Evolution geht vor Revolution. Nissans Bestseller Qashqai ist bereit für den Start in die dritte Generation. Die Benziner wurden elektrifiziert, Diesel ist out.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:40)
ePower: Der neue Qashqai fährt elektrisch – trotz Benzinmotor.
Nissan

Nach dem Grundsatz, ein Erfolgskonzept nicht zu verändern, sondern weiterzuentwickeln ist Nissan bei der Neuauflage des Qashqai verfahren. Mit der ersten Generation, 2007 eingeführt, haben sich die Japaner zum Begründer des Crossover-Segments gekürt. In den ersten Jahren kam zur fünf- eine siebensitzige Variante hinzu. Das änderte sich 2013, mit dem Eintritt in Modellphase Nummer zwei.

Die war geprägt unter anderem von der Neuordnung des Antriebsprogramms, in dem Diesel eine zunehmend kleinere Rolle spielte. Gar keine mehr ist ihm in der dritten Generation zugedacht, dafür sind die Benzinantriebe in unterschiedlichen Abstufungen elektrifiziert. Der neue Qashqai ist ein waschechter Engländer: Das Design stammt aus dem Labor in London, die Technik aus Cranfield, Produktionsstandort ist nach wie vor Sunderland.

Gemäß der eingangs beschriebenen Prämisse sind Design und Karosserieschnitt evolutioniert und nicht revolutioniert. Mit den schmalen LED-Scheinwerfern und der bumerangförmigen Tagfahrlichtsignatur ist der Blick etwas böser. Die Karosseriekanten sind etwas schärfer. Die Figur ist etwas muskulöser, was durch optionale 20-Zoll-Räder noch unterstrichen werden kann. Dennoch ist die Optik fern jeglicher Polarisierung (wie es der Juke in seiner ersten Generation vorgeführt hatte). Auch ein Grund, weshalb bisher mehr als drei Millionen Qashqais in Europa verkauft wurden.

Ein Faktor dabei sind die citygerechten Dimensionen. Er ist außen kaum, innen deutlich größer geworden. Die Abmessungen in Millimetern: Länge 4.425 (plus 35), Breite 1.838 (plus 32), Höhe 1.635 (plus 10), Radstand 2.666 (plus 20). Das Interieur ist luftiger und wohnlicher gestaltet. Das TFT-Kombiinstrument im Cockpit kann eine Dimension von 12,3 Zoll erreichen, die Infotainmentsystemzentrale ist nun ein Neun-Zoll-Touchdisplay.

Das Schalter- und Tastenprogramm wurde neu arrangiert. An Möbelmaterialien kann man Alcantara und Echtleder haben. Der Kofferraum nimmt es mit mindestens 504 Liter (plus 74) Ladegut auf. Praktisch: Die Erweiterung der Türöffnungswinkel, hinten auf bis zu 85 Grad, was leichteren Fondeinstieg und weniger Fummelei bei der Kindersitzmontage bedeutet. Im Sinne der Überblickssicherheit ist die Windschutzscheibe vergrößert, und die A-Säule verschmälert.

„Komfort, Qualität und Technologie – in all diesen Bereichen erreicht der neue Qashqai das Niveau höherer Klassen …“ Elisabeth Schaljo, Pressesprecherin Nissan Österreich

Das Ganze steht auf einer Frontantriebsplattform. Es ist die CMF-C-Basis aus der Allianz mit Renault (zu der nun auch Mitsubishi gehört). Die Antriebe sind sämtlich elektrifizierte Benziner. Zum einen ein 1,3-Liter mit vier Zylindern und Zwölf-Volt-Mildhybrid-Technik. An Leistung werden 140 oder 158 PS geboten. Zusammengespannt ist dieses Aggregat mit einem sechsgängigen Schaltgetriebe, in der höheren Leistungsstufe wahlweise auch mit CVT-Getriebe.

Allradantrieb wird ebenfalls offeriert, in Kombination mit 158 PS und stufenloser Automatik. Den zweiten Antrieb nennen die Japaner e-Power. Darin enthalten sind Antriebskomponenten aus dem Batterieelektriker Leaf. Ein 190-PS-Stromaggregat kooperiert mit einem 1,5-Liter-Benziner mit variabler Verdichtung und 156 PS. Allerdings ist die Ausgangsleistung des Elektromotors alleine für den Antrieb der Vorderräder zuständig.

Der Verbrenner liefert seine Energie an die Hochleistungsbatterie, als Generator. Im Endeffekt fährt der Nissan wie ein Elektroauto, die fossile Kraftquelle wird nur zur Stromerzeugung genutzt. Auch das Fahrwerk haben die Entwickler unter die Lupe genommen. Die Radaufhängungen wurden erneuert. Je nach Leistung und Antrieb ist die Hinterachse eine Mehrlenker-Konstruktion. Optimiert ist die Servolenkung.

Ausgebaut ist die Mitgift an elektronischen Assistenten. Erweitert sind die Funktionen des ProPilot-Systems, verlinkt mit dem Navigationssystem. Das kann so weit gehen, dass in engen Kurven das Tempo automatisch angepasst wird.