Festival-Kultur, fast so alt wie das Land. Der Kultursommer ist seit Anbeginn mit spektakulären Schauplätzen und großen Namen verbunden: eine Erfolgsgeschichte.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 28. Juli 2021 (16:23)

Alles begann mit den Passionsspielen in St. Margarethen: 95 Jahre wurden sie heuer alt. Die heurigen Aufführungen müssen Corona-bedingt zwar verschoben werden, die Strahlkraft als ältestes Festival des Landes bleibt im Jubiläumsjahr dennoch bestehen.

Der Steinbruch St. Margarethen wird generell als einer der „Leuchttürme“ des Kultursommers bezeichnet – in Sichtweite des zweiten „Turmes“ in Form der Mörbischer Seebühne.

Wird heute neben der künstlerischen auch von der touristischen Bedeutung der Sommerfestivals gesprochen, so zeigt sich, dass man schon früher in Richtung des Fremdenverkehrs geplant hatte. Denn es waren durchaus auch solche Überlegungen, die ab 1955 den Ausschlag zur Gründung der Seefestspiele gaben.

Der Name des Gründers – Herbert Alsen – ist bis heute ein klingender in der burgenländischen Festivalgeschichte. Der bekannte Opernsänger war auch Intendant der Grillparzer-Festspiele auf Burg Forchtenstein, die von 1959 bis 1983 abgehalten wurden. Bühnenstars wie Klaus Maria Brandauer, Senta Berger, Christine Kaufmann oder Klaus-Jürgen Wussow waren hier zu Gast.

Eine Brücke von Mörbisch nach Kobersdorf wird mit einem weiteren klingenden Namen geschlagen: Rudolf Buczolich. Der Schauspieler aus dem Seewinkel war sowohl auf der Seebühne, als auch bei den Schloss-Spielen Intendant; Letzteres als Vorgänger von Wolfgang Böck.

Von der Oper zum Rock und wieder zurück …

In Mörbisch übernahm Harald Serafin nach Buczolich im Jahr 1993 das Ruder. In St. Margarethen lud Wolfgang Werner drei Jahre später erstmals zu den Opernfestspielen, die 2014 von der Esterházy-Tochter Arenaria weitergeführt wurden.

Im Lauf der Jahre hatte sich zugleich in sämtlichen Regionen des Burgenlandes eine mehr als lebendige Szene formiert. In Güssing wurden Mitte der 1990er die Burgspiele wiederbelebt, das Musical war damals schon hier zuhause und Frank Hoffmann gründete 2001 den Güssinger Kultursommer. Ein Jahr später legte Dietmar Kerschbaum den Grundstein für jOPERA auf Schloss Tabor in Neuhaus am Klausenbach.

Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen, vom Süden über das Mittelburgenland – mit Lockenhaus als Orgel- und Kammermusik- und Raiding als wahrhaftiges Liszt-Zentrum – bis nach Kittsee, Parndorf, Halbturn und schließlich Schloss Esterházy, wo einst das Haydnfestival unter Walter Reicher und heute nicht nur Klassik und Herbstgold blühen, sondern seit Jahren auch ein wenig die Rockmusik.

Die ist wiederum unzertrennlich mit Ewald Tatar verbunden. Der Forchtensteiner begann seine Laufbahn in Wiesen, legte mit dem Aerodrom in Wiener Neustadt Österreichs erstes Mega-Festival hin und perfektionierte es in Nickelsdorf mit dem Nova Rock, das auch schon sein 15-jähriges Jubiläum hinter sich hat, ebenso wie das Picture on in Bildein den 20er.

Das 45. Jahr feiert Franz Bogner mit seiner (Festival-)Familie in Wiesen. Ein weiteres Jubiläum für einen Blick in den Rückspiegel. Und da gibt es viel zu sehen. Das gilt auch für den Blick nach vorne, in die Zukunft …