Distance Learning für Führerschein-Theorie gefordert. Vertreter verschiedener Fahrschulen wie die auf Franchise basierende „Easy-Drivers“-Fahrschule mit 27 Standorten in NÖ fordern Distance Learning auch für ihre Fahrschüler ein. Der Melker Werner Fichtinger ist Miteigentümer von „Easy-Drivers“.

Von APA / BVZ.at und APA / NÖN.at. Erstellt am 27. November 2020 (11:21)
EASY DRIVERS

Wenn das in Schulen funktioniere, müsse auch für sie eine solche Lösung geschaffen werden. Die eigene Kammer verhindere bisher aber solche Schritte, kritisieren Easy-Drivers-Chef Werner Fichtinger, der Fahrschul-Fachverbandsvorsitzende in der Steiermark, Marcus Martitsch, und Fahrschulbetreiberin Alexandra Weitgasser.

Gesetz schließt Distance Learning nicht dezidiert aus

Marcus Martschitsch
Stadtgemeinde Hartberg

Das Kraftfahrzeuggesetz steht einer Anwendung des digitalen Schulens aus Sicht der Befürworter nicht entgegen, zumindest schließe es diese Möglichkeit nicht dezidiert aus, sagten sie am Freitag in einem Internet-Pressegespräch. Sie wünschen sich auch eine Anwendung, wenn die Pandemie einmal Geschichte ist. Anbieten würde sich auch eine Mischung aus der Schulung von Anwesenden und der Schulung von Computernutzern. In der Pandemie könne man auch einen "Schichtbetrieb" mit einem Wechsel aus echter physischer Anwesenheit am einen Tag und der digitalen Teilnahme am anderen Tag machen.

"Ohne physische Präsenz Verkehrssinnbildung nicht ausreichend"

Werner Fichtinger
Lanegger

Das Gegenargument, dass ohne physische Präsenz der Fahrschüler im Theoriekurs die sogenannte Verkehrssinnbildung nicht ausreichend erfolgen könne, wischten die drei Fahrschulvertreter weg. "Ein digitaler Präsenzkurs ist eins zu eins wie ein Kurs im Lehrsaal. Der Lehrer macht das Gleiche, wendet die gleichen Methoden an", so Fichtinger.

"Was bei jemandem gerade im Kopf vorgeht, ist weder da noch dort verifizierbar", so Martitsch. "Man darf vor allem nicht vergessen - es gibt am Ende zwei Prüfungen: die Computerprüfung und dann auch noch die Fahrprüfung, bei der Sachverständige erkennen können, ob die Verkehrssinnbildung erfolgt ist", argumentierte Weitgasser.

"Wenigstens Testläufe"

Alexandra Weitgasser
Fotostudio Semrad

In der Kammer sei zwar eine Arbeitsgruppe zum Distance Learning eingerichtet worden, der er auch angehöre, sagte Martitsch. Gleichzeitig kritisierte er aber, dass alle anderen Mitglieder dezidierte Gegner des digitalen Lernens der Führerscheintheorie seien. Dabei böten sich bei der Umsetzung auch ökonomische Vorteile - sowohl für die Fahrschulen als auch für die Kunden, die vor allem am Land oft auch weite Wege zur Fahrschule in Kauf nehmen müssen.

Unisono kritisierten die Fahrschulbetreiber, dass durch den derzeitigen Lockdown neuerlich vor allem junge Menschen auf ihre Führerscheine - sei es für Moped oder Auto - warten müssten, obwohl sie die Lenkberechtigung womöglich dringend brauchen würden, um in die Arbeit zu kommen. Jedenfalls versuche man auch auf das Verkehrsministerium von Leonore Gewessler (Grüne) einzuwirken, um wenigstens einmal Testläufe fürs digitale Lernen zu ermöglichen.

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