Reifungsprozess: Bulli in der sechsten Generation. Der VW-Bus der 6. Generation wurde auf Level T6.1 evolutioniert – optisch in Details, motorisch und digital tief greifend.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 27. August 2019 (03:32)
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Ikone am neuesten Stand – der T6.1: Der erste digitalisierte Bulli nimmt Fahrt auf ...

Seinem 70er entgegen fährt der VW-Bus. 1950 hatte er, als Typ 2 auf Basis des Käfers, seine Karriere gestartet. Als Transporter und als Pkw, vielmehr Kleinbus, und als Anfang individuell gestaltetes, längst von VW selbst kommerzialisiertes Freizeitmobil. Das in allen Entwicklungsphasen, ob heck- oder front- oder allradgetrieben, mit Langlebigkeit, Tragfähigkeit und Vielseitigkeit, samt dem Kosenamen Bulli.

Bereits in Arbeit ist die siebente Generation. Doch bis diese reif für den Marktstart (2021) ist, wurde die sechste nochmals überarbeitet. Wobei man keineswegs behaupten kann, dass der aktuelle T6 unreif gewesen wäre. Er hatte erst 2015 den T5 abgelöst, äußerlich kaum, innerlich tief greifend verändert. Doch haben sich inzwischen Digitalisierung und Elektronisierung weiterentwickelt. Auch haben die Gesetzgeber weiter an der Emissionsschraube (nach unten) gedreht.

„Die upgedatete sechste Generation soll den Erfolg des VW-Busses fortsetzen und die Position als Volumenbringer der Marke weiter festigen.“ Karin Angerer, Pressesprecherin VW Österreich

Die technische Aktualisierung hat das Designteam der VW-Nutzfahrzeuge-Abteilung für ein kleines Facelift an Ex- und Interieur genützt. An der Front sind das Retuschen an den Scheinwerfern, die durch einen optischen Kniff nun schmaler wirken und bündiger in der Karosserie sitzen. Ausladender geworden ist der Kühlergrill, was nicht nur dem Design, ebenso der großzügigeren Luftzufuhr dient. Am Heck gibt es nun LED-Leuchteffekte.

LED-Technik kommt ebenso an der Innenraumbeleuchtung zum Einsatz, die Schalter sind neu gestaltet. Die Sitze hat man frisch konturiert und mit neuen Stoffen bezogen. Ein wenig gedehnt wurden die Türstaufächer. Ganz neu gestaltet ist das Instrumentenbord, es ist ans aktuelle (optionale) digitale, selbstverständlich konfigurierbare Cockpit angepasst, wie bereits im jüngst aktualisierten Passat. Auf Basis der neuen Elektronikarchitektur ist man im T6.1 nun permanent online, via fix verbauter SIM-Karte.

Dazu kommen, nebst USB-Anschlüssen etc., induktives Handyladen und eine Reihe von Apps für den privaten und kommerziellen Einsatz. Das modulare Infotainmentsystem MIB3 kommuniziert mit den bereits etablierten und neu eingeführten elektronischen Helfern. Bis zu 20 offeriert VW, wobei ein Seitenwindassistent in allen Versionen zur Grundausstattung gehört. Ergänzbar ist das unter anderem mit Ein- sowie Auspark-, Fahrspur-, und Anhängerassistent, Verkehrszeichenerkennung sowie Rückfahrkamera.

In Zusammenhang mit der neuen Elektronikarchitektur ist jetzt in allen T6.1-Varianten eine elektromechanische Servolenkung an Bord, dazu gehören kleine Justierungen am Fahrwerk. Beim Antrieb ist nach wie vor der 2.0 TDI (Diesel) im Einsatz, allerdings bezüglich Abgasreinigung und Verbrauchsökonomisierung neu bearbeitet, auf die neuen Emissionsbestimmungen (Euro 6d-TEMP-EAVP) getrimmt. Das Leistungsniveau startet bei 90 PS, das aber nur für die Lkw-Versionen (Kastenwagen, Pritsche, Fahrgestell).

Die Pkw-Varianten (Kombi, Caravalle, Multivan, California) können 110, 150 oder 199 PS haben. Kombiniert ist der Selbstzünder je nach Leistung mit manuellem Getriebe (sechs Gänge) oder mit Direktschaltung (sieben Gänge). Allradantrieb ist unverändert eine Option, auch in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe
orderbar.

Zu den Verbrennerantrieben gesellt sich demnächst – konkret: im Laufe des kommenden Jahres – für die Nützlinge eine Vorstufe der künftigen Antriebselektrifizierung. In Kooperation mit Abt wird eine 112 PS starke Elektroversion kreiert, entweder mit 38,8- oder 77,6-Kilowattstunden-Akku. Eine Normreichweite von bis zu 400 Kilometern soll damit möglich sein.

Derweilen absolvierte der T6.1 seine Fahrpremiere in Amsterdam. Fazit: In Summe ist der VW optisch, technisch und in der Handhabung moderner geworden, was die Antriebstechnik und die elektronische Mitgift betrifft. Doch unverändert ist der Bulli-Nimbus: die Handlichkeit, die Karosserieübersichtlichkeit (unter Beweis gestellt in den engen Gassen des Zentrums, rund um die Grachten), und das Gefühl, vom Fleck weg ein paar Tausend Kilometer ermüdungsfrei am Steuer verbringen zu können.