Täter "wollte kosten"

Das Rätsel um den mysteriösen Leichenfund in der Ruster Bucht im Neusiedler See vom 13. April ist geklärt.

Erstellt am 02. Mai 2018 | 11:06
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PK Leiche Neusiedler See
Staatsanwaltschaft-Sprecherin Verena Strnad, leitender Staatsanwalt Wolfgang Fuchs, Landespolizeidirektor Martin Huber, Ermittlungsleiter Harald Brenner.
 
Foto: Wolfgang Millendorfer

„Hinter uns liegen 19 Tage schwieriger Ermittlungsarbeit. Die Tatsache, dass es trotzdem gelungen ist, den Verdächtigen in kurzer Zeit auszuforschen, ist kein Zufallsergebnis, sondern das Ergebnis konsequenter Polizeiarbeit.

PK Leiche Neusiedler See
Staatsanwaltschaft-Sprecherin Verena Strnad, leitender Staatsanwalt Wolfgang Fuchs, Landespolizeidirektor Martin Huber, Ermittlungsleiter Harald Brenner.
 
Wolfgang Millendorfer

Wenn man so will, kann man den Ermittlungserfolg auch als Symbol für die Handlungsfähigkeit und Effizienz im Burgenland sehen“, fasst der Leitende Staatsanwalt Johann Fuchs zusammen.

Verdächtiger legte Geständnis ab

Am 27. April, 14 Tage nach dem Leichenfund, konnte der Verdächtige in Untersuchungshaft genommen werden. „Da der Täter die Leiche nach Rust gebracht hat, haben wir einen Bezug zu Rust angenommen, durch das DNA-Profil des Opfers auch Bezug zu Wien“, so die Ermittler. Relativ bald landeten die Ermittler einen Treffer. Beim Vorstrafenabgleich kam der jetzige Beschuldigte heraus. Und es hat auch einen Hinweis von einer Person bezüglich Rückfälligkeit des Verdächtigen gegeben.

Leichenfund im Neusiedler See
Staatsanwaltschaft-Sprecherin Verena Strnad, leitender Staatsanwalt Wolfgang Fuchs, Landespolizeidirektor Martin Huber, Ermittlungsleiter Harald Brenner
Wolfgang Millendorfer

Immerhin saß er mehr als drei Jahrzehnte wegen Gewalt- und Sexualdelikten in Haft. Zusätzlich haben Leichenspürhunde bei der Seehütte des 63-jährigen Wieners Laut gegeben. Aufgrund dessen wurde eine Durchsuchung der Wohnung, der Bootsgarage und der Seehütte vorgenommen. Dabei stießen die Ermittler auf die DNA des Opfers.

Leichenfund im Neusiedler See
Das Phantombild des Opfers. Die Polizei bittet um Hinweise, die zur Identifizierung des Opfers beitragen können.
Wolfgang Millendorfer

Der Verdächtige gab zu, er sei mit der Frau Ende März in Wien in seiner Wohnung in Streit geraten und habe sie erwürgt. Danach habe er die Leiche zerteilt und mit dem Auto nach Rust gebracht. Er transportierte die Leiche mit dem Elektroboot auf den See, wo er sie schließlich versenkte. In seiner Tiefkühltruhe bewahrte er Leichenteile auf. Er habe laut Ermittlern vorgehabt, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu kosten. Die Identität des Opfers ist nach wie vor nicht bekannt.

PK Leiche Neusiedler See
Wolfgang Millendorfer

Nur so viel: Es handelt sich um eine Frau zwischen 20 und 40 Jahren von zierlicher Statur. Das Profil des Opfers liegt in der Datenbank nicht auf, allerdings gab es einen Treffer bei einem Einbruchsdiebstahl in ein Kellerabteil in Wien. „Wir wissen nicht, ob das Opfer mit dem Einbruch zu tun hat, oder ob es im Keller war“, so die Ermittler. Ob der Verdächtige für weitere ungeklärte Delikte verantwortlich ist, wie dem „Fall Rosi“ von St. Margarethen, ist Gegenstand von Ermittlungen. Es gab auch Anfragen aus dem Ausland.

Beschuldigter mehr als 20 Jahre im Vollzug

Das Wiener Landesgericht für Strafsachen hat Details aus dem Vorleben des Beschuldigten im Fall der Frauenleiche aus dem Neusiedler See öffentlich gemacht. Er wurde am 17. Oktober 2016 bedingt entlassen, wofür sich damals ein beigezogener Sachverständiger, behandelnde Ärzte und Psychologen der Justizanstalt ausgesprochen hätten. Der Mann habe sich da bereits mehr als 20 Jahre im Vollzug befunden.

Bei der Entscheidung für seine Freilassung aus der Wiener Haftanstalt sei auch berücksichtigt worden, dass der Beschuldigte das letzte Jahr seiner Anhaltung als Freigänger in einer betreuten Wohneinrichtung verbracht hatte. "Er integrierte sich gut, zeigte sich einsichtig, selbstkritisch und stand - bis zuletzt - in engem Kontakt zu seinem Therapeuten und seinem Bewährungshelfer", berichtete Christina Salzborn, Leiterin der Medienstelle des Wiener Landesgerichts.

Nach der Entlassung habe er sich bis zum Frühjahr 2018 in einer betreuten Wohneinrichtung aufgehalten. Er "ging einer geregelten Tagesstruktur nach und hielt sämtliche Weisungen ein. Die Berichte der Bewährungshilfe und seiner Betreuer waren positiv und erfolgversprechend", betonte die Sprecherin. Im Frühjahr 2018 bezog er nach Einholung einer zustimmenden Stellungnahme seiner Betreuer eine eigene Wohnung, absolvierte aber laut Gericht weiterhin die Therapie und hielt sich an die ihm erteilten Weisungen.

Liegt bei einer verurteilten Person eine geistige oder seelische Abartigkeit höheren Grades vor, die aber nicht zur Zurechnungsunfähigkeit führt, so ist unter bestimmten Umständen neben der Freiheitsstrafe auch die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher auszusprechen. Die Unterbringung im Maßnahmenvollzug erfolgt vor der eigentlichen Freiheitsstrafe, wird auf diese jedoch angerechnet.

Auch aus der Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher sieht das Gesetz die Möglichkeit der bedingten Entlassung vor, hielt Salzborn fest. Die bedingte Entlassung hat nur zu erfolgen, wenn nach dem Verhalten in der Anstalt, der Persönlichkeit des Insassen und seiner Gesundheit, der konkreten Vorgeschichte, seiner Entwicklung und der Aussicht auf ein redliches Fortkommen anzunehmen ist, dass keine Gefährlichkeit mehr besteht. Jedenfalls sei dabei eine Probezeit von zehn Jahren festzusetzen.

Bedingte Entlassungen aus Anhaltungen werden in der Regel nur unter der Bedingung von Weisungen und Auflagen gewährt, so etwa Bewährungshilfe, Absolvierung von Psychotherapie, Alkoholabstinenz, Aufnahme einer geregelten Tagesstruktur und mitunter auch einer Wohnungsweisung in einer speziellen, betreuten Einrichtung. Vor der Entscheidung wird stets eine Stellungnahme der betreuenden Anstalt und ein Gutachten eines Sachverständigen aus dem Fachgebiet der Psychiatrie eingeholt. Dabei wird die Vorgeschichte der Person als auch die Entwicklung während der Anhaltung einbezogen, ebenso frühere Gutachten und medizinische Unterlagen.