Österreich hat zweithöchste Pkw-Besitzsteuer. EU-Studie belegt hohe laufende Belastung durch motorbezogene Versicherungssteuer.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 02. August 2019 (10:49)
Symbolbild

In der Klima- und Umweltdiskussion wird regelmäßig auf die im Vergleich zum benachbarten Ausland verhältnismäßig niedrigen Spritpreise und Mineralölsteuer-Sätze in Österreich verwiesen. Dabei zeigt eine aktuelle Studie der EU-Kommission, dass das nur die halbe Wahrheit ist, informiert der ÖAMTC in einer Aussendung: Mit seiner motorbezogenen Versicherungssteuer, die laufend gemeinsam mit der Haftpflichtprämie eingehoben und daher meist nicht als eigenständige Steuer wahrgenommen wird, ist Österreich EU-Vizemeister bei den Besitzsteuern auf einen neuen Pkw.

"Für ein effizientes neues Benzin- oder Diesel-Auto lag die motorbezogene Versicherungssteuer in Österreich 2016 demnach bei über 400 Euro pro Jahr. Nur in den Niederlanden ist der Besitz eines solchen Pkw noch teurer", hält Martin Grasslober, Verkehrswirtschaftsexperte des Mobilitätsclubs, fest. "Es gibt hingegen auch Länder, in denen gar keine Besitzsteuer für ein neues, effizientes Fahrzeug anfällt." Übrigens ist Österreich laut der Studie auch beim Besitz älterer Pkw stets unter den teuersten Ländern der EU.

Bis zu 65.000 Jahreskilometer notwendig, um in Österreich günstiger als in Deutschland wegzukommen

Auch ein aktueller ÖAMTC-Vergleich mit Deutschland zeigt deutlich, dass die Mineralölsteuer allein nichts über die Gesamtabgabenlast für den Autobesitzer aussagt. "Zwar ist die Mineralölsteuer in Österreich für den Liter Benzin um 17,2 Cent, für Diesel um 7,3 Cent niedriger als in Deutschland. Dennoch ist aufgrund der motorbezogenen Versicherungssteuer die jährliche Belastung für den Autofahrer hierzulande bei durchschnittlicher Nutzung deutlich höher – beispielsweise um rund 260 Euro bei einem benzingetriebenen VW Golf und um 180 Euro bei einem Skoda Octavia mit Dieselmotor", rechnet Grasslober vor.

Das bedeutet: Damit man in Österreich trotz niedrigerer Preise an den Zapfsäulen günstiger unterwegs ist als in Deutschland, müsste man mit dem Golf rund 37.000 Kilometer, mit dem Octavia sogar rund 65.000 Kilometer pro Jahr fahren. "In dieser Rechnung ist die Normverbrauchsabgabe, die es in Deutschland überhaupt nicht gibt, noch gar nicht berücksichtigt", erklärt der ÖAMTC-Experte – dann wäre der Unterschied noch gravierender.

EU-Vergleich der jährlichen Pkw-Besitzsteuern

Die Studie "Transport taxes and charges in Europe" weist für die 28 Mitgliedsstaaten folgende Besitzsteuern aus (pro Jahr für 2016 in Euro (gerundet) für einen "neuen, effizienten Benzin- oder Diesel-Pkw):

Benzin-Pkw

Niederlande: 714

Österreich: 454

Bulgarien: 359

Italien: 219

Belgien: 184

Irland: 180

Lettland: 121

Kroatien: 104

Portugal: 101

Malta: 100

Ungarn: 94

Griechenland: 89

Finnland: 85

Dänemark: 83

Slowakei: 80

Slowenien: 62

Zypern: 62

Schweden: 38

Tschechien: 35

Luxemburg: 30

Deutschland: 28

Spanien: 20

Rumänien: 9

Estland: 0

Frankreich: 0

Litauen: 0

Polen: 0

Großbritannien: 0

Diesel-Pkw

Niederlande: 1.039

Österreich: 424

Finnland: 393

Bulgarien: 382

Belgien: 250

Italien: 209

Irland: 180

Dänemark: 158

Deutschland: 152

Slowakei: 148

Portugal: 147

Lettland: 134

Kroatien: 129

Schweden: 117

Malta: 100

Ungarn: 90

Slowenien: 62

Tschechien: 58

Zypern: 57

Luxemburg: 45

Spanien: 20

Rumänien: 14

Estland: 0

Frankreich: 0

Griechenland: 0

Litauen: 0

Polen: 0

Großbritannien: 0