Zweiter Begas-Prozess: Simandl wieder nicht dabei. Vier Männer müssen sich seit Dienstag im zweiten Begas-Prozess verantworten. Hauptverdächtiger Rudolf Simandl ist wieder nicht dabei.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 05. November 2020 (04:14)
Die ehemalige Begas-Zentrale in Eisenstadt. Gegen das Projekt Reststoffverwertung Heiligenkreuz gab es auch Protest-Aktionen.
BVZ-Archiv

In dem bis Ende November angesetzten Verfahren geht es um fingierte Rechnungen und die Finanzierung von privaten Bauvorhaben mit Geld der Begas. Der Schaden soll sich laut Anklage auf mehr als 2,1 Millionen Euro belaufen.

Der mutmaßliche Hauptakteur der angeklagten Malversationen, der 2012 fristlos entlassene Ex-Begas-Vorstand Rudolf Simandl, ist wie auch schon im ersten Begas-Strafprozess 2016 aus Krankheitsgründen nicht anwesend. Im Schwurgerichtssaal sitzen vier Angeklagte: der ehemalige Geschäftsführer zweier Begas-Konzerngesellschaften, ein Zivilingenieur, ein Baumeister und der Geschäftsführer einer Baufirma.

Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Ohne Ausschreibung der Vergabe soll Simandl 2007 mit dem Büro des Zivilingenieurs einen überhöhten Planungsvertrag für das Projekt Reststoffverwertung Heiligenkreuz abgeschlossen und dem Baumeister einen überhöhten Planungsauftrag erteilt haben.

Der Geschäftsführer der Konzerngesellschaften soll, aufgefordert von Simandl, Honorarnoten des Zivilingenieurs zur Zahlung freigegeben haben, obwohl diesen teilweise keine Leistungen zugrunde lagen. Den Geschäftsführer der Baufirma soll Simandl im Jahr 2006 ersucht haben, Umbauarbeiten an seinem Privathaus „steuerschonend“ durchzuführen. Unter anderem wurde eine Poolanlage errichtet. Außerdem wurden Umbauarbeiten am Privathaus des Geschäftsführers der Begas- Gesellschaften durchgeführt.

„Steuerschonend“  Arbeiten durchgeführt

Die Baufirma stellte Scheinausgangsrechnungen über 401.886 Euro an die Firma des Zivilingenieurs. Jenes Geld, das der Zivilingenieur aus den überhöhten Rechnungen für das Projekt Heiligenkreuz lukrierte, soll an die Baufirma zur Begleichung der Rechnungen für die Privatprojekte transferiert worden sein. „Scheinverrechnungskarussell“, nennt das die Anwältin der Energie Burgenland, die von den Angeklagten mehr als drei Millionen Euro Schadenersatz fordert.

„Beschreiben Sie mir den Herrn Simandl“, fordert Richterin Karin Knöchl den pensionierten Ex-Begas-Geschäftsführer auf. „Mein erster Eindruck war, dass der Herr Simandl im Burgenland gleich nach dem Herrn Landeshauptmann kommt“, berichtete der Oberösterreicher, der aus beruflichen Gründen ins Burgenland übersiedelt war.

„Er war bestimmend, herrisch“, führte der Ex-Mitarbeiter der Begas weiter aus.

„Was er sagte …“

„… ist gemacht worden“, ergänzte Richterin Karin Knöchl. „Ohne zu fragen“, bestätigte der Angeklagte.

„Und wenn man sich widersetzte…?“, fragte die Richterin. „… ist man geflogen!“, berichtete der Angeklagte.

Der Prozess wird heute, Donnerstag, fortgesetzt.