Esterházy Exponate „erobern“ New York. Die Privatstiftung Esterházy schickt wertvolle Exponate auf Reisen ins Metropolitan Museum. Direktor Florian Bayer gab der BVZ Einblick hinter die Kulissen.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 03. April 2019 (04:10)
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Historische „Detektivarbeit“. Florian Bayer ist seit mittlerweile zehn Jahren als Direktor der Esterházy-Sammlungen im Einsatz.

Die Esterházy-Schatzkammer auf Burg Forchtenstein trägt ihren Namen nicht zufällig: Offenbart das, was man kulturhistorisch eher trocken als Sammlung bezeichnet, für die Besucher doch wahre Schätze und Kuriositäten. Zu verdanken sind diese der Sammelleidenschaft und dem Wissensdrang von Paul I. Esterházy, der von 1635 bis 1713 als erster Fürst der Familie in Eisenstadt residierte.

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Spannende Exponate: Der Bacchuswagen (l.) sorgte als fahrbarer Tischaufsatz für Erheiterung. Der Sonnen-Beobachtungsschirm (M.) zeugt vom wissenschaftlichen Interesse von Fürst Paul I. Esterházy, die Doppeladler-Uhr von der Verbundenheit zum „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“.

Jetzt werden einige dieser Objekte für die Reise nach Übersee vorbereitet: Im November beteiligt sich Esterházy als einer von 40 Leihgebern im Kreis der größten Häuser der Welt an einer Ausstellung im Metropolitan Museum New York (siehe Kasten). Wie man sich vorstellen kann, eine logistische Herausforderung. Dass alle Objekte unbeschadet in New York ankommen, dafür trägt Direktor Florian Bayer mit seinem Team Sorge. „Um die Exponate sicher zu transportieren, werden verpackungstechnisch ja fast Kunstwerke geschaffen“, lacht Bayer im BVZ-Gespräch. Hinzu kommt die Abklärung von Lichtstärken oder Luftfeuchtigkeit bei der Präsentation – ein Rundum-Paket für die wertvollen Stücke. Und in besonders heiklen Fällen begleitet ein Kurier die Fracht auf Schritt und Tritt.

 Eine Arbeit, in der man versinken kann

 Aufwändige Projekte wie dieses sind keine Seltenheit. Seit zehn Jahren ist Florian Bayer für die Sammlung der Privatstiftung Esterházy hauptverantwortlich. Rechnet man alle Objekte zusammen, kommt man auf mehrere 10.000 Stück.

„Wir zählen seit Jahren“, erklärt Bayer, wobei „zählen“ die gesamte Aufarbeitung des Bestandes meint – die genaue Untersuchung eines jeden Objektes, von der Inventarisierung bis hin zu dessen Beschaffenheit und einstigen Funktion.

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„Das ist ein laufender Prozess, eine Tätigkeit, die es uns ermöglicht, diesen fantastischen Kulturschatz für weitere Jahrhunderte zu erhalten“, so Bayer.

Deshalb findet im fünfköpfigen Team der Sammlung derzeit auch ein Generationenwechsel statt: „Neue wissenschaftliche Mitarbeiter werden über Jahre aufgebaut, damit so viel Wissen wie möglich transferiert wird. Da braucht es Professionalisten, die bereit sind, in dieser detaillierten Arbeit zu versinken.“ Die Besucher sehen das Ergebnis in der Schatzkammer und in den Katalogen: Ob Gemälde, Waffen und Alltagsgegenstände oder technisch kuriose Objekte, wie sie in der New Yorker Ausstellung eine Rolle spielen – Hintergründe werden sichtbar und verständlich gemacht. Die internationale Vernetzung ist so auch aus wissenschaftlicher Sicht wertvoll im weltweiten Reigen der großen Museen.

Sammlung Esterházy
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