Renaturierungsprojekt in Oberwart sorgt für leise Diskussionen

Zurück zur Natur

Wo früher ein begradigter Wasserlauf durch die Landschaft zog, schlängelt sich heute ein Fluss. Auf zwölf Hektar wurde der Verlauf der Pinka zwischen Riedlingsdorf und Oberwart renaturiert – eine Maßnahme, die Hochwasserschutz, Naturschutz und Naherholung verbinden sollte. Das Projekt wurde mit dem Neptun-Wasserpreis ausgezeichnet. Heute wächst vieles wild, aber das ist so beabsichtigt.

So sehen Teile der Pinka heute aus.

So sehen Teile der Pinka heute aus.

© Bertie Unger

Wer durch das Naherholungsgebiet am Nordrand von Oberwart spaziert, sieht: Hier ist nichts aufgeräumt. Keine gemähten Wiesen, kein Kiesweg bis ans Wasser. Viel Grün, viel Wildwuchs und durchaus auch leise Kritik. „Man könnte öfter mähen“, heißt es von manchen Oberwarter:innen, denen das Gebiet zu unzugänglich geworden ist. Die Stadt sieht das anders.

„Das ist ein Renaturierungsprojekt, das heißt: Die Natur macht sich das selbst“, sagt Bürgermeister Georg Rosner. „Wir mähen einen Weg zur Pinka aus, den Rest erledigt die Natur.“ Rosner ist regelmäßig selbst vor Ort, sieht das Areal als Erfolg: „Das wird richtig gut angenommen. Es geht um eine natürliche Entwicklung“, sagt Oberwarts Stadtchef.

Der Abschnitt wurde völlig neu gestaltet

Tatsächlich war das Ziel klar definiert: Die ökologische Funktionsfähigkeit der Pinka sollte wiederhergestellt werden. Jahrzehntelang war der Fluss kanalisiert, unterbrochen, begradigt. Mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus sowie Unterstützung der Landesregierung wurde der Abschnitt neu gestaltet. Das Gewässerkontinuum wurde wiederhergestellt, der Lebensraum für Fische und andere Wasserlebewesen geöffnet. Heute können sie wieder ungehindert flussaufwärts wandern – etwas, das früher nicht möglich war.

Auch für den Menschen sollte etwas entstehen. Und das ist es auch, sagt Rosner: „Wir schützen damit nicht nur vor Hochwasser, sondern schaffen gleichzeitig ein Naherholungsgebiet für die Bevölkerung.“ Tatsächlich wurde das Projekt 2021 mit dem Neptun-Wasserpreis ausgezeichnet. Für die Verbindung von Hochwasserschutz, Biodiversität und öffentlicher Zugänglichkeit.

Ein Spaziergang entlang des Gebietes lohnt sich und zeigt: Die Renaturierung ist keine Inszenierung, sondern ein Prozess. Wer heute an diesem Teil der Pinka entlanggeht, findet keine Idylle nach Katalog, sondern ein Stück Natur, das sich seinen Platz zurücknimmt. Dass das nicht überall auf Begeisterung stößt, ist Teil der Sache.

In der Nähe steht eine Infotafel, die auf das grenzüberschreitende INTERREG-Projekt „WeCon“ – ein Vorhaben zur Vernetzung von Feuchtlebensräumen in der Region verweist. Auch Oberwart ist Teil davon. Und wer auf einer der Bänke rund ums Naherholungsgebiet sitzt, das Wasserrauschen hört, die Sonne spürt, versteht vielleicht, worum es hier geht: Um Geduld und darum, dass Natur nicht gepflegt aussieht – sondern lebendig.

Das Naherholungsgebiet liegt entlang der renaturierten Pinka im Bereich zwischen Riedlingsdorf und Oberwart, auf einer Fläche von rund zwölf Hektar. Es beginnt grob auf Höhe der Industriezone zwischen Oberwart und Riedlingsdorf, führt an der B63a-Unterführung vorbei und verläuft dann stromabwärts Richtung Stadtgebiet von Oberwart.

Renaturierungsprojekt in Oberwart sorgt für leise Diskussionen

© Bertie Unger