Europäisierter Amerikaner. Aufpoliert zum 80. Geburtstag der Marke wurde der Jeep Compass – das erste Modell unter dem Stellantis-Konzerndach, produziert in Italien.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 01. Mai 2021 (02:15)
Zum 80-Jahr-Jubiläum von Jeep frisch herausgeputzt: der Compass. Zu haben ist er als Benziner, als Diesel und als Plug-in-Hybrid. Letzterer mit 190 oder 240 PS.
Jeep, Jeep

Es ist noch kein Jahr her, dass Jeep dem Compass eine Überarbeitung verpasst hatte. Im Zuge der Aktualisierung von 2020 wurde die Antriebspalette um ein Plug-in-Hybridsystem erweitert. Es kooperieren ein 1,3-Liter-Benziner mit 130 oder 180 PS und ein Elektroaggregat mit 60 PS – gekoppelt an eine sechsstufige Wandlerautomatik. Der Verbrenner treibt die Vorder-, der Stromer die Hinterachse an. Das ergibt elektrisch generierten Allradantrieb (eAWD).

Damit ist das bisherige 4x4-Prinzip passé. Das neue, mit dem Kürzel 4xe markierte System soll genauso viel können wie das bisherige, auch in der höchsten Offroad-Tauglichkeitsstufe, die bei Jeep Trailhawk genannt wird und mit dem Label „Trailrated“ (geländegeprüft) zertifiziert ist. Als Stromspeicher dient ein 11,4-kWh-Akku. Der ermöglicht je nach Systemleistung – 190 oder 240 PS – eine elektrische Reichweite von 49 bzw. 47 Kilometern. Möglich sind bis zu 7,2 kW Ladeleistung. Je nach Stromquelle kann die Batterie in eineinhalb bis drei Stunden nachgefüllt werden.

Die Marke Jeep wird heuer 80 Jahre alt. 1941 gegründet, war der Hintergrund des Allrad-Labels anfangs ein militärischer. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Entwicklung auch einen zivilen Verlauf. Bis heute ist der Markenname Jeep häufig ein Synonym für – mehr oder weniger echte – Offroader. Seit Beginn des Jahres 2021 firmiert diese einst uramerikanische Institution unter dem Dach des Stellantis-Konzerns (PSA und FCA).

„Der Compass wurde weiterentwickelt, um eine europäischere Sprache zu sprechen, in Sachen Design, Materialien, Funktionalität und Technologie!“ Andreas Blecha, Pressesprecher FCA Österreich

Der Compass wurde jetzt (nicht nur) zur Feier des runden Jubiläums nochmals herausgeputzt. Ziel war es, den Ami stärker zu europäisieren. Mit der Produktion in Melfi bei Neapel, Italien, für die Europa-Märkte (seit 2017), wo er mit den Plattformbrüdern Jeep Renegade und Fiat 500X vom Band läuft, alleine ist es jedoch nicht getan. Eine Design-Auffrischung betrifft unter anderem an der Front die neu gezeichneten Voll-LED-Scheinwerfer, modernisiert sind die charakteristischen sieben Lufteinlassstreben auf dem Kühlergrill. Während sich die Exterieur- Retuschen fast marginal ausnehmen, spricht das Interieur tatsächlich eine neue Sprache: Es ist aufgeräumt, im Sinne der Funktionalität wirkt es fast reduziert.

Die Materialien – wie im gefahrenen Trailhawk-Modell – sind von Verkleidungen bis zu Lederbezügen fühlbar feiner und auch penibler verarbeitet. Kunststoffelemente sind, im Sinne der Robustheit, nicht kaschiert, sondern genau richtig platziert. Das digitale, 10,25 Zoll große Kombiinstrument ist äußerst auskunftsfreudig, man hat nicht nur die wesentlichsten Informationen inklusive Batterieladestand und Restreichweite stets im Auge. Direkt im Blickfeld postiert ist nun das Infotainmentsystem-Display, im Trailhawk in 10,1-Zoll-Größe. Bei aller Digitalisierung verblieben einige analoge Steuerungen, etwa der Lautstärkeregler, auch Tasten für diverse Funktionen. Permanente Konnektivität stellt die fünfte Generation des Uconnect-Systems bereit.

Stichwort Tasten und Regler: Die drei Fahrmodi Hybrid, Electric und E-Save sind links unterhalb des Volants platziert. Das ist vielleicht nicht unbedingt europäisch, aber easy auffindbar. Die Fahrprogramme – diverse Offroad-Einstellungen sowie Sport – werden über einen Regler auf der Mittelkonsole justiert, im Bereich des Schalthebels. Dort sind auch die Tasten für die Untersetzung und die Differenzialsperre postiert.

Das Hybridsystem operiert geschmeidig und akustisch dezent. Ein Schnellsprinter oder Kurvenwilderer ist der stärkste Compass auch im Sportmodus weniger, dafür punktet er nicht nur auf heiklem Untergrund mit sensibler Traktionsfeinfühligkeit. Er greift sich trotz Elektrifizierung wie ein Offroader an.