im Ausschuss parteiübergreifend einig gewesen, dass durch ein künstliches Laichgewässer, das angelegt werden soll, ein sehr großer Beitrag für den Erhalt der Amphibien in Neudörfl geleistet werden könne.

Im Herbst sollen die Laichgewässer angelegt werden

Der Experte Stephan Ettmar hat künstliche Laichgewässer ebenfalls von Beginn an als die wahrscheinlich beste, einfachste und auch kostengünstige Lösung angedacht, da solche Gewässer vom Land gefördert werden. „Die Laichgewässer müssten 100 m2 oder größer sein, damit sie förderwürdig sind“, so Stephan Ettmar. „Vielleicht ist es auch möglich, ein System von mehreren kleinen Gewässern anzulegen. Das müsste man sich alles noch im Detail anschauen. Die Tiere sind hier aber gar nicht so wählerisch.“ Sabine Schügerl sagt, dass bereits ein paar mögliche Bereiche im Gemeindegebiet ausfindig gemacht wurden, die sich dafür eignen würden und die im Besitz der Marktgemeinde Neudörfl sind. Damit allerdings in die konkrete Planungs- und Umsetzungsphase eingetreten werden kann, muss im Gemeinderat oder zumindest im Gemeindevorstand eine Mehrheit dafür stimmen. Zu lange Zeit dürfe man sich damit aber nicht lassen, sagt Stephan Ettmar. „Man sollte im Herbst damit beginnen, damit man nicht wieder ein Jahr verliert.“ Das sieht auch Sabine Schügerl so: „Idealer Zeitpunkt für die Anlage eines solchen Laichgewässers wäre der Herbst, da die Wanderung der Kröten und Frösche im Februar beginnt. Von Februar bis Juli muss das Gewässer Wasser führen, im Sommer kann es austrocknen, eine Tiefe von 50 cm würde ausreichen.“

Es kostet nicht viel, bringt aber viel für den Schutz der Amphibien. Stephan Ettmar, Ökologe aus Neudörfl

Stephan Ettmar will sich, sofern sein Rat gewünscht wird, auch weiterhin einbringen. Er hat zum Beispiel Kontakte zur sogenannten AG Schaufenteich. „In der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie, das sind Amphibien- und Reptilienkundler, mit Sitz im Naturhistorischen Museum gibt es eine Gruppe von Leuten, die sich auf so etwas spezialisiert haben. Die also im kleinen Maßstab Biotope anlegen, die unbürokratisch, mit einfachsten Mitteln, aber effektiven Methoden gemeinsam anpacken und so einen Teich ausschaufeln. Deshalb: Schaufelinitiative.“ Unter anderem damit könne das Projekt auch dem Bürgermeister schmackhaft gemacht werden, nach dem Motto: „es kostet nicht viel, aber es bringt viel für den Schutz der Amphibien.“ Demnächst wird also auch ein Vorschlag auf dem Schreibtisch von Bürgermeister Dieter Posch landen. Auf Anfrage sagt er, nichts Näheres weiß er über Pläne, die im Umweltausschuss angedacht wurden. Insofern könne er dazu auch noch nicht Stellung beziehen, ob er sich ebenfalls für solche künstlichen Laichgewässer stark machen werde.