Schwerpunktaktion der Polizei gegen Schlepper

Mit Drohnen und Wärmebildkameras hat am Wochenende in Nickelsdorf eine Schwerpunktaktion gegen die Schlepperkriminalität stattgefunden. Auch in NÖ wurde ein Schlepper festgenommen.

Erstellt am 28. Februar 2021 | 06:00
Festnahme (Symbolbild)
Festnahme (Symbolbild)
Foto: APA (Themenbild)

Aufgrund der verstärkten Grenzkontrollen kommen viele illegale Migranten über die Grüne Grenze im Burgenland nach Österreich. Am Balkan machen Schlepper auch mit der Corona-Angst Geschäft. Mit den Nachbarländern ist Österreich in engem Austausch, erklärte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität.

Laut Angaben des Innenministeriums sind etwa 100.000 Migranten in Griechenland und den Staaten des Balkans wie Bosnien oder Serbien gestrandet. Rumänien, Bulgarien und Kroatien seien daher ebenfalls vermehrt von Asylantragstellungen betroffen. Die Schlepper würden aktuell auch mit der Covid-Angst Geschäft machen und erzählen, dass die Lage am Balkan gefährlicher sei als in Zentraleuropa. Geschleppte Personen sollen auch 50 Euro für eine FFP2-Maske gezahlt haben. Eine Schleppung kostet je nach Startpunkt zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Die Migranten werden derzeit häufig in Lkw transportiert.

Die Polizei führt in den nächsten Monaten gemeinsam mit dem Bundesheer Schwerpunktaktionen im Osten Österreichs durch. In der Nacht auf Samstag waren bei Nickelsdorf knapp 100 Kräfte im Einsatz. Bei Oberpullendorf wurden sieben Flüchtlinge aufgegriffen, die einen Asylantrag stellten. Im Bereich Vösendorf in Niederösterreich wurde im Zuge der Aktion ein Schlepper festgenommen. "Es handelt sich um anlassbezogene Einsätze", die auch mit Ungarn abgestimmt werden, erklärte Tatzgern. Die Flüchtlinge würden im Nachbarland an der Grenze abgesetzt, finden einen Weg zu Fuß über die Grüne Grenze nach Österreich und danach mittels GPS zu einem wartenden Fahrzeug, das sie weiterführen soll.

Innenminister Nehammer kündigt Konferenz mit Amtskollegen an

In der Luft waren daher bei der Schwerpunktaktion drei Drohnen mit Nachtsicht- und Wärmebildkamera im Einsatz, um Auffälligkeiten zu beobachten. Beteiligt sind neben Ermittlern, zivilen und uniformierten Beamten, auch interkulturelle Mediatorinnen, erläuterte Tatzgern weiter.

Die internationale Zusammenarbeit funktioniere ebenso wie jene mit dem Bundesheer gut. Das Bundeskriminalamt sei seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Polizeibehörden des Westbalkan gut vernetzt. Tatzgern verwies auch auf das Joint Operation Office, das vor fünf Jahren in Wien eingerichtet wurde. Dabei handelt es sich um eine Plattform zur besseren Bekämpfung der internationalen Schlepperkriminalität. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) will, sobald es die Pandemiesituation zulässt, mit seinen Amtskollegen der Westbalkanstaaten zusammentreffen. Für März kündigte er eine virtuelle Konferenz mit den Ministern aus Rumänien, Bulgarien und Kroatien an.