Ziegen gequält: Bäuerin aus Landessüden verurteilt. Acht Monate bedingt für 63-jährige Frau, die 150 Ziegen auf 27 Quadratmeter zusammenpferchte.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 24. April 2019 (14:56)
Werner Müllner
Das Justizzentrum Eisenstadt.

„Meinerseits steht kein böser Wille dahinter!“, beteuerte die 63-jährige Angeklagte aus dem Bezirk Oberwart am Mittwoch, 24. April 2019, mehrfach vor Richterin Doris Halper-Praunias am Landesgericht Eisenstadt.

Tierquälerei wurde der weißhaarigen, schlanken Frau vorgeworfen. Eloquent erklärte sie, dass es den Tieren auf ihrem ein Hektar großen Anwesen gut gegangen sei.

Begonnen habe alles mit einer einzelnen Ziege, die ihr eine Tierschützerin gebracht habe. „Sie haute ab und ließ mir das Tier da“, berichtete die Landwirtin.

Die Ziege war trächtig, bald hatte sie fünf Ziegen. „Manderl und Weiberl, das ging ratzebutz!“

Mehrfach versuchte sich der zuständige Amtstierarzt einen Überblick zu verschaffen. Das gelang aber erst seiner Nachfolgerin. „Wir haben den Akt seit 2009“, berichtete die Veterinärmedizinerin.

Erst im Mai 2017 habe sie die Landwirtin einen Blick in den Stall werfen lassen: „Ich sah viele Hörner.“

Danach war keine Kontrolle mehr möglich.

Polizeieinsatz im Stall

Am 31. Jänner 2019 kam die Amtstierärztin mit Unterstützung: Bürgermeister, Polizei, ein Jurist von der Bezirkshauptmannschaft.

150 Ziegen wurden gezählt, lauter abgemagerte Tiere in schlechtem Gesundheitszustand. Drei Böcke waren trotz Verbot an Leinen angebunden.

Für die Landwirtin war die Welt in Ordnung. Die Ziegen hätten genug Platz gehabt, sie seien wärmeliebend und hätten sich deshalb stets aneinandergedrängt. Mit der Leine hätten die Böcke „eine Freude“ gehabt.

Laut Gesetz hätte sie mindestens 224 Quadratmeter Stallfläche zur Verfügung stellen müssen. „Bei 224 Quadratmetern erfrieren sie alle. In einer Ecke liegt die ganze Bande!“, erklärte die Frau.

Eingewachsene Klauen? „Die treten sich das ab!“, meinte die Landwirtin. Eingewachsene Hörner? „Das ist bei der Rasse so…“

„Eine Ziege wird nicht fett“

Dass sie die Tiere nicht ausreichend fütterte? „Das ist ein Blödsinn! Eine Ziege wird nicht fett!“

Die Richterin hielt ihr das Foto einer zum Skelett abgemagerten, kahlen Ziege vor. „Das ist die alte Uschi, die ist 35 Jahre alt. Die hat genug gefressen“, verteidigte sich die Landwirtin.

„Der Zustand der Herde war nicht gut. Vielleicht hatten Sie eine falsche Vorstellung von der Ziegenhaltung?“, schlug die Richterin vor.

„Sicher nicht. Ich mache das seit 30, 40 Jahren“, blieb die Landwirtin schulduneinsichtig.

„Warum haben Sie überhaupt die Ziegen gehalten?“, wollte die Richterin wissen.

„Weil es Gottes Wille war“, legte die Angeklagte dar.

Für „Gottes Lohn“ habe sie die Tiere gefüttert. „Verhungert sind die nicht. Die haben fressen können was sie wollten“, beteuerte sie.

Kitzlein erstickten

Die Amtstierärztin berichtete über eine „extreme Gruppenhaltung“, alte, kranke und schwache Ziegen seien kaum zum Futter oder zum Wasserkübel gekommen. Neugeborene Kitze erstickten oder wurden zu Tode getrampelt. „Die hatten keinen Saugreflex!“, tat die Landwirtin diese Tragödie ab.

Am 1. Februar wurden der Frau die Ziegen abgenommen. „30 bis 40 verloren wir, obwohl wir sie sofort aufgepäppelt und medizinisch versorgt haben“, bedauerte die Amtstierärztin. Für die übrigen Ziegen konnten neue Plätze gefunden werden.

Wegen Tierquälerei wurde die Landwirtin zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

„Viele Tiere gequält“

„Ich glaube, dass Sie überfordert waren“, sagte die Richterin. „Da wurden viele Tiere gequält, über Monate hinweg, wenn nicht sogar über Jahre.“

„Mir kommt kein Viech mehr ins Haus!“, reagierte die Landwirtin auf dieses Urteil. „Das können Sie notieren.“

Mit dem Urteil zeigte sie sich einverstanden. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab – das Urteil ist nicht rechtskräftig.