Gasexplosion: „Kugelschreiber hat mein Leben gerettet“. Die Gasexplosion bei einer Delogierung in Wien hat ein Nickelsdorfer Gerichtsvollzieher leicht verletzt überstanden.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 03. Februar 2017 (12:16)
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Zahlreiche Feuerwehreinsatzkräfte waren bei der Gasexplosion in Wien-Hitzing im Einsatz.
Symbolfoto: Shutterstock/Marcel Paschertz

Der Gerichtsvollzieher aus Nickelsdorf gab dem ORF Burgenland ein Exklusiv-Interview und vereinbarte mit der BVZ, dass Auszüge aus dem Gespräch mit Patricia Spieß erscheinen.

Herr Pecher, wie geht es Ihnen jetzt ein paar Tage nach dieser Explosion?

Helmut Pecher: Wenn man so was überstanden hat, dann ist man einfach nur froh, dass man lebt und alles andere ist egal. Die körperlichen leichten Blessuren, die sind in einer Woche vergessen. Das Seelische wird halt länger dauern, aber das wird man auch mit professioneller Betreuung in den Griff bekommen.

Sie sind als Gerichtsvollzieher mit einer Delogierung beauftragt gewesen und sind dort vor dieser Wohnungstür gestanden.

Genau. Also ich kann nur soviel sagen: Mir hat jener Umstand das Leben gerettet, dass ich fünf Sekunden vor der Explosion zwei Schritte ums Eck gegangen bin, um einen Kugelschreiber zu holen. Durch den Schmutz und den Staub, der durch die Gegend geflogen ist, war es natürlich kurzfristig finster. Ich war vielleicht noch zehn Sekunden in diesem Wohnhaus. Ich habe in der linken Hand meine Tasche gehabt, die war offen und dann wollte ich nur mehr raus. Es ist ja in einer Sekunde vorbei das Ganze, die Explosion. Ich habe über Schutt und Holzbalken klettern müssen.

Ich bin guter Dinge, dass ich daran beruflich nicht zerbrechen werde.

In welcher Situation sind Sie derzeit, sind Sie im Krankenstand und werden Sie psychologisch betreut?

Ja, aber ich bin ab morgen wieder im Dienst – im Innendienst. Da hat jeder einen anderen Zugang, ich habe das beim letzten Mal auch so gemacht. Ich bin kein Mensch, der sich drei Wochen lang zu Hause hinsetzt und in die Luft schaut. Nein, das bin ich nicht. Ich mache halt Innendienst, das ist kein Problem für den Dienstgeber.

Glauben Sie, dass sie das jemals wieder machen können?

Ich bin guter Dinge, dass ich daran beruflich nicht zerbrechen werde. Mit psychologischer Betreuung werde ich das schaffen. Es ist ja noch nicht lange her, vor eineinhalb Jahren habe ich in etwa dieselbe Situation gehabt – und da habe ich das genauso geschafft und daher werde ich es jetzt wieder schaffen.

Das war damals eine ähnlich dramatische Situation bei einer Delogierung?

Ja genau. Damals hat die Mutter ihr viereinhalb Jahre altes Kind bei der Delogierung erstochen.

Denken Sie sich da nicht manchmal „ich würde den Job doch gerne aufgeben“ oder ist das keine Option?

Möglichkeiten gibt es immer im Leben, aber ich habe nach dem ersten Mal gesagt, das passiert dir nur ein Mal im Leben so etwas, so was Dramatisches. Es ist ein zweites Mal passiert. Und momentan bin ich soweit, dass ich mir denke, wenn es einmal und ein zweites Mal passiert -- ein drittes Mal, das gibt es nicht! Wenn man die Relation hernimmt, wie oft so etwas passiert und wie viele Gerichtsvollzieher es in ganz Österreich gibt, dann denke ich mir, ich habe auf jeden Fall meinen Anteil geleistet. Ich glaub, ich habe jetzt genug hinter mich gebracht und hoffe, dass ich, wenn ich den Beruf weiter führe, die nächsten zwanzig, fünfundzwanzig Jahre bis zur Pension dann eine Ruhe habe. Bei den normalen Sachen - Streitereien, Handgreiflichkeiten etc. - kannst du eh nix machen.