Werner Gruber: „Die Antwort auf Probleme: Bildung!“

Erstellt am 23. Juni 2022 | 06:06
Lesezeit: 7 Min
440_0008_8394721_bvz25mwgruber2_3sp.jpg
Forschungskoordinator und Mond-Fan. Werner Gruber bei seinem Antritt vor einem Jahr.
Foto: Millendorfer
Der Star-Wissenschaftler ist als Forschungskoordinator schon im Land herumgekommen. Mit der BVZ sprach Werner Gruber über gute Ideen, außerirdisches Leben, Hollywood und Landespolitik.
Werbung

Vor etwas mehr als einem Jahr sind Sie ins Burgenland gekommen, um die Forschung voranzubringen und die Forschungsquote zu heben. Wie kann das nun gelingen?

Werner Gruber: Die Forschungsquote ist zunächst nur eine Zahl, die sagt längst nicht alles über den Standort aus. Wir haben aber das Problem, dass viele Firmen es sich nicht leisten, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu wissenschaftlichen Konferenzen zu schicken. Und viele Unternehmen im mittelständischen Bereich kommen nie auf die Idee, Forschung zu betreiben. Die kann aber oft schon aus vermeintlich kleinen Projekten wachsen.

Über kurz oder lang müsste man im Burgenland ein Forschungszentrum bauen; eine Entscheidung, die für die nächsten Jahrzehnte von Bedeutung ist.“

Was kann das Burgenland also noch leisten?

Es macht jetzt keinen Sinn, wenn man einen Teilchenbeschleuniger ins Burgenland stellt, das war mir schon vor einem Jahr klar. Aber wir wollen den Unternehmen zeigen, dass Forschung nicht nur Rocket-Science bedeutet, sondern auch in tagtäglichen Themen steckt. In der Landwirtschaft gibt es viele Möglichkeiten, ebenso bei der Energie. Schon jetzt sind wir mit der Fachhochschule im Gebäudemanagement ganz vorne dabei. Das mag jetzt zwar nicht so charmant sein wie Quantenmechanik, aber da sind wir in Österreich oder sogar in Europa führend. Und das zeigt, was alles möglich ist. Eines darf man dabei nicht vergessen: Gute Konzepte brauchen immer auch gutes Marketing.

Sie fordern durchaus einiges von den Firmen ein …

Wenn man aktiv in die Zukunft investieren will, gibt‘s zwei Möglichkeiten: Entweder ich bin einen Schritt hinterher oder einen Schritt voraus. Das birgt unternehmerisches Risiko, aber eines ist auch belegt: Wenn ich heute zehn Euro in die Forschung investiere, habe ich nach zehn Jahren hundert Euro zurück. Und das Witzige ist: Auch ein Euro kann das Tausendfache bringen.

Und was fordern Sie vom Land an Initiative ein?

Hier arbeite ich derzeit an einem Gesamtkonzept. Wir haben verschiedene Institutionen und Abteilungen, das ist aber im Moment ein wenig zerclustert. Über kurz oder lang müsste man im Burgenland ein Forschungszentrum bauen; eine Entscheidung, die für die nächsten Jahrzehnte von Bedeutung ist. Das, was vorhanden ist, geht schon in die richtige Richtung, aber vereinfacht gesagt, braucht es am Ende einen Ortsnamen, den man bundesweit untrennbar mit Forschung in Verbindung bringt.

Wie gut kennen Sie das Land nun nach einem Jahr selbst?

Ich habe mir in diesem Jahr das Burgenland angesehen und mit sehr vielen Leuten gesprochen. Ich lerne das Land mit jedem Vortrag und jedem Firmenbesuch noch besser kennen. Ich sitz ja nicht nur in Eisenstadt – die Strecke in den Süden kann ich auch schon blind fahren. Da bleibt auch Zeit für Land und Leute, denn das gehört zusammen.

Man weiß bei der Forschung ja nie, wohin sie führen wird …“ Werner Gruber  zur Frage, ob die Mondlandung auch für das Burgenland von Bedeutung war.

Sie sind auch als Kenner der Mondfahrt bekannt. Für das Burgenland hat das vielleicht keine direkte Bedeutung …

Doch – auch für das Burgenland! Gerade die Mondlandung hat gezeigt, dass wir Wissenschaft und Forschung nicht ergebnisorientiert sehen dürfen. Die Nebeneffekte waren gigantisch, wir hätten heute keine Computer. Nach dem letzten Mann am Mond waren 1972 viele Computertechniker quasi arbeitslos und haben sich in einem kleinen Tal angesiedelt, das heute als Silicon Valley bekannt ist. 40 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes werden indirekt aus der Mondlandung geschöpft. Darum ist das für mich auch im Burgenland interessant. Denn man weiß bei der Forschung nie, wohin sie führen wird.

Stichwort Mond – Sie haben als Berater ja am US-Film „Moonfall“ mitgewirkt. Wie ist das, wenn Hollywood anruft?

440_0008_8394356_bvz25mwgruber4sp.jpg
Forschungskoordinator und Mond-Fan. Werner Gruber im Landhaus- Büro in Eisenstadt – mit Relativitätstheorie und einer US- Flagge, die bereits am Mond war.
Foto: Millendorfer

Ich sage ganz offen: Das zähle ich zu den Top-Fünf meines Lebens, und ich hab schon einiges gemacht. Die haben sich ja bei mir gemeldet, in einem Auswahlprozess unter drei Wissenschaftlern hat sich Regisseur Roland Emmerich für mich entschieden. Wir waren auch in engerem Kontakt, selbst wenn ich nie am Filmset war. Ich habe das Drehbuch bekommen und mit Johannes Mücke, der schon die Raumschiffe für „Independence Day 2“ entworfen hat, besprochen, wie man was machen könnte. Es ist ein Science-Fiction-Film, wir reden also nicht über echte Wissenschaft, sondern über Möglichkeiten der Wissenschaft. Es gibt aber einen Grundsatz: Du kannst nicht gegen ein Naturgesetz verstoßen, das sich nicht einmal in einem Multiversum ausgeht. Da-rauf habe ich geachtet.

Und wie geht Ihre Hollywood-Karriere jetzt weiter?

Schauen wir mal, wie es mit einer möglichen Fortsetzung weitergeht und wie es dann zeitlich aussieht. Bis ein solcher Film gedreht wird, dauert es oft einige Jahre.

Sie sind ja generell ein großer Science-Fiction-Fan. Da gibt‘s auch immer die Frage: „Star Trek“ oder „Star Wars“? Wie halten Sie es damit?

Meine Lebensgefährtin und ich haben uns ausgemacht: Sollten wir jemals Kinder haben, werden wir sie bis zum zwölften Lebensjahr in beiden Glaubensrichtungen erziehen, dann dürfen sie sich entscheiden (lacht). Ich kann beiden Filmreihen etwas abgewinnen, sei es die ewige Frage zwischen Gut und Böse oder die Diskussion wissenschaftlicher Paradoxa. Das sind eigentlich komplett unterschiedliche Genres, ebenso wie Aliens und Dystopien. Mir gefällt alles, wenn es gut gemacht ist.

Die Anfrage der FPÖ an den Landeshauptmann hat sich weniger auf die UFOs bezogen, die Freiheitlichen wollten einfach wissen, wie hoch mein Gehalt ist. Jetzt ist ja bekannt, dass ich für einen eher günstigen Betrag für das Land arbeite.“

Apropos Aliens: Einer Ihrer Science-Village-Talks-Vorträge mit dem Thema „UFOs über dem Burgenland“ hat politisch mit einer Landtags-Anfrage für Aufsehen gesorgt. Gibt es diese UFOs jetzt wirklich?

Vorsicht! Was ist ein UFO? Nichts anderes als ein unbekanntes fliegendes Objekt. Wenn man eine klare Nacht hat und wir gehen aufs Feld und schauen rauf, dann kann ich mir zu 90 Prozent sicher sein, dass die meisten Objekte sehen, die sie für unbekannt halten. UFOs und Außerirdische sind aber zwei Paar Schuhe. Wenn Sie fragen würden, ob ich an Außerirdische glaube, dann hat das nichts mit Glauben zu tun – wir können’s uns ausrechnen: Die Drake-Gleichung kommt auf 50 bis 250 Zivilisationen in der Milchstraße, das ist noch die untere Schätzung. Die Anfrage der FPÖ an den Landeshauptmann hat sich übrigens weniger auf die UFOs bezogen, die Freiheitlichen wollten einfach wissen, wie hoch mein Gehalt ist. Jetzt ist ja bekannt, dass ich für einen eher günstigen Betrag für das Land arbeite (Anm.: Laut Anfrage-Beantwortung 1.500 Euro monatlich plus 20 Prozent Umsatzsteuer).

Einmal noch zu den UFOs: Wenn die Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben so hoch ist, warum hatten wir dann noch keinen Kontakt?

Ganz einfach: Weil der durchschnittliche Abstand zwischen diesen 250 Zivilisationen 5.000 Lichtjahre beträgt. Man darf nicht vergessen, dass die Milchstraße wirklich groß ist. Es gibt alle paar Jahre ein Signal, das man sich genauer anschaut, aber es wäre nur ein Zufallstreffer. Die Erklärung ist einfach, dass der Abstand zu groß ist.

Es gibt leider genug Probleme auf der Erde. Welche Antwort würden Sie geben auf Pandemie, Krieg, Klimawandel …?

Bildung. Wir haben kein Problem mit dem Coronavirus gehabt, wir haben kein Problem mit dem Klimawandel, wir haben ein Problem mit Bildung. Das Problem ist, jeder glaubt, Experte zu sein und kennt dabei den Unterschied zwischen Wissenschaft, Forschung und Technik nicht. Das Wissen ändert sich nicht alle zehn Jahre, wie manche meinen, es wird nur genauer. Wenn jemand Zugang zu Wissen hat und fünf Bücher zu einem Fachgebiet liest, glaubt er Bescheid zu wissen. Aber man hat das Kon-strukt, das dahintersteckt, nicht begriffen. Und das ist es, was uns zurzeit fehlt.

An welchem Beispiel ließe sich das noch festmachen?

Beim Klimawandel ist nicht das primäre Problem, dass es wärmer wird. Die Menschheit kann sich anpassen. Doch wa-rum müssen wir laut EU bis 2040 CO2-neutral sein? Ganz einfach, Zahlen kommen ja nie von alleine: Wir stehen erst am Beginn des Klimawandels. Sobald die Permafrostböden in Sibirien auftauen, wird aber nicht nur CO2, sondern auch Methan freigesetzt, und das ist ein 20-mal stärkeres Klimawandel-Gas. Und das Gemeine ist, dass es in der Atmosphäre bleibt. Dann haben wir eine nicht reversible Klima-Änderung, und dafür ist 2040 die Deadline. Es geht also um Bildung.