Fit für die Zukunft: BVZ-Martini 2022 für die MS Purbach

Erstellt am 08. Dezember 2022 | 05:07
Lesezeit: 5 Min
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Die Schülerinnen Kamilla Tumulka, Maria Vesa und Tara Moser mit den Lehrerinnen Irina Blühberger und Eveline Maikis sowie dem BVZ Martini 2022.
Foto: Peter Wagentristl
Die Mittelschule Purbach hat sich den BVZ-Martini 2022 in der Kategorie „Zukunft“ mit ihrem Einsatz für Nachhaltigkeit, aber auch psychischer Gesundheit und sozialer Kompetenz redlich verdient. Die BVZ sprach mit Lehrerin Irina Blühberger.
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Der BVZ Martini 2022 in der Kategorie „Zukunft“ ging an die Mittelschule Purbach, die bei der Jury besonders mit zwei zukunftsweisenden Projekten punktete. Lehrerin Irina Blühberger sprach mit der BVZ über die ausgezeichneten Projekte, was ihre Schule so besonders macht und über die neuen Herausforderungen durch Krieg und Krise.

BVZ: Als UNESCO-Schule und Trägerin des Umweltzeichens ist der Erhalt unserer Kultur- und Naturlandschaft der MS Purbach offensichtlich ein großes Anliegen. Wie spiegelt sich das im Unterricht wider?

Irina Blühberger: Seit Jahren bemühen sich unsere Lehrer, die Schülerinnen und Schüler zu Toleranz, gegenseitigem Verständnis und partnerschaftlicher Achtung zu erziehen. Dazu zählen beispielsweise Diskussionen mit Zeitzeugen, Friedensprojekte, Kultur- und Umweltschutzaktionen.

Den BVZ Martini sicherte sich die MS Purbach in der Kategorie „Zukunft“. Wie macht sich die MS Purbach selbst zukunftsfit?

Blühberger: Wir versuchen unseren Schülern sowohl informationsbezogene, als auch digitale Kompetenzen zu vermitteln. Es ist wichtig ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, den News aus dem Web nicht unreflektiert aufzusitzen und einen sorgfältigen und höflichen Umgang zu pflegen.

„Zwischen Leistungsdruck, gesellschaftlichen Erwartungen und pubertärer Unsicherheit kommen sich Jugendliche oft verloren vor.“ Irina Blühberger, Lehrerin an der MS Purbach

Neben Medienkompetenz kommt im Lehrplan auch die soziale Kompetenz nicht zu kurz. Worauf kommt es hierbei besonders an?

Blühberger: Die Fähigkeit im Team zu arbeiten gehört zu den Kernkompetenzen in der Arbeitswelt, daher werden die Kinder bereits in der ersten Klasse mit Teambildung konfrontiert.

Besonders zwei Projekte haben die Jury beim BVZ Martini überzeugt: Eines davon zum Thema Wasser. Können Sie das Projekt kurz erklären?

Blühberger: „Wasser pur“ ist ein großartiges Wasserlexikon das durch die digitalen Fertigkeiten der Schüler und Schülerinnen der MS Purbach entstanden ist. Die Kinder haben sich einige Wochen lang mit Themen rund um Wasser beschäftigt und konnten ihr Wissen auf social media mit anderen teilen.

Das zweite Projekte drehte sich um die Psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Wie war hierbei die Herangehensweise an dieses schwierige Thema?

Blühberger: Bei dem Projekt „Respekt pur“ wurden auf Social Media Reels geteilt, die zeigen wie verschieden wir alle sind und wie wir uns durch ganz bestimmte Eigenschaften von anderen abheben, wie zum Beispiel durch Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Charaktereigenschaften, Aussehen und vielem mehr. Trotz der Unterschiede gehören wir alle einer Gruppe an und werden respektiert.

Wieso haben Sie beschlossen, sich an das „hagliche“ Thema psychische Gesundheit heranzuwagen?

Blühberger: Das Alter zwischen 10 und 14 ist nicht einfach. Zwischen Leistungsdruck, gesellschaftlichen Erwartungen und pubertärer Unsicherheit kommen sich Jugendliche oft verloren vor. Es ging darum ungewohnte Gedanken zu entdecken und damit umzugehen, um im Endeffekt eine eigene Identität zu finden.

Wie reagieren die Kinder darauf? Mit dem nötigen Ernst oder machen sich manche eher lustig darüber?

Blühberger: Das ist natürlich persönlichkeitsabhängig. Für uns Lehrer ist es wichtig die Entwicklung nicht einzuschränken, andererseits aber die Kinder für einen respektvollen Umgang sowohl mit ihren Mitmenschen als auch der Umwelt zu sensibilisieren. Derartige Projekte helfen uns die Motivation und das Verständnis der Kinder für Problembereiche schulen.

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Berufsorientierung. Die Mittelschule Purbach will ihre Schüler auch für die Herausforderungen der Berufswelt sensibilisieren und sie bei den zukunftsweisenden Entscheidungen unterstützen.
Foto: Wagentristl

Hat sich der Umgang mit dem Thema, vor allem bei Burschen, verändert? Wird offener über die eigenen Gefühle kommuniziert als früher?

Blühberger: In der MS Purbach haben wir ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu unseren Schülerinnen und Schülern, dennoch haben wir ihnen die Möglichkeit geboten, ihre Gefühlswelt anonym auf Blatt Papier zu bringen. Dies war ihnen wichtig. Mädchen und Burschen haben sehr viel Einfühlungsvermögen für die Probleme der anderen gezeigt und diese mit toller schauspielerischer Leistung zum Ausdruck gebracht.

Die Pandemie hat Spuren bei den Kindern und Jugendlichen hinterlassen, angesichts von Krieg und Krise ist wohl kaum Besserung eingetreten. Wie gehen die Schüler der MS Purbach mit der aktuellen Lage und den - im Vergleich zur Generation ihrer Eltern - trüben Zukunftsaussichten um?

Blühberger: Natürlich nehmen wir auch bei diesen kritischen Themen unseren Bildungsauftrag sehr wichtig. Die Themen werden in den entsprechenden Gegenständen behandelt. Auch hier versuchen wir die Schülerinnen und Schüler zu einem mündigen Bürger im Geiste der Menschenwürde und Gleichberechtigung zu erziehen. Auch hier ist es wichtig den Wahrheitsgehalt der Beiträge auf Social Media zu hinterfragen.

Was hat die Schüler zur Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser geführt? Der niedrige Wasserstand des Neusiedler Sees?

Blühberger: Es ist besonders wichtig, Maßnahmen zur Bildung und Wissensvermittlung zum Thema Wasser umzusetzen. Purbach liegt am schönen Neusiedler See und das soll auch in Zukunft so bleiben.

Welche Rolle spielt das Wassermanagement im Burgenland bei Ihrem Projekt?

Blühberger: Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel. Noch haben wir trotz zunehmender Belastung eine ausgezeichnete Qualität und wir wollten den Kindern die Bedeutung dieser wichtigen Ressource vermitteln. Wir haben auch Ausflüge, etwa in die Kläranlage Schützen organisiert.