Julian Rachlin im Gespräch: „Wir feiern einfach die Musik“

Erstellt am 08. September 2022 | 13:43
Lesezeit: 6 Min
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Julian Rachlin. Der Star-Violinist präsentiert sein zweites HERBSTGOLD - Festival in Eisenstadt.
Foto: Julia Wesely
Julian Rachlin blickt als Künstlerischer Leiter im BVZ-Interview voller Vorfreude auf das Festival in Eisenstadt. Unter dem Motto „Leidenschaft“ wird ab 11. September im Schloss Esterházy ebendiese transportiert – mit Stars, Entdeckungen und friedlicher Botschaft.
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Die Mozart-Oper "Bastien und Bastienne" ist am Sonntag der erste Vorbote des diesjährigen HERBSTGOLD - Festivals im Schloss Esterházy in Eisenstadt. Von 15. bis 25. September gibt es dann reichlich Programm mit Stars und spannenden Konzerten. Die BVZ sprach vorab mit dem Künstlerischen Leiter Julian Rachlin.  

Die großen Namen eilen dem Festival schon voraus. Wer Sie und das Programm kennt, weiß, dass es aber auch um das Gesamterlebnis geht. 

Julian Rachlin: Natürlich sind Superstars und großen Namen die Zugpferde und geben dem HERBSTGOLD - Festival auch ein Image. Nämlich jenes, dass wir hier ein exklusives Schmuckkästchen haben, die Möglichkeit, ein besonderes Festival zu schaffen. Das soll auch ein Fixpunkt im Kulturkalender sein, dass die Menschen sagen, sie müssen nach Salzburg, nach Bregenz und zu HERBSTGOLD nach Eisenstadt. Daran arbeiten wir das ganze Jahr über und ich kann meine weltweite Konzerttätigkeit nutzen, um das ebenso zu transportieren. In jedem Interview spreche ich über Eisenstadt, über dieses unglaubliche Schloss, über das Burgenland.

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Foto: Kristin Höbermann

Das Regionale spielt im Internationalen des Festivals also eine große Rolle?

Es wächst immer weiter und es ist ganz wichtig, die Eisenstädterinnen und Eisenstädter, das Burgenland und die Region mitzunehmen. Die Menschen sollen stolz sein auf ihr Festival, wir wollen die Menschen und die spannende pannonische Region dabeihaben. Und das international und über die Grenzen hinweg.

Sie bauen HERBSTGOLD also ganz bewusst auf lange Sicht auf?

Die großen Namen kann man überall erleben, auch wenn es natürlich einzigartig ist, solche Stars wie Juan Diego Flórez, Sir András Schiff, John Malkovich und viele mehr nach Eisenstadt zu locken. Aber mir geht es darum, dass das Publikum mit den Jahren sagt: „Ok, dem Rachlin vertrauen wir – auch wenn etwas im Programm steht, das nicht so bekannt ist.“ Dieses Vertrauen muss ich mir natürlich erarbeiten. Das ist so, wie wenn man eine Fußballmannschaft formt, Fußball ist nämlich auch eine meiner Leidenschaften. Eine Mannschaft kann nicht nur aus Messis und Ronaldos bestehen. Die neue Generation schläft nicht, die ist bewundernswert. Wenn mir das Publikum dieses Vertrauen schenkt, bin ich glücklich.

Die Vielfalt ist mehr als ein Schlagwort beim Festival, seit Beginn spielt beispielsweise der Jazz ebenfalls eine Rolle.

Das war ja schon vor meiner künstlerischen Leitung so, schon seit dem ersten HERBSTGOLD - Festival 2017. Und die Weltmusik im weitesten Sinn des Wortes ist eine absolute Säule. Wir sind glücklich, mit dem Janoska Ensemble hier die Publikumslieblinge schlechthin als Kuratoren zu haben. Das ist Weltmusik, die alles einschließt. Ich liebe überhaupt alle Arten von Musik. Wenn es immer heißt, die Klassik ist die Erhabene, dann ist das so nicht richtig – es gibt großartige Popmusik, die ich bewundere, großartigen Soul und alle Sparten.

Aber Haydn muss im Programm sein, oder? Wenn auch nicht überproportional …

Ich bin niemand, der ganz streng programmatisch nur in eine Richtung geht. Ich bin von meiner Natur her ein Mensch, der ein Festival beim Wort nimmt – das verkörpert für mich etwas Buntes, eine festliche Stimmung, wo zwei Wochen lang Verschiedenstes geboten und wo einfach die Musik gefeiert wird. Ich möchte mich da nicht in ein musikhistorisches Thema verstricken, in dem man dann gefangen ist. Ich möchte das Programm möglichst facettenreich aufstellen, vom Barock in die heutige Zeit, und es soll für jeden und jede etwas dabei sein.

Was wäre da einer Ihrer speziellen Tipps?

Für mich sind die Bach-Goldbergvariationen am 21. September ein Höhepunkt. Das ist ein unglaubliches Werk, das auch mit einer ganz speziellen Beleuchtung auf der Bühne transportiert wird. Vielleicht ist Bach nicht für jedermann etwas, aber ich sage, das ist die Säule der ganzen Musik, inklusive Pop und Jazz. Und diese Goldbergvariationen sind das Spannendste, ein Thriller. Das ist ein 80-Minuten-Marathon, bei dem das Publikum am Ende das erfüllte Gefühl teilt, gemeinsam etwas erlebt zu haben.

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Foto: Josef Siffert

Das Festival hat mit der halbszenischen Mozart-Oper „Bastien und Bastienne“ am 11. September schon eine Premiere vorangestellt. Wurde das bewusst so programmiert?

Das stimmt, eigentlich haben wir zwei Premieren, die Oper am 11. September und das Eröffnungskonzert am 15. Dass Cornelius Obonya und seine Partnerin Carolin Pienkos bei der Oper Regie führen, wie auch bereits im Steinbruch vor einigen Jahren, freut uns sehr. Heuer haben wir uns bewusst für eine Mozart-Oper entschieden. Und um das gut proben, auf- und abbauen zu können, machen wir das auch ganz bewusst als eigenständige Produktion vor der Eröffnung.

Das Chamber Orchestra of Europe wird künftig auch eine große Rolle spielen.

Wer sich in der Klassik auskennt, der weiß, dass es sich beim Chamber Orchestra of Europe zusammen mit dem Mahler Chamber Orchestra um die zwei besten Kammerorchester der Welt handelt. Dass es uns zusammen gelungen ist, dieses Orchester für mindestens drei Jahre im Rahmen einer Residency an das Schloss zu binden, ist eine absolute Sensation. Es gab immer ein Residenz-Orchester im Schloss Esterházy, wie auch in der Tradition zu Haydns Zeiten. Und so wird das Orchester auch nach dem HERBSTGOLD - Festival im Rahmen von classic.Esterhazy eingebunden sein.

Welche Highlights hat das Programm noch zu bieten?

Juan Diego Flórez ist mit Jonas Kaufmann einer der bedeutendsten Tenöre unserer Zeit. Sir András Schiff ist eine lebende Legende, John Malkovich mit „The Music Critic“ natürlich ein weiterer Höhepunkt. Und wir setzen auch ein Zeichen in dieser Zeit: Wir freuen uns, dass es klappt, das Ukrainische Jugendsinfonieorchester zu holen und mit Oksana Lyniv eine der besten Dirigentinnen der Welt.

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Foto: Roland Schuller

„Leidenschaft“ lautet das Festivalmotto – ebenso ein Zeichen?

Es geht um die Liebe, es geht um Freundschaft und eben um die Leidenschaft. Das ist auch ein persönliches Motto, Musik mit absoluter Hingabe zu leben, und dazu gehört auch das Wort „Leiden“. Wenn man etwas wirklich gut machen möchte, dieses Streben nach Vollendung, das macht nicht immer Spaß. Aber am Ende siegt immer die Liebe, die Leidenschaft zu dieser Sache. Und es treffen sich an diesem Ort nur Künstlerinnen und Künstler, die etwas mit Leidenschaft machen, das ist der große Schirm über diesem Festival. Und wir machen das, was wir am besten können: Wir musizieren! Und mit dieser Musik wollen wir Botschafter des Friedens sein.

Info: HERBSTGOLD - Festival in Eisenstadt

Mit dem Motto „Leidenschaft“ bringt HERBSTGOLD am 11. und von 15. bis 25. September 13 prominent besetzte Konzerte und Veranstaltungen auf Schloss Esterházy: Klassik, von der Oper bis zum Orchesterkonzert, trifft auf Jazz, Weltmusik und literarischen Humor.

Unter vielen Highlights im Programm: Sir András Schiff und das Chamber Orchestra of Europe, Hollywoodstar John Malkovich, Tenor Juan Diego Floréz, Julian Rachlin und Sarah McElravy, Janoska Ensemble, Stermann & Grissemann, Ukrainisches Jugendsinfonieorchester & Dirigentin Oksana Lyniv und viele mehr

Infos & Karten online auf www.herbstgold.at