Sepp Laubner: „Ich meine es immer ernst“. Zu Gast bei Sepp Laubner in der Cselley Mühle. Mit der BVZ sprach der Künstler über seine Arbeit, über Neid und die Suche nach dem perfekten Bild.

Von Wolfgang Millendorfer und Markus Stefanitsch. Erstellt am 24. Oktober 2018 (09:30)
Millendorfer
„Ich bin so lange an einem Bild dran, bis man merkt: Der macht das konsequent. Da werden oft viele Schichten über- einander gelegt – bis das Bild eine Seele hat.“ Laubner über seinen Zugang zur Kunst.

„Viele, sehr viele“, sagt Sepp Laubner. Die Frage war, ob er denn wisse, wie viele Bilder er in seinem Leben bislang gemalt hat. Wenn man seit 50 Jahren mit Leinwand und Farbe verwachsen ist, dann hört man wohl irgendwann zu zählen auf. Aber die Arbeit, die hört nie auf.

In seinem Atelier in der Cselley Mühle Oslip hat sich Laubner soeben an einem kompletten Zyklus abgearbeitet, ein „Gewaltakt“, wie er sagt. „Das hält man nicht immer durch.“ Dass er es wieder tun wird, ist ihm aber ebenso klar. „Wenn man Maler ist, dann ist das so.“

Die Cselley Mühle, die in ihren 42 Jahren als Kultur- und Aktionszentrum schon so vielen Künstlern ein Kraftplatz war, ist der Ort, an dem Laubner Platz für seine Arbeiten findet – für die Großformate und auch für die Kleineren. „Ich arbeite immer an mehreren Bildern gleichzeitig, jedes Bild öffnet die Tür für ein anderes“, erzählt Sepp Laubner beim Atelier-Besuch der BVZ, „und wenn ich einmal nicht weiterkomme, dann leide ich wie ein Hund.“

Dann wird das Bild erst einmal beiseite gestellt. Oder der Künstler schleicht sich an: „Man tänzelt heran und nimmt den Pinsel zur Hand, bis man den einen entscheidenden Fahrer macht, damit es wieder weitergeht.“ Ablenkung darf sein, erzählt Laubner: Man isst etwas, hört Musik, trinkt einen Schluck Wein.

„Aber nicht zu viel, das ist riskant, wie beim Auto fahren.“ Der Blick aus dem Atelierfenster kann auch Wunder wirken.

„Ich bin ein Produkt des Burgenlandes“

Kein Wunder, dass sich all das in Laubners Kunst wiederfindet: „Ich bin ein Produkt des Burgenlandes“, sagt er selbst, „wäre ich woanders geboren, würde ich ganz anders malen.“

In einem kleinen Land lernt man neben Anerkennung aber auch Neid kennen, meint Laubner. Dem hält er hartnäckige, jahrzehntelange Arbeit entgegen: „Ich mache das nicht so nebenbei. Ich meine es immer ernst.“ Und so geht es immer weiter.

BVZ
Laubner bei der Arbeit. Das Atelier in der Cselley Mühle Oslip nimmt ein ganzes Stockwerk ein. Hier ist der Künstler ständig mit seinen Bildern beschäftigt. Ab Mittag wird gemalt, oft bis spät in die Nacht.

Der neueste Zyklus, „Laubner konkret“, ist derzeit im ORF-Landesstudio in Eisenstadt zu sehen (siehe gegenüberliegende Seite). Die nächste Ausstellung wird vorbereitet: Im Kunstforum Leoben wird am 7. November „Etwas intensiv Drängendes“ eröffnet. Ein passender Titel, der auch die gedruckte Bilanz zum 40-jährigen Schaffen des Künstlers ziert (2012 erschienen in der „edition lex liszt 12“).

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Und die nächsten Jubiläen klopfen bereits an. Da wird sich Sepp Laubner wieder etwas einfallen lassen müssen. Wie gesagt: Die Arbeit geht immer weiter, überhaupt für einen, der es ernst meint. „Wenn man Maler ist, dann ist das so.“