Wien , Mattersburg

Erstellt am 16. Mai 2018, 05:41

von Wolfgang Millendorfer

Rock-Legende Gene Simmons im BVZ-Interview. Ewald Tatar holt den Kiss-Star im Juli für eine Solo-Show nach Wien. Mit der BVZ sprach Gene Simmons über seine Konzert-Party, seine unzähligen Interessen und über Palatschinken.

Gene Simmons  |  Barracuda Music

Mit Kiss schreibt Gene Simmons seit mehr als vierzig Jahren Musikgeschichte – und mit seiner Solo-Tour und Zweitband, der Gene Simmons Band, gastiert er am 16. Juli im Wiener Gasometer. Veranstaltet wird der Konzert-Hit vom Burgenländer Ewald Tatar und seiner „Barracuda-Music“. Der BVZ gewährte Gene Simmons schon jetzt ein exklusives Telefon-Interview.

BVZ: Österreich freut sich schon sehr auf das Konzert im Juli. Und wir hoffen, Sie freuen sich auch!

Gene Simmons: Oh ja! Ich bin begeistert von Wien und von der österreichischen Geschichte. Und immer, wenn ich nach Wien komme, liebe ich es, Palatschinken zu essen. Ich bin ganz verrückt danach, ich werde so viele davon essen. Auf Ungarisch sagen wir dazu „Palacsinta“.

Ihr Ungarisch klingt sehr authentisch. Wie man weiß, sprechen Sie ja viele Sprachen.

Gene Simmons  |  Barracuda Music

Ich versuche, jede Sprache authentisch zu sprechen – Hebräisch, Ungarisch und ein bisschen Deutsch, das habe ich in der Schule gelernt. Ich spreche Hochdeutsch, aber ich mag den österreichischen Akzent noch viel mehr. Er klingt nicht so hart.

Und wir haben auch spezielle Dialekte mit sehr lustigen Wörtern …

Ja, ich weiß. Die kenne ich auch. Wenn ich ungarisch spreche, verstehen Sie mich dann? „Szervusz“ ist zum Beispiel auch ein ungarisches Wort.

Das kenne ich natürlich. Aber die Sprache habe ich leider nie gelernt, obwohl wir hier im Burgenland direkt an Ungarn grenzen.

Ja, es ist auch eine sehr schwierige Sprache. Es gibt auch keine europäische Sprache, die Ungarisch nahe kommt.

„Für mich ist Wien zum Beispiel noch viel schöner als Paris“

Haben Sie auch die Möglichkeit, die vielen Sprachen zu sprechen, oder müssen Sie alleine für sich üben?

Ich habe alles selbst gelernt. Aber in Amerika spricht ja jeder Englisch. Und auch wenn ich in der ganzen Welt unterwegs bin, spricht jeder Englisch. Ich kann auch ein klein bisschen Japanisch. Aber sogar wenn ein Flugzeug von Österreich nach China fliegt, spricht jeder Englisch. Ich würde gerne mehr in anderen Sprachen sprechen.

Sie haben ja Wurzeln in Ungarn. Gibt es auch emotionale Verbindungen zu Österreich?

Klar, das Essen, die Kultur und die Geschichte. Und Wien ist für mich immer noch eine der schönsten Städte der Welt. Für mich ist Wien zum Beispiel noch viel schöner als Paris.

Werden Sie rund um Ihr Konzert auch Zeit finden, sich Wien wieder einmal anzusehen?

Ich will mir auf jeden Fall ein paar Sehenswürdigkeiten und historische Orte ansehen. Und vor allem will ich auch all die verschiedenen Arten von „Palacsinta“ kosten. Oh, ich werde dick werden.

Ihr Fitness-Programm absolvieren Sie ja auf der Bühne. Jeder, der schon eine Kiss-Show gesehen hat, weiß das. Und dem Publikum macht das großen Spaß, das kann ich versichern!

Gene Simmons  |  Barracuda Music

Danke! Die Shows der Gene Simmons Band sind ja auch ganz anders als Kiss-Shows. Ich lade das Publikum ein, zu mir auf die Bühne zu kommen und mit mir „I love it loud“ zu singen. Am Ende der Show sind bis zu 100 Menschen auf der Bühne und singen mit mir „Rock and Roll all Night“. Manchmal lade ich auch ganz junge Musiker auf die Bühne ein, die mit mir Gitarre spielen. Das ist unglaublich, die sind wirklich gut. Das ist das Beste. Wir haben so eine gute Zeit!

Es muss auch sehr schön für Sie sein, wenn Ihre Musik so viele Generationen und Menschen verbindet. Mit der Gene Simmons Band spielen Sie ja auch Songs, die man bei Kiss-Shows selten hört.

Da gibt es einige Songs, die Kiss niemals spielt oder sehr selten. Manchmal spielen wir auch Beatles-Songs oder etwas von John Lee Hooker (singt). Manchmal ruft auch jemand im Publikum: „Spielt doch ,Jumpin‘ Jack Flash‘“, und wir legen gleich los.

Das klingt, als wären alle beim Konzert eine große Familie.

Ja, das stimmt! Es ist eine riesige Party. Und jeder ist ein Teil davon.

„Wissen Sie, ich mag es sehr gerne zu arbeiten“

Vor einem Jahr gab es die ersten Auftritte der Gene Simmons Band. Eigentlich wollten Sie ja nur ein paar Shows spielen. Aber jetzt ist scheinbar alles anders gekommen …

Ja, die ganze Sache wurde auf einmal so groß. Heute sind wir Headliner auf Festivals mit bis zu 50.000 Besuchern, zum Beispiel in der Tschechischen Republik oder in Kanada. Im August spielen wir fünf Shows in Australien. Und als Opener haben wir Ace Frehley (ehemaliger Kiss-Gitarrist, Anm.) dabei.

Also gibt es auch in der Gene Simmons Band immer diese Verbindung zu Kiss?

Ja, klar. Wenn du ein Mitglied der Familie bist, ist das für immer. Als ich ein Kind war, hat meine Mutter von meinem Teller gegessen – wie man so sagt. Also ist alles gut, solange du ein Mitglied der Familie bist. Wer auch immer bei Kiss dabei war, der wird es immer sein.

Sie sind ja auch mit Kiss noch fleißig unterwegs. Ist das Touren heute anders als noch vor zehn, zwanzig Jahren?

Mit Kiss spielen wir im Juli in Spanien ein paar große Stadion-Shows. Und gleich am Tag nach der letzten Show fliege ich mit der Gene Simmons Band in die Tschechische Republik. Wissen Sie, ich mag es sehr gerne zu arbeiten. Mit der Gene Simmons Band habe ich so viel Spaß, weil man nicht über die Bühnenshow nachdenken muss. Da spielst du nur.

Und wie man weiß, haben Sie neben der Rockmusik auch jede Menge Unternehmen und Ideen. Gibt es noch etwas, das Sie unbedingt machen möchten?

Ich beschäftige mich gerade mit dem Start meiner eigenen Filmfirma unter der Trademark „Motion“. Außerdem werde ich mit Bio-Nahrung bald in Lebensmittelgeschäften zu finden sein. Ich bin auch Marketing-Chef der Firma „Invictus“ und arbeite mit dem Automobilunternehmen McLaren zusammen. Es gibt da noch eine ganze Menge – eine Restaurant-Kette, Immobilien, alles Mögliche. Simmons-Books wurde soeben präsentiert, ich habe auch meine eigene Comic-Firma. Es gibt so vieles. Ich glaube, da reicht unsere Zeit nicht aus.

Wie kommt’s, dass Sie an so vielen Dingen interessiert sind?

Jeder ist doch an so vielen Dingen interessiert. Sie selbst könnten ja auch an Sport oder Philosophie interessiert sein, gerne kochen oder Geschichte studieren. Die Menschen arbeiten und sind zugleich an vielen anderen Dingen interessiert. Bei mir sind es eben sehr viele. Und noch mehr neue Unternehmen werden in Kürze bekannt gegeben.

Es sieht so aus, als ob Rockmusik alle möglichen Bereiche des Lebens mit dem „Business“ zusammenbringen würde.

Nun ja, es wurde nie nur „Musik“ genannt, es hat immer „Musik-Business“ geheißen. Also egal, ob es die Toten Hosen sind oder Die Ärzte – wer auch immer, es ist nicht nur Musik. Die Fans kaufen Tickets, T-Shirts oder Kappen. Ein T-Shirt singt nicht. Wenn man also ein T-Shirt und eine Kappe verkauft, dann ist es Business.

„Wenn Katy Perry aufspringt und sagt „Wählt diesen oder jenen Kandidaten“, dann finde ich, dass das nicht fair ist“

Neben dem Business macht Ihnen die Tour mit der Gene Simmons Band aber auch viel Spaß.

Oh ja, sehr viel Spaß. Und den größten Spaß haben die Fans. Denn die meiste Zeit während des Konzertes können sie auf der Bühne bei ihren Lieblingsmusikern sein. Es gibt eine eigene Treppe zum Publikum und die Leute springen auf die Bühne und singen und tanzen mit uns. Das ist einfach großartig.

Dabei heißt es immer, die Zeiten haben sich geändert und sind gefährlicher geworden. Es wird heutzutage so viel Wert auf Sicherheit und Überwachung gelegt. Sie aber sagen: „Kommt rauf und feiert mit mir!“

Wissen Sie, jedes Mal, wenn man die Straße überquert, kann einen ein Autobus überfahren. Aber man kann nicht immer zuhause bleiben. Man muss rausgehen und leben. Also sage ich: Sei vorsichtig, aber geh einfach raus und genieße das Leben! Wir haben Glück, dass wir in der freien Welt leben können. Und die Dunkelheit wird uns nicht aufhalten. Wir müssen leben!

Sie waren auch eingeladen, bei Donald Trumps Ernennungs-Zeremonie aufzutreten und haben gesagt, der Terminkalender erlaube es nicht. War das auch ein politisches Statement?

Nein, ich kenne ihn, bevor er Präsident wurde. Und ich kenne auch die ehemaligen Präsidenten Clinton und Bush, den Dalai Lama und alle möglichen Menschen. Aber ich denke, dass Künstler und Rockstars sich aus der Politik raushalten sollten. Daran glaube ich nicht, denn die Menschen sollten sich selbst Gedanken darüber machen, wen sie wählen. Wenn also Katy Perry aufspringt und sagt „Wählt diesen oder jenen Kandidaten“, dann finde ich, dass das nicht fair ist. Denn dann wird jeder Politiker seinen Star bringen und sagen: „Ich habe Peter Maffay“ oder „Ich habe Nena“. Ninetynine Luftballons … (singt)! Und dann wird das alles ein Haufen Unsinn und es geht nicht mehr darum, woran man glaubt – wenn Menschen den einen wählen, den sie für cooler halten. Das macht keinen Sinn. Ich will nicht wissen, was ein Rockstar über Politik denkt, und ich will nicht wissen, was Politiker von Rockmusik halten. Stellen Sie sich vor, wir machen ein Konzert und bringen Präsident Clinton. Ich würde sagen: „Runter von der Bühne!“

Außer vielleicht, wenn er einen Song mit Ihnen spielt …

Ja, er ist sehr talentiert am Saxophon. Aber für mich gilt: Wenn es Zeit zu wählen ist, dann wähle. Aber sprich sonst nicht über Politik.

Wir beide könnten auch noch lange weiterplaudern, aber ich fürchte, Sie haben immer viel zu tun.

Das habe ich wirklich. Ich habe immer eine Menge Arbeit zu erledigen. Aber das ist gut so.

Und es sieht so aus, als hätten Sie auch damit viel Spaß …

Oh ja, ich habe jeden Tag viel Spaß!

Wir freuen uns schon auf das Konzert der Gene Simmons Band. Das wird auch ein Spaß.

Darauf freue ich mich ebenfalls. Vielleicht spiele ich in Wien auch den ältesten Song, den ich je geschrieben habe – aus 1966.

Und wir in Österreich haben die Ehre dabei zu sein …

Es wird mir eine Ehre, in Österreich zu sein.

Interview: Wolfgang Millendorfer