Der günstigste Stromer. Der Dacia Spring ist der erste Vollelektriker der Renault-Submarke – „ein Stadtauto im SUV-Look“ mit realistischen 230 Kilometern Reichweite. Der Preis ist auch hier heiß!

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:51)
Einmal Strom, bitte! Der Spring Electric hat nur 44 PS, trotzdem ist er ein munterer Geselle für die City, aber auch für das Umland.
Dacia

Was den Frühling betrifft, heißt es: Bitte warten! Aber er kommt, er steht schon in den Start- löchern: der Spring – Dacias erster Vollelektriker, der erste Kleinstwagen der Renault-Submarke, das (aktuell) günstigste Stromauto überhaupt. Nach Österreich kommt der Spring leider erst im Herbst. Als frühe Vorboten haben die Franzosen – im (Kalender-)Frühling – eine Schar von Vorserienmodellen an den Neusiedler See transportiert, für eine erste Premierenverkostung.

Angelegt ist der 3,734 Meter lange, frontgetriebene Batteriestromer als handlich-agiler City-SUV mit einem Wendekreisdurchmesser von 9,6 Metern. Bei einer Breite von 1,579 Metern und auf einem Radstand von 2,432 Metern bietet er vier Personen kommoden Wohnraum. Angesichts von 1,516 Metern Höhe offeriert er eine angehobene Sitzposition und eine Bodenfreiheit von 151 Millimetern. An Kofferraumvolumen gehen sich 290 Liter aus. Klappt man die Fondlehnen um, können es bis zu 1.100 Liter Gepäck sein. Diese Basis- maße ergeben eine stämmige Statur samt Unterfahrschutz, die stilistisch einen Schrumpf-Duster denken lässt.

Angetrieben wird der Dacia von einem Elektroaggregat mit 44 PS Spitzenleistung und 125 Newtonmetern Maximaldrehmoment. Als Stromreservoir dient ein 27,4-kWh-Akku. Diese Werte erscheinen sehr moderat, sie gehen jedoch einher mit einem Fahrzeuggewicht von nur 970 Kilogramm. Die angegebenen 19,1 Sekunden für die 0-auf-100-Beschleunigung wirken in der Praxis flotter als auf dem Papier. Und vor allem unkompliziert.

„Als erstes kleines Stadtfahrzeug von Dacia bricht der Spring mit den Regeln, wie sie bislang für konventionelle Elektroautos galten – bis hin zum SUV-Look …“ Karin Kirchner, Pressesprecherin Dacia Österreich

Die Fahrstufen N, D, R werden per Drehregler justiert, die Feststellbremse ist nicht elektronisch, man zieht klassisch am Hebel. Zwei Fahrprogramme stehen zur Auswahl: Der Normal-Modus erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h, der Eco-Modus reduziert die Leistung auf 31 PS. Schneller als 100 km/h läuft der Spring dann nicht, er sollte aber die Reichweite um bis zu neun Prozent optimieren können. Die ist, für den Mixbetrieb, laut WLTP-Prüfzyklus mit 230 Kilometern angegeben (City-Zyklus 305 Kilometer).

Einen Ausblick auf den realistischen Reichweitenatem sollte eine rund 65 Kilometer lange Referenzrunde geben. Unter recht ebenen topographischen Bedingungen zwischen dem Steppensee und den Ausläufern des Leitha- & Rosaliengebirges, doch bei scharfem Gegenwind und Temperaturen knapp über null Grad. Beim Start vermeldete der Bordcomputer 100 Prozent Batterieladestand und eine Reichweite von 200 Kilometern. Am Ende der Runde – inklusive Schotterstraßenabstechern – wies er 64 Prozent Restenergie und 125 Kilometer Reststreckenversprechen aus. Trotz auf Hochtouren laufendem Heizgebläse und erheblicher Radiolautstärke. Das Rekuperationsvermögen des Systems ist prompt und effektiv, selbst auf kurzen Bergabpassagen sind schnell einmal fünf Kilometer und mehr wieder gutgemacht.

Simpel gehalten ist, wie bei Dacia üblich, die Bordmitgift. Der Fahrersitz ist längs verschiebbar, die Höhe und das Lenkrad sind fix montiert. Trotzdem geht sich die Ergonomie für Durchschnittskörpergrößen gut aus.

Einfach ist auch der Umgang mit dem Laden: Der Anschluss sitzt hinter dem Dacia-Logo auf dem – geschlossenen – Kühlergrill, entriegelt wird die Klappe auf Tastendruck unterhalb des Lenkrads. An einer Haushaltssteckdose mit 220 Volt dauert der Ladevorgang laut technischen Angaben knapp 14 Stunden. An der Wallbox geht es mit 3,7 kW in acht Stunden und 30 Minuten. Gleichstromtanken mit 30 kW ergibt in etwa einer Stunde eine Ladung auf 80 Prozent (von null weg), legt man eine halbe Stunde drauf, sind es 100 Prozent.

Der typische Marken-Purismus von Dacia bezieht sich nicht auf die elektronische Basisausrüstung: Infotainment-System ist an Bord. Mit einer eigenen App kann man das Laden starten/stoppen und auch den Innenraum vorklimatisieren.