Ex-Hausmeisterin wegen Brandstiftung verurteilt. Eine 55-jährige Frau ist am Mittwoch in Eisenstadt vor Gericht gestanden, weil sie in jenem Mehrparteienhaus, in dem sie selbst gewohnt und als Hausmeisterin zehn Jahre lang gearbeitet hat, ein Plastiksackerl im Keller angezündet und somit Brandstiftung begangen haben soll. 30 Jahre lang lebte die Angeklagte in dem Haus im Südburgenland.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 26. September 2018 (12:47)
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Der Angeklagte wurde zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt.
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Ein Gerichtspsychiater attestiere eine psychische Erkrankung. Das nicht rechtskräftige Urteil lautete zwanzig Monate bedingt.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Polizeibesuchen im Haus. Zettel mit wüsten Beschimpfungen wurden in ihren Briefkasten aber auch in die Briefkästen anderer Parteien geschmissen und auch vor die Haustüre gelegt, das Stiegenhaus verdreckt. Eine Nachbarin, die als Zeugin geladen war, riss ihr einmal die Haare aus. Das Verhältnis unter den Bewohnern war alles andere als gut.

Am 10. April 2017 hatte die 55-Jährige wieder einen Brief bzw. einen Zettel bekommen. Darauf stand: "Du Sau, wie schaut das Haus aus?", schilderte Staatsanwältin Petra Bauer. Dieser Zettel soll die Angeklagte so geärgert haben, dass sie den Beschluss fasste, zwei Tage später im Kellerabteil einer Nachbarin ein Plastiksackerl anzuzünden. Der Schaden belief sich auf rund 62.000 Euro. Bei einer Einvernahme vor der Polizei Ende Juni 2017 legte die Frau ein Geständnis ab. Ein paar Tage später widerrief sie ihre Angaben allerdings.

Vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Karin Knöchl erklärte die Frau, dass sie bei der Polizei unter Druck gesetzt worden sei. Sie habe Angst gehabt und sie wollte schnell wieder weg. "Ja, ich habe es gesagt, aber ich war es nicht", so die 55-Jährige.

Zeugen schilderten vor Gericht, dass die Beschuldigte dem Alkohol nicht abgeneigt gewesen sei und komisches soziales Verhalten an den Tag gelegt habe, in dem sie sich etwa selbst eingeladen hätte. Die Zettel soll sie selbst geschrieben haben - was sie zum Teil auch zugab. Aber auch andere hätten Briefe geschrieben. Eine Nachbarin installierte eine Kamera vor ihrer Tür.

Die Kriminalbeamten wiesen die Anschuldigungen der Angeklagten zurück. Man habe die Frau nicht bedrängt oder unter Druck gesetzt. "Wir haben nur Fragen zu Sachen gestellt, die nur der Täter wissen kann. Das war alles sehr glaubwürdig", so ein Ermittler, der davon ausging, dass es sich wohl um eine Verzweiflungstat oder einen Racheakt gehandelt habe, man der Frau aber vermutlich psychiatrisch helfen müsse.

Gerichtspsychiater Peter Hofmann attestierte der 55-Jährigen eine beginnende anhaltende wahnhafte Störung und Neigung zum Alkoholmissbrauch. Die Angeklagte glaube, alle seien gegen sie. Außerdem führte er aus, dass Brandstifter oft dazu neigen, ein Geständnis abzulegen und dieses häufig revidieren würden.

Auf Anraten des Psychiaters erhielt die Frau auch eine Weisung, sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen sowie keinen Alkohol mehr zu trinken und dies auch dem Gericht regelmäßig vorzulegen. "Mit diesen Weisungen soll gewährleistet werden, dass Sie in Zukunft nicht ähnliche Straftaten begehen", erläuterte die Richterin. Einer Nachbarin, die wegen einer leichten Rauchgasvergiftung kurz ins Spital musste, muss sie außerdem 100 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Der Schuldspruch sei deshalb zu fällen gewesen, weil das Beweisverfahren "zweifelsfrei" ergeben habe, "dass das Geständnis realistisch ist", sagte Knöchl. Mildernd wertete der Senat den unbescholtenen Lebenswandel, die Tatbegehung unter psychischer Beeinträchtigung und dass es beim Versuch geblieben ist. Die Angeklagte nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab.