C3 WRC: Wilde (Drift-)Winkel mit 380 PS. Im neuen C3 stecken auch sportliche Gene: Die französische Doppelwinkelmarke ist in der Rallye-WM mit dem 380 PS starken C3 WRC präsent.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 03. Oktober 2017 (01:51)
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Die NÖN am Beifahrersitz eines C3 WRC – ein unvergessliches Erlebnis! Nichts für schwache Nerven und kaputte Wirbelsäulen …
NOEN, Citroën

Im Zuge der Neuordnung des PSA-Konzerns – Citroën, Peugeot, DS Automobiles und neuerdings auch Opel – hat die Doppelwinkelmarke die Rolle des Mainstreams zugeteilt bekommen. Diese ist bekanntlich sehr eigenständig interpretiert. Einen ersten Ausblick hatte der Cactus geliefert, mit seinem auffällig-eigenwilligen Design.

Citroën als neuer "Mainstream"

Die Fortsetzung zeigt sich an der optisch völlig veränderten dritten Generation des C3 und seinem neuesten Derivat, dem C3 Aircross. Der Schwerpunkt der neu aufgestellten Kleinwagen- Baureihe liegt auf Komfort, Wohnlichkeit, Familienorientierung, Stadttauglichkeit und Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig vielfältiger Individualisierbarkeit, die Franzosen kreieren mit knalligen Farbakzenten fröhliche Auffälligkeit.

Doch der C3 kann noch mehr: Er kann auch wilde (Drift-)Winkel! Auf Asphalt, Schotter, Sand, Schnee und Eis. Als Sportler. Denn bei aller Mainstream-Orientierung bleibt die Doppelwinkelmarke ihrer Racing-Tradition, die vor allem in Rallyes wurzelt, treu. Als Nachfolger des DS3 WRC hat Citroën auf der Plattformbasis des Serien-C3 den neuen C3 WRC aufgebaut und im vergangenen Frühjahr auf dem Autosalon in Genf präsentiert. Stilistisch wurden etliche Designelemente – wie die Seitenpolster und etliche Farbakzente – übernommen.

Das breitspurige Exterieur des Rallye-C3 hingegen ist dominiert von Luftein- sowie -auslässen, Splittern, das bespoilerte Heck ist überdacht von einem mächtigen Flügel. Das Interieur ist vollgepackt mit Überrollkäfig, Fahrinstrumentarium, Hebel, Tasten, Schaltern & Co.
Unter der Haube arbeitet ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbo-benziner mit 380 PS, der seine Leistungsbereitschaft via Monoendrohr heiser-bellend hinausbrüllt. Die Fahrstufen werden über ein sequenzielles Sechs-Gang-Getriebe gewechselt. Angetrieben werden alle vier Räder. Auf Asphalt sind das 18-, auflosem Untergrund 15-Zöller.

Die vier innenbelüfteten Bremsscheiben messen je nach Terrain vorne 370 oder 300, hinten 330 oder 300 Millimeter im Durchmesser. Gewichtsseitig trägt das kaum auf: Der C3 WRC wiegt leer 1.190 Kilogramm (1.350 mit Fahrer und Co-Pilot), die Serienversionen des C3 haben ab 1.051 beziehungsweise ab 1.145 Kilogramm (C3 Aircross).

Eine wahre Rallye-Maschine

Was der C3 WRC alles so kann, demonstrierte die Motorsportabteilung der Franzosen auf dem Circuit Val de Loire, im Anjou, der historischen Provinz Frankreichs. Selbst ans Steuer des Boliden durfte man – klarerweise (und leider) – nicht. Aber ins Leben eines Co-Piloten hineinschnuppern.

Am Volant: Rallyefahrer Kris Meeke, der die Demorunden auf der zerklüfteten Bahn als ernsthafte Trainingsherausforderung für den kommenden WRC-Lauf in Spanien (5. bis 8. Oktober) interpretiert hat. „Gnade“ für den mitfahrenden Journalisten? Fehlanzeige! Wir haben dabei erst gar nicht versucht, die von Beifahrer Paul Nagle verfasste Pacenote (Roadbook) mit- oder gar vorzulesen, wir hatten genug damit zu tun, uns gegen die Fliehkräfte zu stemmen und den – selbstverständlich behelmten – Kopf einigermaßen würdig in Balance zu halten.