Runder Tisch zum Thema Gewalt an Frauen und Mädchen. Aufgrund der Häufung von Frauenmorden in Österreich im Jänner hat Burgenlands Frauenlandesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ) das Thema "Gewalt an Frauen und Mädchen" in den Mittelpunkt eines Runden Tisches mit Vertretern von Land, Polizei, Bildungsdirektion und anderen Institutionen gerückt. Ziel war es, die einzelnen Institutionen besser miteinander zu vernetzen, teilte Eisenkopf am Freitag mit.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 01. Februar 2019 (13:12)
Wolfgang Millendorfer
Gesprächsrunde (v.l.): KRAGES-Geschäftsführer Harald Keckeis, Doris Horvath von den Frauenberatungsstellen, Kerstin Bedenik vom Frauenhaus, Landesrätin Astrid Eisenkopf, Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz, Landespolizeidirektor-Stellvertreter Christian Stella.

Eisenkopf sprach angesichts der vielen Morde an Frauen von einer "alarmierenden Zahl". Gewalt an Frauen sei aber "kein Thema, das jemals unaktuell ist". Besonders wichtig sei im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen die Zivilcourage, betonten die Landesrätin und der stellvertretende Landespolizeidirektor Christian Stella.

"Zivilcourage ist ein Faktor, der wahrscheinlich viele Taten und wahrscheinlich auch viele Opfer vermeiden könnte. Das heißt, Zivilcourage bedeutet bei uns nicht Heldentum. Zivilcourage bedeutet, wenn ich etwas wahrnehme, das auch entsprechend weiterzugeben", erläuterte Stella.

"Bitte ziehen Sie rechtzeitig die Reißleine"Landespolizeidirektor Christian Stella

Oft würde erst im Nachhinein bei der Zeugeneinvernahme ans Tageslicht kommen, dass die Nachbarn schon längst geahnt hätten, dass etwas nicht stimme. "Wir appellieren daher: Bitte ziehen Sie rechtzeitig die Reißleine", sagte Stella. Neben der Zivilcourage wäre für die Polizei auch wichtig, das Umfeld einbinden zu können. Aber das gehe nur mit Zustimmung der Opfer. Außerdem wäre ein einfacheres Betretungsverbot wünschenswert, meinte der Landespolizeidirektorstellvertreter. "Das derzeitige Betretungsverbot nach Paragraf 38a Sicherheitspolizeigesetz ist ein gutes, ein probates Mittel, aber es muss einfacher und unkomplizierter werden", führte Stella aus. "Eine 50-Meter-Regelung wäre etwas, womit wir gut arbeiten könnten."

Am Runden Tisch saß u.a. auch Doris Horvath vom Dachverband der burgenländischen Frauen-, Mädchen- und Familienberatungsstellen. Sie berichtete, dass Betroffene oft unter einem Vorwand zu ihnen kommen und erst später sagen würden, warum sie wirklich hier seien. Die Dauer des "Durchdringens" sei unterschiedlich. "Manchmal ist das Thema nach zehn Minuten auf dem Tisch, manchmal dauert es Jahre", erzählte Horvath.

Nur ein kostenfreies Frauenhaus im Burgenland

Das einzige Frauenhaus im Burgenland, wo Betroffene kostenfrei Zuflucht finden können, verbuchte im vergangenen Jahr eine Auslastung von 73 Prozent. "Die Fälle und Aufgabenbereiche werden immer komplexer", schilderte Sozialarbeiterin Kerstin Bedenik.

Sie wandte sich mit einem Appell an die Bundesregierung: "Aufgrund der verschiedenen Finanzierungsmodelle in den einzelnen Bundesländern ist es in vielen Bundesländern nicht möglich, dass sie Frauen aus anderen Bundesländern nehmen. Hier glaube ich, ist einfach zum Schutze der Frauen und Kinder ein großer Aufholbedarf und Handlungsbedarf gegeben, wo wir auch an die Bundesregierung einen Appell richten wollen, dass sie hier Gelder zur Verfügung stellen müssen, um eine bundesländerübergreifende Aufnahme zu ermöglichen."

Eisenkopf betonte, dass es künftig weitere Treffen in sehr großer Runde geben solle. Ein Nachfolgetermin des Runden Tisches - "der durchaus erweiterbar ist" - soll in den nächsten Wochen stattfinden, kündigte sie an.