Der Schnee/Eis-Flamenco. A gführiger Schnee, juchhe! Die spanische VW-Tochter schickte ihre Allradmodelle in den hochalpinen Winter. Talentierter Gast auch ohne 4x4: der neue Arona.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 30. Januar 2018 (01:05)
NOEN, Seat
Leon ST Cupra 4Drive: Ab-wechselnd mit Winterpneus und Spikereifenzeigt er sich Drifts keineswegs abgeneigt.

Temperament entwickelt Seat nicht alleine aufgrund der süd-lichen Herkunft. Die spanische Tochtermarke von VW ist bezüglich Absatz flott unterwegs, beschleunigt durch die aktuellen Modellentwicklungen. Im Markenranking des Autojahres 2017 haben sich die Katalanen auf dem neunten Rang platziert (Marktanteil: 4,9 Prozent, laut Statistik Austria), damit Konzernschwester Audi überholt. Hohen Anteil daran hat die SUV-Offensive. Dem kompakten Ateca ist im Spätherbst des Vorjahres der subkompakte Arona gefolgt. Und ein großer SUV steht am Start.

Hohen Anteil an der Aufwärtsentwicklung hat nicht zuletzt der wachsende Anteil an Allradmodellen. Folgend dem erfolgreichen Alhambra war das 4x4-Offert auf den Leon ausgedehnt worden. Als 4Drive firmieren je nach Type der Fünftürer und der Kombi (ST). Der Ateca ist zwar auch als reiner Fronttriebler zu haben, jedoch bauartgemäß als Allradler ausgelegt. Der Arona muss – als City-Crossover – ohne Vierradantriebsoffert auskommen.

Dennoch war der Arona mit von der Partie, als Seat im Rahmen der „Snow Experience“ zum Schnee/Eis-Flamenco ins Tirolerische rief. Zentrum der Fahraktivitäten war das Inntal, wo reichlicher Schneenachschub in der Region rund um Seefeld für die passenden Rahmenbedingungen gesorgt hatte. Auf den zwar geräumten, aber dennoch winterlich feuchtkalten Fahrbahnen zwischen Telfs und Leutasch demonstrierte der jüngste Katalane auch ohne Allradantrieb Traktionssicherheit und Spurtreue.

Der Ateca wurde über Waldpfade bergan sowie bergab geschickt. Tauwetter hatte zwar noch nicht viel an den Schneewänden geknabbert, die Fahrbahn jedoch eisig verhärtet. Was den kompakten Hispano-SUV reichlich ungerührt ließ. Das bekannte Allradsystem aus dem VW-Konzernregal – mit elektronisch gesteuerter Lamellenkupplung – ist in seiner fünften Generation angelangt. Es wartet mit seinem Einsatz nicht erst, bis Schlupf auftritt, sondern teilt die Antriebskräfte vorausschauend und aktiv auch den Hinterrädern zu. Elektronische An- und Bergabfahrhelfer liefern ihren Beitrag zu Traktionssicherheit und zur richtigen Anpassung des Tempos.

Noch gezielter zeigen konnte das die X-Perience-Version des Leon ST. Dank um 27 Millimeter erhöhter Bodenfreiheit gegenüber der Standard-Version plus Kunststoffbeplankung pflügt er sich friktionsfrei durch tiefen Schnee und muss vor ausgefahrenen Spurrillen nicht aufstecken – sowohl bergauf als auch bergab.

Im Gegensatz zum Robust-bruder legt es die Cupra-Version nicht in Bezug auf die Karosserie, sondern auf die Leistung höher an. Sein 2,0-Liter-Turbobenziner leistet 300 PS. Dass er die in der Kombiversion über vier angetriebene Räder glaubhaft umsetzen kann, hat der Kompakte bereits im Vorjahr auf finnischem – ungleich härterem – Eis bewiesen. Jetzt stand die Driftprobe auf heimischem Terrain an, als Krönung der „Snow Experience“ von Seat. Fazit: Auch auf bereits von der Sonne aufgeweichtem, zum sicheren Zu-Fuß-Gehen schon viel zu rutschigem Untergrund kann der ausgewogene Spanier beides: Spurtreu um die Pylonen zirkeln oder kontrollierte Drift-Linien ziehen – was auch weniger Begabten am Ende mit temperamentvollem Speed gelingt.