Lob aus Athen für Bischof Zsifkovics. Die Nachricht über die für 26. September festgelegte Grundsteinlegung des im Burgenland angesiedelten ersten orthodoxen Klosters in Österreich hat in Athen und in der orthodoxen Welt breiten Widerhall gefunden, wie die Wiener Ökumenestiftung "Pro Oriente" im Blick auf das Patroziniumsfest am 12. Juli berichtet.

Von Redaktion bvz.at. Erstellt am 07. Juli 2020 (11:11)
Millendorfer, BVZ

Die Grundsteinlegung wird Patriarch Bartholomaios I. in St. Andrä am Zicksee gemeinsam mit dem Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, Metropolit Arsenios Kardamakis und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil vornehmen. Die Zeremonie war ursprünglich schon für 27. Juni vorgesehen. Sie musste aber wegen der durch die Coronavirus-Pandemie bedingten Einschränkungen verschoben werden. Die eigentlichen Bauarbeiten sollen im Oktober beginnen.

Lob für Zsifkovics als "Brücke zur Orthodoxie"

Die griechische Agentur ANA-MPA berichtete dieser Tage, Metropolit Arsenios habe bereits im Oktober 2014 bei der Ankündigung der Gründung des orthodoxen Klosters im Burgenland davon gesprochen, dass es sich um eine Brücke handle, "die Österreich mit Griechenland" und "die katholische Kirche mit der Orthodoxie" verbinden werde. Arsenios Kardamakis habe schon ab Beginn seiner bischöflichen Tätigkeit in Wien Ende 2011 an die Errichtung eines orthodoxen Klosters in seiner Metropolie gedacht.

In dem Bericht sehr gewürdigt wird die kooperative Haltung von Bischof Zsifkovics. Erinnert wird, dass der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, im Februar 2018 beim 50-Jahr-Gedenken des österreichischen Orthodoxengesetzes feierlich einen 100.000-Euro-Scheck von Papst Franziskus für den Bau des Klosters überreicht hatte.

Intensive Jahre der Vorbereitung

Das Kloster-Projekt startete 2014, als die Diözese Eisenstadt ein Grundstück in St. Andrä zur Verfügung stellte. Beim Martinsfest am 11. November 2014 überreichte Bischof Zsifkovics die Stiftungsurkunde im Eisenstädter Martinsdom persönlich an Patriarch Bartholomaios I.

Im Anschluss bat Metropolit Arsenios Abt Theoklitos und dessen Brüder im griechischen Kloster des Heiligen Arsenios von Kappadokien, das Kloster zu gründen. Seit August 2016 lebt eine multinationale, jetzt zehnköpfige Mönchsgemeinschaft in einem angekauften Haus in St. Andrä am Zicksee, das als "Kellion" dient, bis das Kloster beziehbar ist.
Das Kloster Maria Schutz in St. Andrä am Zicksee wird aus vier Trakten bestehen, die in Form eines Quadrates angeordnet sind. In der Mitte des Quadrats wird die Kirche stehen. Die Spiritualität des Klosters Maria Schutz ist von der Gestalt des Heiligen Paisios vom Berg Athos geprägt. Das Patrozinium des Klosters wird am Fest des Heiligen – 12. Juli – gefeiert.

Großspende von burgenländischem Bauer

Mit einer Großspende von 100.000 Euro beteiligt sich ein burgenländischer Landwirt am Bau des Klosters. Helmut Szalay aus Apetlon wollte der griechisch-orthodoxen Kirche laut ORF-Bericht ursprünglich einen Baugrund in Apetlon schenken, nachdem der Bau des Klosters "Maria Schutz" in der Gemeinde St. Andrä auf Widerstand aus Teilen der Bevölkerung gestoßen war. Weil aber auch nach Ende der Troubles die finanzielle Basis fehlte, habe er "100.000 Euro jetzt einmal als Spende gegeben", so Szalay. Darüber hinaus kündigte er auf künftig regelmäßige finanzielle Zuwendungen für die Klostergemeinschaft an.

Abt Paisios Jung zeigte sich über die "großzügige" Spende sehr dankbar. Es sei eine sehr große Spende und für einen privaten Mann und eine Familie natürlich auch ein großes Opfer, das man für den Bau dieses Klosters bringen würde. Die Spende gebe auch Zuversicht. Es sei letztendlich eine Spende dafür, dass ein Kloster entstehen könne – ein Ort des Gebetes und der Begegnung, so Paisios Jung.

Klosterpatron Paisios verfasste zahlreiche Schriften

Paisios Jung leitet am Samstag, 11. Juli, um 16 Uhr in St. Andrä den feierlicher Abendgottesdienst ("Esperinos") zum Patronatsfest. Am Sonntag, 12. Juli, wird um 8.30 Uhr die Göttliche Liturgie gefeiert, um 17 Uhr leitet Paisios Jung einen großen "Esperinos" mit Totengedächtnis für alle Wohltäter.
Paisios Jung hat seinen Namen vom Klosterpatron Paisios (Arsenios) Eznepidis (1924-1994). Dieser wuchs in Konitsa nahe der albanischen Grenze auf. 1950 ging er in ein Athoskloster, wo er Mönch wurde und ihm der Mönchsname Paisios verliehen wurde. 1958 wurde er gebeten, einige Zeit in seinem Heimatdorf zu verbringen, um die Menschen seelsorglich und karitativ nach den Kriegsereignissen zu unterstützen, die in Griechenland fast zehn lange Jahre gedauert hatten. 1962 ging Paisios ins Katharinenkloster auf den Sinai, 1964 kehrte er zum Berg Athos zurück, wurde schwer krank, und ein Teil seiner Lungen musste entfernt werden. 1979 ging er in eine Einsiedelei, 1993 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert.

Der zentrale Aspekt des Wirkens und Lehrens des Hl. Paisios war das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe. Diese Ausrichtung trug dazu bei, dass er heute in der ganzen orthodoxen Welt einer der beliebtesten "neuen Heiligen" ist. In seinen Schriften befasste er sich auch mit Buße, Spiritualität und – auf dem Hintergrund seiner dramatischen zeithistorischen Lebenserfahrung – geschichtlichen Themen. Das Grab des Heiligen wird im Johannes-Kloster bei Souroti verehrt.

Am 13. Jänner 2015 erfolgte im Phanar die Heiligsprechung von Paisios Eznepidis. Nach Meinung von Experten war es die zweitschnellste Heiligsprechung in der jüngeren Kirchengeschichte.