Wolfsburgs neues Topmodell. Arteon – der Nachfolger des CC ist oberhalb des Passat platziert und nach dem Aus für den Phaeton rückt die Coupé-Limousine an die VW-Spitze.

Von Peter Urbanek. Erstellt am 13. Juni 2017 (05:00)
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Das Gesicht des Arteon mit seinem breiten bis in die Scheinwerfer hineingezogenen Kühlergrill wird man künftig häufiger bei VW sehen (das nächste Modell mit dieser Front wird der neue Touareg).
NOEN, VW

Zuerst zum Namen: Bei Arteon handelt es sich um einen Kunstnamen. Die Endung „eon“ wurde 2016 in China mit dem Phideon eingeführt und soll für künftige Topmodelle der Wolfsburger stehen, „Art“ steht nach Aussage der VW-Leute für Kunstfertigkeit.

Der 4,86 Meter lange und 1,87 Meter breite Arteon (basiert auf dem Modularen Querbaukasten) vereint die Designelemente eines klassischen Sportwagens mit der Eleganz und dem Raumangebot eines Fastbacks. Trotz des expressiven Designs und der coupéhaften Linienführung ist er ein typischer VW. Praktischer Nutzwert (viel Raum auch in der zweiten Reihe, 563 bis 1.557 Liter Kofferraumvolumen) und gutes Aussehen müssen kein Widerspruch sein.

Der Hersteller spricht übrigens von einem Gran Turismo, dieser Begriff sollte aber zwei-türigen Coupés mit Notsitzen vorbehalten bleiben …

Souverän und (typisch VW) vorbildlich ergonomisch präsentiert sich der Innenraum, er könnte allerdings etwas luxuriöser sein.

Drei Motoren stehen vorerst zur Auswahl: Benziner mit 280 PS, Diesel mit 150 und 240 PS. Jeweils mit Doppelkupplungs-
getriebe. Den schwächeren Selbstzünder gibt es mit Frontantrieb, sonst wird die Kraft auf alle vier Räder verteilt. Wird gegen Ende des Jahres nachgereicht: Benziner mit 150 PS und abschaltbaren Zylindern. Fix in Planung sind auch zwei verschieden starke Plug-in-Hybride. Die schwächere Version ist auf Verbrauch und Reichweite getrimmt, die stärkere Version soll Umweltfreundlichkeit mit Mehrleistung kombinieren –
darauf müssen wir allerdings noch bis nächstes Jahr warten. Und in der Motorenküche von VW kocht eine Sechszylinderversion (2018/19).

Fahreindruck? Der Arteon mit 280 Benzin-PS fährt sehr anständig, auf der deutschen Autobahn gehört ihm die linke Spur (Höchstgeschwindigkeit abgeregelte 250 km/h, in Österreich erwartet sich der Importeur allerdings einen Dieselanteil von 94 Prozent). Fahrstabilität und Handling liegen auf hohem Niveau. Der VW gibt sich in Kurven agil, die Traktion ist sehr gut – der Allradantrieb zahlt sich auf alle Fälle aus. Selbst die mächtigen 20-Zoll-Räder des Testwagens vermiesen einem nicht den Komfort, sie rollen für diesen harten Querschnitt (und drei Bar Luftdruckempfehlung) erstaunlich erträglich ab. Dafür reagiert das Doppelkupplungsgetriebe beim Zurückschalten eine Spur zu träge.

Für VW ist der Arteon „ein tolles Angebot für Geschäftsinhaber, Manager und unabhängige Professionals, die ihre Position zwar zeigen, aber nicht protzen wollen“. Dazu kommt ein „faires Preis/Leistungs-Verhältnis“.

Das Angebot bei den Assistenzsystemen kann sich sehen lassen, es passt perfekt zum avantgardistischen Gesamtkonzept des Arteon. Die automatische Distanzregelung (bis Tempo 210) berücksichtigt auch Tempolimits und die Streckendaten des Navigationssystems. Eine tolle Sache ist der Emergency Assistent: Treten beim Fahrer gesundheitliche Probleme auf, dann bremst das System nicht nur ab, sondern lenkt das Fahrzeug auf die rechte Fahr-
spur – sofern es der Verkehr
zulässt.