Dancing Star. Mit dem Toyota GR Yaris setzen die Japaner auf Rallye-Powerplay im Kleinformat. Gar nicht klein ist die Leistung: 261 PS.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 04. März 2021 (05:29)
A gführiger Schnee, juchhe! Mit dem GR Yaris im „Schneetanz“ – macht viel, sehr viel Spaß!
Toyota

Toyota brilliert im Rallye-Sport. Gazoo WRC Racingteam-Fahrer Sebastien Ogier siegte 2020 und ebenso beim Saisonauftakt 2021 in Monte Carlo. Das Feeling seines Boliden lässt die japanische Marke, die nicht alleine Elektrifizierungspionier ist, sondern auch eine lange Sportvergangenheit, eine erfolgreiche -gegenwart und -zukunft hat, jetzt auch Freizeit- und Amateursportlern zukommen. In Gestalt des GR Yaris.

Der hat zwar eine durchaus zivile Basis, mit dem ganz neu gemachten Yaris. Doch ist sein Unterbau modifiziert, an der Hinterachse sitzt eine Kompaktwagen-Plattform. Auf seinen 3,99 Metern Länge hat er eine dreitürige Karosserie. Unter der Fronthaube steckt ein 1,6-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 261 PS und 360 Newtonmetern Maximaldrehmoment.

Dazu kommt ein permanent agierendes, elektronisch gesteuertes Allradantriebssystem. Das verteilt die Traktion zwischen Vorder- und Hinterachse je nach Fahrmodus: Normal im Verhältnis 60:40, Sport 30:70 , Track 50:50. Sortiert werden die Fahrstufen über ein sechsgängiges Handschaltgetriebe. Mit seinen ab 1.280 Kilogramm kann er auf seinen 18-Zöllern von null auf 100 in 5,5 Sekunden beschleunigen, bei 230 km/h wird ein elektronischer Riegel vorgeschoben.

„Der GR Yaris ist seit 20 Jahren das erste richtige Sportfahrzeug, das Toyota selbst entworfen und gebaut hat …“ Rudolf Glass, Pressesprecher Toyota Österreich

So weit – oder auch so schnell – muss man es überhaupt nicht treiben, um mit dem Power-Winzling Spaß zu haben. Das hat er in der High-Performance-Version mit Hochleistungsfahrwerk, Torsen-Sperrdifferenzialen an beiden Achsen und Topbremsanlage (erkennbar an den rot lackierten Sätteln) bereits im vergangenen Spätherbst bewiesen. Unter anderem auf dem mit abwechslungsreichen Kurven gespickten Seiberer. Wo die Spurtbereitschaft ihre Promptheit, die Lenkung ihre Direktheit und die Bremsen ihre Bisskraft ausspielten. Den angegebenen Durchschnittsverbrauchswert von 8,2 Litern haben wir dort nicht annähernd einhalten können. Doch im Gleitbetrieb kann man mit neun Litern auskommen.

Jetzt war es aber – jahreszeitgemäß – Zeit für ein Tänzchen auf dem Eis. Als Parkett diente das renommierte Fahrtechnikzentrum in Thomatal, im Lungau, Salzburg, einer Region, die winters für ihre knackige Kälte bekannt ist. Dementsprechend spiegelglatt und penibelst präpariert präsentierte sich die Piste. Wobei da-rauf, wenn spikebereift, die Traktion im Normalmodus durchaus flotte Kurventempi zulässt.

Doch war der Plan, den kleinen Japaner zum Tanzen zu bringen. Im Sportmodus. Das Stabilitätsprogramm ist ausschaltbar. Auch dann ist der Bewegungsdrang, befeuert von den 261 PS, äußerst fein kalkulierbar. Und Drifts zu provozieren kann spätestens beim Switchen auf den Sportmodus wie ein Kinderspiel von der Hand gehen. Selbst Ringerl und enge Achter fahren gelingt, mit ein bisschen Übung, selbst weniger Talentierten flüssig und sauber.

Damit verdient sich der Power-Yaris den Titel „Dancing Star“ – wie kaum ein anderer in seiner Klasse. Dazu singt er aus voller Kehle, gemäß dem für Dreizylinder vergleichsweise großvolumigen Hubraum in tieferen Frequenzen als gewohnt. Das nervt nicht.

Er ist ein Spaßmacher ersten Ranges, wobei die praktischen Seiten weniger (s)ein Thema sind. Kein Kriterium ist etwa der Kofferraum. Es passen 174 Liter hinter die Heckklappe. Zur Not kann die Fondbank als Gepäckdeponie herhalten, wo ohnehin kaum jemand sitzen mag. Allfälliges Ladegut sollte man anschnallen.