Auf Staatsbesuch …. Der DS9 ist das dritte Modell der PSA-Edelmarke, er soll in der Premium-Klasse neue und charakterstarke Akzente setzen. Die erste Ausfahrt mit ihm!

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 17. Juni 2021 (05:17)
Schön sind sie (noch immer), die großen Limousinen. DS9, in Österreich ausschließlich als Plug-in-Hybrid zu haben (rein elektrisch bis 135 km/h): 225 oder 360 PS stark. Der Ordnung halber: 510 Liter Kofferraumvolumen.
Christian Houdek

Es kann nur eine Göttin geben: die DS, la Déesse, die Ikone nicht nur des französischen Automobilbaus der 1950er-Jahre schlechthin, kreiert von Citroën! Die neuen – späten – Nachkommen, die unter dem PSA-Premium-Label DS Automobiles firmieren, heißen demnach DER DS. Das unter der 2015 neu gegründeten Marke firmierende Portfolio ist überschaubar, es sollen für das Erste auch nicht mehr als sechs Modelle werden.

Derzeit sind es zwei, die neu entwickelt wurden (DS7 Crossback und DS3 Crossback). Der DS3, der als Citroën DS begonnen hatte, ist mittlerweile ausgelaufen. Dennoch hat es das Edel-Label geschafft, im mehr als schwierigen Vorjahr zuzulegen. 225 Neuzulassungen bedeuten gegenüber 2019 eine Steigerung um zwölf Prozent (in Österreich). Ein Ergebnis, das mit nur drei Händlerstandorten erzielt wurde.

Drei ist im Moment eine Schlüsselzahl, ein Initial für noch mehr Zuwachs. Das dritte Modell steht in den Startlöchern: der DS9. Kein SUV, kein Crossover, sondern eine stattliche Limousine, 4.934 Millimeter lang (die neue Staatslimousine von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron?). Durchaus mit einem Konnex zur eingangs beschworenen Göttin: Auf der Motorhaube prangt eine Chrom-Spange, in die C-Säule sind gelb-orange Positionsleuchten integriert (die können halt nicht winken), und das Heck ist fließend gestaltet.

So wie die glattflächig unverschnörkelt designte Karosserie insgesamt, mit langgezogener Motorhaube, dekoriert mit liebevollen und edlen Details an Kühlergrill, Leuchten (rundum LED auf dem Stand neuester Technik) sowie an den Schwellern. Ein weiteres Feature, gar nicht am Rande: die versenkbaren Türgriffe.

„Der DS9 verkörpert französische Automobilkompetenz auf höchstem Niveau!“ Christoph Stummvoll, Pressesprecher DS Automobiles Österreich

Das gediegene Exterieur setzt sich im Interieur fort. Siehe Ledersitzpolsterung im Uhrband-Design, siehe Schalter und Regler wie aus DS7 Crossback und DS3 Crossback bekannt, siehe die stimmige Integration des digitalen und konfigurierbaren TFT-Kombiinstruments sowie des Infotainmentsystem-Touchdisplays, siehe das optionale Premium-Soundsystem … Zu all dem passt das nicht überfrachtete, genau richtig griffige Format des Volants.

Auf Premium-Niveau ist erwartungsgemäß die Geräuschdämmung. Die Arbeit des Antriebs ist mehr spür- als hörbar. Es schlägt (man könnte sagen leider) kein Sechs- oder Achtzylinderherz unter der Motorhaube, die Lautäußerungen des 1,6-Liter-Turbobenziners (Vierzylinder) sind aber höchst dezent. Der sitzt an der Vorderachse und produziert gemeinsam mit einem Elektroaggregat eine Systemleistung von 225 PS (Spritverbrauch: ab 1,5 Liter pro 100 Kilometer, laut WLTP).

Kombiniert ist das Plug-in-Hybridsystem (nach Österreich kommen ausschließlich elektrifizierte Benziner) mit einer achtgängigen Automatik, die bekannt homogen die Fahrstufen wechselt. Das System ist ja aus anderen Konzernprodukten bereits gut bekannt (Peugeot 508, Citroën C5 Aircross), für den DS9 wurde es nochmals feiner abgestimmt. Das 225-PS-Leistungsangebot reicht dem Fronttriebler absolut zum eleganten Auftritt. Noch besser kann es einer, der erst als Vorserienmodell ein halbes Stündchen ausgeführt werden durfte: der E-Tense 4x4 360. Auch diese Antriebsvariante kennt man schon, aus dem Peugeot 508 PSE. Hier wie dort arbeitet an der Hinterachse ein zweiter Strommotor zu. Im DS9 ist das Plug-in-Hybridsystem aber eher auf geschmeidigen Vortrieb denn auf betonte Sportlichkeit ausgelegt.

Es ist ein kongenialer und würdiger Begleiter – mit 360 PS Systemleistung. DS Automobiles sieht den 9er übrigens auch als Chauffeurs-Limousine. Weshalb wir für eine kurze Runde im Fond Platz genommen haben. Zu zweit. Zwar ist der DS9 ein Fünfsitzer, doch fungiert der Mittelplatz besser als kommode Armauflage samt Kleinzeugreservoir. Damit ist man kompatibel mit den mittlerweile entschärften Corona-Abstandsregeln. Fazit: Die Abstimmung der Hinterachse ist komfortabel – und völlig unschaukelig. Damit können (kurzfristig) auch Menschen, die ihren Platz im Auto ausschließlich am Volant sehen, im Fond durchaus gut leben.