Landeschef Franz Kropf: „Feuerwehr heißt Verantwortung“

Erstellt am 06. Oktober 2022 | 05:56
Lesezeit: 7 Min
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„Jeder Tag ist ein neues Erlebnis.“ Franz Kropf ist als Landesfeuerwehrkommandant ehrenamtlich neben seinem 40-Stunden-Job im Einsatz. Teamwork ist dem Jennersdorfer daher besonders wichtig.
Foto: Carina Fenz
Vor 100 Tagen ist Franz Kropf als Landesfeuerwehrkommandant angetreten. Mit der BVZ sprach er über seine Pläne, den Zustrom an jungen Mitgliedern, teure Fahrzeuge und schwierige Einsätze.
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Wie gefällt Ihnen die neue Aufgabe nach 100 Tagen im Amt, welche Herausforderungen gibt es in der täglichen Arbeit?

Franz Kropf: Ich habe gewusst, dass es viel Arbeit sein wird, aber es funktioniert wirklich gut. Alle im Landesfeuerwehrkommando ziehen mit und haben sich daran gewöhnt, dass es ein ganz neues Führungsteam gibt. Wir setzen einiges um, das schon lange im Köcher gewesen ist und ich habe in den 100 Tagen 72 Termine gehabt. Da kommt viel positives Feedback von den Feuerwehren. Natürlich gibt es den einen oder anderen, dem etwas nicht taugt – aber wir haben eben 17.000 Feuerwehrleute und wenn du es jedem recht machst, dann hast du auch ein Problem.

Bei Ihrem Amtsantritt haben Sie beschlossen, die Funktion ehrenamtlich zu übernehmen. Sind Sie immer noch davon überzeugt?

Kropf: Auf jeden Fall! Es funktioniert deshalb gut, weil wir in Eisenstadt einen hauptamtlichen Dienststellenleiter haben, das war früher ja auch der Landeskommandant, also mein Vorgänger Alois Kögel. Auch meine zwei Stellvertreter sind zeichnungsberechtigt und es ist immer jemand von uns im Haus. Es ist also nicht mehr nur an einer Person aufgehängt.

„Wir haben 17.000 Feuerwehrleute und wenn du es jedem recht machst, dann hast du auch ein Problem …“

Warum ist Ihnen diese neue Struktur wichtig?

Kropf: Ich bin seit 2015 in der Stadtgemeinde Jennersdorf beschäftigt und mache dort auch meinen Full-Time-Job mit 40 Wochenstunden. Ich hab mir aber noch keinen einzigen Tag freigenommen, um im Landesfeuerwehrkommando zu sein, da habe ich immer Urlaub oder Zeitausgleich. Das werde ich so beibehalten. Meinen ersten echten Urlaub heuer mache ich noch im Oktober.

Kann man also sagen, Ihr Leben ist die Feuerwehr?

Kropf: Nein, ich hab schon noch ein Leben neben der Feuerwehr. Aber man muss es gut einteilen, die Familie unterstützt mich genauso wie die Stadtgemeinde. Ohne die Zusammenarbeit mit den Stellvertretern und den Bezirkskommandanten würde das so nicht funktionieren. Ich bin auch selbst noch Bezirksfeuerwehrkommandant in Jennersdorf, da wird aber am 4. November eine Nachfolge gewählt.

Welche Herausforderungen haben Feuerwehren generell?

Kropf: Da sind jetzt neue Themen aufgepoppt, etwa die Neustrukturierung des Katastrophenschutzwesens; vom Land werden dazu 20 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre zur Verfügung gestellt. Auch die zunehmende Häufigkeit von Waldbränden im Sommer ist ein großes Thema, ebenso wie im Bezirk Jennersdorf die Schulung für etwaige Brände im S7-Tunnel. Es gibt insgesamt mehr Ausbildungs-Angebote mit eigenen Kursen in den Regionen schon ab Jänner. Das alles kommt zu den normalen täglichen Herausforderungen dazu.

Das Thema Ausrüstung steht oft zur Debatte. Wie schwer ist es, alles zu finanzieren?

Kropf: Die Fahrzeuge werden immer teurer. Man hat das Gefühl, sobald man ein Fahrzeug rot anmalt, kostet es gleich ein Stück mehr. Das ist ein österreichweites Thema, da ist man mit den Herstellern schon im Dialog, um vielleicht einen Preisdeckel zu verhandeln. Damit kommen ja auch auf die Kommunen immer höhere Kosten zu. Ein Problem sind die Lieferzeiten, die bei Fahrzeugteilen schon bis zu 18 Monate dauern können.

Die Einsatzbereitschaft bei den Mitgliedern ist ja vor allem in Pendlergemeinden nicht selbstverständlich. Wie ist man da aufgestellt?

Kropf: Wenn man die Alarmbereitschaft untertags nicht in dem Ausmaß bereitstellen kann, werden vorab definierte Ortsfeuerwehren mit alarmiert. Auch wenn da immer ein bisschen der Stolz mitschwingt, ob man etwas aus dem Ort abgeben will. Es wurden auch schon Feuerwehren zusammengelegt, aber immer nur auf eigenen Wunsch, das ist weder von der Politik noch vom Landeskommando vorgegeben worden. Generell kann man aber sagen, dass wir momentan einen großen Zustrom verzeichnen. Da hat sich im Jugendbereich viel entwickelt und wir sind guter Dinge, dass wir in den nächsten Jahren unseren Mitgliederstand auf über 18.000 heben werden.

Die Ausbildung wird also noch stärker forciert?

Kropf: Es geht darum, zu zeigen: Die Feuerwehr ist da. Wenn man sich da engagiert, ist das Interesse groß. Man muss der Jugend ständig Neues bieten, sonst ist sie in zwei Wochen fort. Dazu muss man gute Leute finden, die das übernehmen. Auf der anderen Seite gibt es Ältere, die sich melden. Wir haben bei den Kursen zum Beispiel 50-Jährige dabei, das funktioniert sogar sehr gut. So gesehen ist es vielleicht eine neue Zeit, aber für die Feuerwehren nicht schlechter geworden.

Wie hat man in den Feuerwehren die Corona-Zeit gespürt?

Kropf: Man ist schon zusammengerückt, macht bis heute aber manches vielleicht nicht mehr im Feuerwehrhaus. Die Kameradschaft ist spürbar, aber das Leben in den Häusern hat sich anders orientiert. Es ist noch schwierig, das wieder zurückzuholen.

Wie geht es Ihnen persönlich bei schwierigen Einsätzen?

Kropf: In Erinnerung bleibt mir sicher der Schilfbrand in Breitenbrunn am 1. Juli, den habe ich gleich in meinem neuen Verantwortungsbereich erlebt. Es gab auch viele Einsätze, wo mir nicht zum Lachen gewesen ist, wenn etwas passiert und man ins Grübeln kommt. Man kann das nur so weit an sich heranlassen, wie man es selbst verträgt. Den Rest muss man abblocken, sonst schafft man es nicht. Jeder Tag ist so gesehen ein neues Erlebnis.

Gibt es Bezirke, in denen es mit dem Gewinnen neuer Mitglieder schwierig ist? Gibt es da ein Nord-Süd-Gefälle?

Kropf: Das Gefälle sieht man eher nur an der Größe der Feuerwehren. Im Norden gibt es weniger Ortsfeuerwehren und die sind größer, im Süden gibt es eben viele kleine Feuerwehren. Ich will die Nord-Süd-Frage aber gar nicht so leben. Das Feuerwehrwesen im Burgenland funktioniert durch die Bank sehr gut und es gibt nirgendwo einen weißen Fleck. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren ja auch fast alle Bezirkskommandanten neu besetzt. Das ist ein relativ junges Team, wenn man das Alter um die 50 Jahre herum noch als jung bezeichnen darf.

Aber Zusammenlegungen sind schon noch ein Thema, oder?

Kropf: Auch wenn es mich als Landeskommandanten betrifft, ist aus meiner Sicht in erster Linie die jeweilige Feuerwehr selbst zuständig. Und an zweiter Stelle dann die Bürgermeister. Natürlich versuchen wir, jede Feuerwehr zu halten, aber nicht um jeden Preis. Es wird in Zukunft eher daran kranken, dass man keine Führungspersönlichkeiten mehr findet.

Warum wollen die Leute nicht in der ersten Reihe stehen?

Kropf: Es ist doch eine Verantwortung, eine Feuerwehr ist ein Klein- und Mittelbetrieb, das ist einfach so. Und es ist etwas anderes, ob ich beim Einsatz mitmache, oder ob ich für alles verantwortlich bin, für meine Leute und zugleich auch für die Finanzen. Der Kommandant ist eben der wichtigste Funktionär im Feuerwehrwesen, derjenige, der vor Ort entscheiden muss.

Was ist Ihnen in diesem Sinne besonders wichtig? Was wollen Sie unbedingt in Ihrer Amtszeit umsetzen?

Kropf: Das Schulungsthema ist eine ganz große Sache. Wir werden auch in den einzelnen Bezirken Sprechtage starten und unseren Mitgliedern im ganzen Land Rede und Antwort stehen. Ich möchte wissen, wo der Schuh drückt. Und ich möchte ein Landeskommandant sein, der für die Feuerwehr da ist – und nicht umgekehrt. Am Ende des Tages soll meine Funktion für die Feuerwehren ein Mehrwert sein. Denn wenn ich ihnen nicht helfen kann, muss ich mich selbst hinterfragen.