Was tun, wenn es kracht? . Verkehrsunfälle sind zumeist ein großer Schock, auch wenn es „nur“ beim Sachschaden bleibt. Wer aber nicht richtig reagiert, kann sich sogar strafbar machen. Ruhige Vorgangsweise zählt.

Erstellt am 26. November 2017 (05:29)
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Wenn sich die Unfallgegner austauschen können und einig sind, ist beim Sachschadenunfall keine Polizei vonnöten. Bei Unklarheiten ist es ratsam, diese zu rufen, auch wenn 36 Euro zu bezahlen sind. Bei Unfällen mit Personenschäden ist immer die Exekutive zu verständigen.
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Ein lauter Knall. Und schon ist es passiert. Dabei war man doch nur einen kleinen Moment unaufmerksam, weil man aufs Handy blickte oder zum Navigationsgerät gegriffen hat. Das eigene Fahrzeug ist demoliert. Das andere, auf das man aufgefahren ist, ebenso. Hoffentlich ist niemand verletzt.

Diese Schreckenssekunden haben schon viele Kraftfahrzeuglenker erlebt. Der Schock sitzt im ersten Moment oft tief, sodass viele Lenker nicht wissen, wie sie nun korrekt agieren. „Die Hilfeleistung steht, wenn es Verletzte gibt, immer an erster Stelle“, sagt Robert Morawetz, Verkehrsreferent vom Stadtpolizeikommando St. Pölten, denn wer nicht hilft oder nicht einmal die Rettung oder Polizei verständigt, kann wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden. „Auch wenn viele sich in Erster Hilfe unsicher sind. Das Falscheste, was man machen kann, ist nichts zu tun“, so der Beamte. Die Unfallstelle absichern, zählt da zur ersten Handlung, die man als Beteiligter an einem Unfall vorzunehmen hat. Dann die Polizei rufen. Sobald diese vor Ort ist, nimmt sie die Regelung des Straßenverkehrs vor.

Doch muss man auch die Exekutive rufen, wenn es keine Verletzten gibt und nur beim Sachschaden bleibt? „Wenn sich die Unfallgegner einig sind, der Verkehrsfluss durch den Unfall nicht behindert wird, die Lenker eigenständig den europäischen Unfallbericht ausfüllen und dies ihrer Versicherung melden, ist dies nicht notwendig“, erklärt der Verkehrsbeamte.

„Blaulichtsteuer bei Sachschadenunfall“

Wenn sich die Beteiligten doch nicht einig werden oder unsicher sind, kann die Polizei zur Hilfe gerufen werden. Diese berechnet aber dann jedem, der diesen Bericht möchte, 36 Euro, die „Blaulichtsteuer“, wie dieser Betrag manchmal im Volksmund genannt wird.

Anders verhält es sich beim Sachschadenunfall hingegen, wenn ein Geschädigter nicht zugegen ist. „Das kann bei einem Parkschaden sein, wenn man beim Vorbeifahren ein anderes Fahrzeug streift oder gegen einen Gartenzaun oder Hausmauer fährt“, führt Morawetz nur einige Beispiele an, wo „es keineswegs ausreicht, nur die Visitenkarte zu hinterlegen“, warnt er, denn: „Was ist, wenn ein Windstoß diese wegbläst oder jemand diese entfernt?“, gibt er zu bedenken.

Wenn der Unfallgegner nicht sofort erreicht werden kann, ist es unbedingt nötig, die Polizei unverzüglich in Kenntnis zu setzen. Andernfalls wird man auch hier wegen Fahrerflucht angezeigt“, lässt er wissen. Was er auch betont, ist, dass ein Polizeibericht nie eine Verschuldensfrage klärt. „Wir übermitteln bei einem Personenschaden unsere Unfallaufnahme dem Gericht. Dieses wird letztlich die Verschuldensfrage klären. Bei Unfällen mit Sachschaden klärt dies die Versicherung“, so Morawetz.

Schaden muss innerhalb einer Woche gemeldet werden

Bei einem Unfall mit Personenschaden ist es, betont er, sehr wichtig, „nicht die Position der Fahrzeuge zu verändern, da dies ein wichtiger Punkt der Unfallaufnahme ist“. Bei Unfällen mit Verletzten wird von der Polizei natürlich nichts berechnet. Kollisionen mit größeren Wildtieren sind übrigens immer der Polizei zu melden, die dann den Revierjäger in Kenntnis setzt.

Tanja Tretzmüller, Juristin beim ÖAMTC, weist darauf hin, dass bei Fahrerflucht mit Sachschaden Strafen bis 726 Euro und bei Fahrerflucht mit Personenschaden bis zu 2.180 Euro drohen. „Man hat eine Woche Zeit, den Schaden der eigenen Versicherung zu melden. Macht man dies nicht, kann sich die Versicherung unter Umständen regressieren“, erklärt sie.

„Wenn es sich um einen Arbeitsunfall handelt, muss zusätzlich die Unfallversicherung (AUVA) benachrichtigt werden“, fügt Denise Schleifer vom ARBÖ hinzu.