Prozess wegen Brandstiftung: 24 Monate teilbedingt. Ein 46-jähriger Tiroler ist am Donnerstag in Eisenstadt vor Gericht gestanden. Der Mann soll im September 2016 in einem Gebäude im Südburgenland Feuer gelegt und seine Schwester zur Herausgabe von Geld genötigt haben.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 24. November 2016 (15:51)
APA, (Archiv/Pfarrhofer)
Auch vor Gericht wurden Unfreundlichkeiten ausgetauscht

Der Angeklagte wurde zu 24 Monaten verurteilt, davon sechs Monate unbedingt. Er nahm das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Verteidiger sprach von "Kurzschlussreaktion"

Strafverteidiger Klaus Philipp sprach von einer "Kurzschlussreaktion" seines Mandanten. Der Angeklagte selbst sprach vor Richter Alexander Glanz von einem "Riesenfehler". Er habe bereits am Vormittag zu trinken begonnen, an die 15 Bier habe er intus gehabt, als er zu der von seiner Schwester betriebenen Ferienwohnanlage gegangen sei. Zwei Flaschen habe er dorthin noch mitgenommen.

Im Büro habe er mit einem Messer aus der Küche auf die Schwester gewartet. Als diese eintraf soll er von ihr Vollmachten sowie einen Geldbetrag von 30.000 Euro gefordert haben. Dabei soll er mit dem Messer in den Tisch gestochen haben. Die Schwester habe ihm die Vollmachten übergeben, aber nicht das Geld, so der Angeklagte. Daraufhin habe er den Benzinkanister für den Rasenmäher geholt, diesen im Erdgeschoß vergossen und angezündet.

Vom Richter gefragt, warum er das getan habe, erklärte der Angeklagte: "Ich habe nichts gedacht." Erst als er die Feuersbrunst gesehen habe, sei ihm gekommen: "Oh Gott, was habe ich gemacht?" Unternommen habe er dennoch nichts. Stattdessen habe er sich auf die Terrasse gesetzt und weiter Bier getrunken.

Nachbar verhinderte Ausbreiten des Feuers

Ein Ausbreiten des Feuers auf den Bereich der Ferienwohnungen habe ein herbeigerufener Nachbar verhindert, berichtete die Schwester im Zeugenstand. Für sie ist ihr Bruder "im Grunde seines Herzens ein guter Mensch". Trotz rund 80.000 Euro Schaden durch den Brand habe sich ihre Einstellung zu ihm nicht geändert. Auch als er mit dem Messer im Büro auf sie gewartet habe, habe sie keine Angst vor ihm gehabt.

"Mein Bruder hat keine Kommunikationsfähigkeit und keine Problemlösungskompetenz", meinte die 60 Jahre alte Schwester. Daher brauche er den Alkohol. Seit etwa 15 Jahren sei das bereits so. Er trinke fünf bis 20 Flaschen Bier pro Tag, erklärte sie vor den Schöffen.

Der Angeklagte ist verheiratet und hat ein kleines Kind. Mit seiner Familie lebt er einen Teil des Jahres in Tansania (Ostafrika). Das Geld habe er gebraucht, um sich dort ein Haus zu bauen. Laut seinen Aussagen stammt das Geld aus dem Verkauf eines in seinem Besitz befindlichen Waldstücks, wurde aber von seiner Schwester gegen seinen Willen in die Wohnanlage investiert.

Die Schwester hatte die Vollmacht, die Geschäfte im Namen ihres Bruders zu führen. Laut Aussage der 60-Jährigen war ein Teil der 30.000 Euro in die Rückzahlung der Schulden geflossen, welche der Angeklagte vor Ausstellung der Vollmacht angehäuft hatte. Der Rest sei in die Wohnanlage gesteckt worden, mit dem vollen Wissen ihres Bruders, der Miteigentümer des Gebäudes ist.