Rabiate Einschleichdiebin attackierte zwei Personen
Zwei Jahre Haft
Dreimal schlich sich eine 53-jährige Ungarin in Häuser ein. Sie stahl im Burgenland und in Niederösterreich Bargeld und wertvollen Schmuck und wehrte sich, wenn sie auf Hausbewohner traf.
Die 53-jährige Ungarin wurde in Handschellen in den Gerichtssaal gebracht.
© BVZ/Kirchmeir
Beobachtungen von Zeugen führten schließlich zur Ausforschung der Frau, die per europäischen Haftbefehl gesucht und im April 2026 verhaftet wurde. Am 1. September 2026 stand sie wegen räuberischen und schweren Diebstahls vor Gericht.
Die Tatorte soll die Frau zuvor ausgekundschaftet haben. Sie wählte Häuser aus, die von alten Menschen bewohnt wurden, und deren Haustüren nicht verschlossen waren.
Am 20. Jänner 2026 betrat sie unbehellligt das Haus einer 86-jährigen Pensionistin im Bezirk Güssing. Sie durchsuchte das Schlafzimmer und steckte einige Goldhalsketten ein. Als sie durch das Wohnzimmer ging und wieder in den Vorraum trat, stand ihr die völlig überraschte Hausbewohnerin gegenüber.
Hausbewohnerin von Diebin überrascht
„Plötzlich kommt mir jemand aus dem Wohnzimmer entgegen“, berichtete die 86-Jährige vor Gericht. „Ich dachte, das gibt's ja nicht!“ Gerade wollte sie die Frau, die ihr Gesicht verhüllt hatte, fragen, was sie hier suchte, da bekam sie einen Stoß und stürzte gegen Tisch und Sessel, die im Vorraum standen.
Die Diebin suchte das Weite.
Am 17. März 2026 schlich sich die Ungarin in ein unversperrtes Haus im Bezirk Melk ein. Ohne dass die Hausbewohner etwas bemerkten, stahl sie 640 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von 20.000 Euro.
Diebin stahl Ostergeld der Enkel
Am 1. April 2026 schaute sich die Frau im Haus einer Familie im Bezirk Oberpullendorf um. In einer Kommode fand sie Kuverts, in denen Geldbeträge für die Enkel der betagten Hausbewohnerin vorbereitet worden waren. Zu Ostern sollten die Geldgeschenke übergeben werden. Sie entnahm die Geldscheine und legte die Kuverts feinsäuberlich wieder zurück. Dass rund 300 Euro fehlten, bemerkte die Familie erst Tage später.
„Ich hatte damals gerade die Mülltonne von der Straße hereingeholt und führte vor dem Haus ein Telefonat“, berichtete der 61-jährige Sohn der Hausbewohnerin. „Da sehe ich, wie eine Person aus unserem Haus herauskam. Ich rief: Wer sind Sie? Was wollen Sie?“
Diebin benützte Pefferspray
Die vermummte Unbekannte lief davon, der 61-Jährige ihr nach. Während der Verfolgung fotografierte er mit dem Handy. „Ich rief: Stopp! Stehen bleiben!, sie zeigte mir den Finger“, so der Zeuge vor Gericht. Durchs halbe Dorf sei er der Frau nachgelaufen, bis diese schließlich einen Spray auf ihn gerichtet habe. „Da war ich zwei Meter weg“, so der Zeuge. „Ich drehte mich weg und der Wind wehte in ihre Richtung, deshalb bekam ich eigentlich nichts ab.“
Die Angeklagte hatte zuvor bei ihrer Einvernahme behauptet, einen Asthmaspray benützt zu haben, den sie bei sich selbst angewendet habe. Es könne sich nur um einen Pfefferspray gehandelt haben, war hingegen der 61-Jährige überzeugt. Die Diebin öffnete mit der Fernbedienung ihr Auto und klappte den Kofferraumdeckel hoch, wohl um zu verhindern, dass er einen Blick auf die Nummerntafel werfen konnte, wie der Zeuge meinte.
Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Polizei am Telefon und informierte die Beamten, in welche Richtung die Verdächtige davonfuhr. Festgenommen wurde sie aber erst drei Wochen später.
Vor Gericht bekannte sich die Ungarin zu allen drei Einschleichdiebstählen schuldig, bestritt aber, gegenüber Menschen Gewalt angewendet zu haben. Die 86-jährige Pensionistin habe sie höchstens versehentlich angerempelt.
Diebstähle für Betrüger begangen?
Zu Beginn des Prozesses hatte die Angeklagte angegeben, sie verdiene mit dem Verkauf von Kleidungsstücken 2.000 Euro pro Monat und erhalte zudem Sozialleistungen. Sie sei, berichtete die Ungarin, nämlich für ihre drei Enkelkinder sorgepflichtig, und das älteste der Kinder sei geistig behindert.
„Sie hatten zwischen 3.000 und 3.500 Euro monatlich zur Verfügung. Warum haben Sie das gemacht?“, fragte die Richterin nach dem Motiv für die Einschleichdiebstähle.
„Ich hatte einen Freund, der mir versprach, das behinderte Enkelkind zu heilen“, jammerte sie vor Gericht. „Aber er hat mich betrogen.“
Der Mann sei ihr Liebhaber gewesen und habe von einer Operation in Bukarest gesprochen. Dafür habe sie ihm den gestohlenen Schmuck gegeben.
Details zum Betrüger blieb Diebin schuldig
Die Staatsanwältin wollte Näheres über den Mann erfahren. „Ich habe keine Daten von ihm, er rief mich immer von einer privaten Nummer an und in seiner Wohnung war ich nie“, behauptete die Angeklagte. „Sie hatten ein Verhältnis mit dem Mann, kannten aber seinen Nachnamen nicht“, wunderte sich die Staatsanwältin.
Der Schöffensenat verurteilte die sechsfach einschlägig vorbestrafte Ungarin wegen teils räuberischen, teils schweren Diebstahls zu zwei Jahren Haft. Die Zeugenaussagen seien überaus glaubwürdig gewesen, so die Richterin. Es sei ein Glück, dass nicht mehr passiert sei, insbesondere bei der betagten Hausbewohnerin.
Besonders verwerfliche Straftaten
Als besonders verwerflich bezeichnete die Richterin die Tatsache, dass sich die Täterin gezielt Häuser ausgesucht habe, in denen ältere Menschen leben. „Sie schleicht sich ein, räumt ab - da ist eine hohe kriminelle Energie vorhanden“, sagte die Richterin.
Den bestohlenen Opfern muss die Diebin insgesamt knapp 20.000 Euro ersetzen, an den Staat muss sie 1.440 Euro zahlen.
Das Urteil ist rechtskräftig.