Strömende Lichtgestalt. Der erste echte elektrische Tscheche ist startbereit. Zum Auftakt absolvierte der Škoda Enyaq iV80 eine flotte Runde durch Niederösterreich.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 21. April 2021 (05:57)
Enyaq iV: Der Batteriestromer ist fesch gestylt, darüber hinaus ist er ebenso pragmatisch wie praktisch. Der Modellname leitet sich übrigens vom irischen Wort „enya“ ab, das steht für „Quelle des Lebens“.
Škoda

Motoren machen Geräusche. Sie produzieren Vibrationen. Sie entwickeln Gerüche. In Elektroautos ist das nicht so! Der Škoda Enyaq iV macht da keine Ausnahme. Der Antrieb surrt maximal, höchstens starker Wind rüttelt an der Karosserie, der olfaktorische Faktor ist weitgehend neutral. So ist es eben, mit Elektroautos. Mit allen. Doch nicht alle Marken schaffen es, ihre charakteristische Optik und ihre praktischen Eigenschaften in die Ära der Strommobilität zu transponieren.

Škoda kann das! Der erste reine und echte Batteriestromer der Marke basiert zwar auf den gleichen Konzerntechnik-Zutaten wie zwei jüngst auf den Märkten gestartete VW-Modelle. Doch haben die Tschechen aus MEB-Plattform, Heckantrieb und Strommotor etwas Eigenständiges daraus gemacht. Wie üblich.

„Der Enyaq iV vereint, als erstes Serienmodell auf Basis des Modularen Elek-trifizierungsbaukastens aus dem VW-Konzern, Nachhaltigkeit mit gewohnter Cleverness!“ Gregor Waidacher, Pressesprecher Škoda Österreich

Platziert ist der Enyaq iV im SUV-Segment. Sein Erscheinungsbild ist aber eher das eines Crossovers als eines Soft-Offroaders, er erscheint wie eine Symbiose aus Sports Utility Vehicle und Kombi. Als solcher macht er auf 4,649 Metern Länge, bei 1,879 Metern Breite und 1,616 Metern Höhe eine stimmige, pragmatisch-elegant schlanke Figur. Er offeriert auf einem Radstand von 2,765 Metern kommoden Innenraum für bis zu fünf Personen im Verein mit einer Ladegutaufnahmefähigkeit von mindestens 585, maximal 1.710 Litern.

Eingerichtet ist er ohne Schnörkel und Spielereien, ebenso geradlinig wie klar, möbliert wahlweise mit Textilien, teils aus Recyclaten, oder mit Leder und Holz. Das neu entworfene Cockpit ist auf das Elektrikerdasein zugeschnitten, folgt aber der gleichen Logik wie die teilelektrifizierten oder konventionell angetriebenen Brüder. Das heißt: Man muss den Umgang nicht neu lernen, kennt sich auf Anhieb aus, selbst wenn einige Funktionen ins Menü des Infotainmentsystems übersiedelt und die Infoanzeigen natürlich elektrospezifisch sind.

Fahrpremierenkandidat war der Enyaq in der iV80-Variante. Dahinter stecken 204 PS Spitzenleistung, ein 82-kWh-Akku (77 kWh sind nutzbar) und das Versprechen von 499 bis 536 Kilometern Reichweite (laut WLTP). Die Testroute, rund 250 Kilometer lang, durch die Stadt und über das Land, wurde gestartet mit einem Batterieladestand von 98 Prozent und 400 Kilometern möglicher Reichweite. Die Bilanz beim Zieleinlauf, nach abwechslungsreicher Strecke bei fast sommerlichem Wetter und mit Sommerreifen: 25 Prozent Akkufüllung und 140 Restkilometer. Trotz recht oder vielmehr gewohnt engagierter Fahrweise.

Die 8,5 Sekunden für den 0-auf-100-Sprint wirken gefühlt flotter. Die Rekuperationsbereitschaft ist prompt und hoch. In Bezug aufs Chassissetting ist er im Normalmodus betont familienfreundlich abgestimmt. Im Sportprogramm agiert die Federung knackig, besonders wenn – wie im Testproband – eine dynamische Fahrwerksregelung an Bord ist. Bemerkenswert ist die Geräuschdämmung. Die Einlenkpräzision ist gerade richtig. Das Gewicht von rund 2,1 Tonnen ist zwar spürbar, dennoch neigt der Elektro-Tscheche nicht zu Abwegen oder Ausschlagen mit den Hinterhufen, und die Bremsen sind dem sehr gut gewachsen. Die Karosserie ist gut übersichtlich. Die Sessel sind ergonomisch top. Die Sicherheitsassistenten sind kaum bevormundend.

Den Akku nachzufüllen war noch nicht das Testthema. AC-Laden soll je nach Leistung – 7,2 oder elf kW – in 7,5 bis 13 Stunden möglich sein. DC-Stromtanken geht mit 50 oder 125 kW. Im schnellsten Fall ist die Batterie in 38 Minuten von null auf 80 Prozent aufgefüllt.

Erstes Fazit: Das Zeug, eine Stromlichtgestalt zu sein, hat der elektrische Tscheche sicherlich (die Nachfrage ist enorm!). Erst recht wird es so sein, wenn ein leuchtendes Ausstattungshighlight ab Sommer verfügbar ist: Das optionale sogenannte Crystal Face, eine illuminierbare Kühlergrillkreation, bestehend aus Glaselementen.