1.000 Tage & 1.000 Liter für neue Farbe. Alles über das Thema Autolack – ein bunter Besuch in der Abteilung „Color & Trim“ in Matorell.

Von Thomas Vogelleitner. Erstellt am 31. Juli 2018 (00:45)
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„Die Kreation einer neuen Farbe ist ein Insiderjob“, sagt Jordi Font, der bei Seat die Abteilung „Color & Trim“ leitet. Der lange Weg einer neuen Farbe beginnt mit einer Marktstudie und endet erst, wenn der Lack auf das Fahrzeug aufgetragen wird. Bei diesem Prozess rückt die Personalisierung immer stärker in den Vordergrund. Die Kreation einer neuen Farbe dauert rund 1.000 Tage.

„Farben werden täglich komplexer und der Trend geht zu immer mehr Indivi- dualisierung.“ Jordi Font, Seat, Leiter der Abteilung „Color & Trim“

Zunächst analysiert ein Spezialteam aktuelle Markttrends und schlägt eine ganze Reihe an Farben für neue Modelle vor. „Um einen neuen Farbton zu schaffen, müssen wir nicht nur auf Trends achten, sondern auch auf unsere Intuition. Man muss den Puls der Zeit spüren und sich davon inspirieren lassen“, erzählt Font. Insgesamt werden ungefähr 1.000 Liter Lack benötigt, bis es eine neue Farbe zur Marktreife schafft.

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Diese wird im Labor gemischt – eine Arbeit, die im Grunde reine Chemie ist. „Bei der Farbpalette für den Arona zum Beispiel haben wir 50 verschiedene Pigmente und Metallpartikel zusammengemischt und fast 100 Variationen von derselben Farbe erstellt, um zu sehen, welcher Farbton am besten passt“, so Carol Gómez von der Abteilung „Color & Trim“. „Farben werden täglich komplexer und der Trend geht zu immer mehr Individualisierung“, so Font. Ein gutes Beispiel hierfür ist eben der Klein-SUV Arona, bei dem die Kunden aus mehr als 68 verschiedenen Farbkombinationen wählen können.

Sobald die Zusammensetzung der Farbe definiert wurde, wird sie auf eine Metallplatte aufgebracht, um ihre optischen Effekte zu testen. „Wir prüfen Farbton und Farbtiefe auf Platten unter verschiedenen Lichtbedingungen, sowohl im Sonnenlicht als auch im Schatten, um sicherzustellen, dass der aufgetragene Lack dem gewünsch-
ten, ursprünglich entworfenen Farbton entspricht“, erläutert
Jesús Guzmán vom „Color & Trim“-Team.

In den Lackierkabinen werden die Fahrzeuge bei einer Temperatur zwischen 21 und 25 Grad Celsius lackiert. Dabei tragen in einem automatisierten Verfahren 84 Lackierroboter auf jedes Fahrzeug insgesamt zweieinhalb Kilogramm Lack auf. Pro Fahrzeug benötigen sie hierfür rund sechs Stunden. Die Lackierkabine ist mit einem ähnlichen Belüftungssystem wie Operationssäle ausgestattet, um zu verhindern, dass Staub und Schmutzpartikel von außen eindringen und sich auf die frisch lackierten Fahrzeuge setzen können. Diese erhalten insgesamt sieben Lackschichten, jede in etwa so dünn wie ein menschliches Haar, dabei aber so hart wie Stein. Anschließend wird der Lack bei 140 Grad in einem Ofen in die Karosserie eingebrannt. Nach der Lackierung wird in nur 43 Sekunden geprüft, ob die Lackoberfläche Mängel aufweist. Die Fahrzeuge durchlaufen dabei einen Scanner.