Neuer ORF-"Landkrimi" kommt aus dem Burgenland. Eine verschwiegene Dorfgemeinschaft, ein tot aufgefundenes Mädchen und der schnell identifizierte Sündenbock: Das burgenländische "Grenzland", in dem sich der neue ORF-"Landkrimi" bewegt, ist nur auf den ersten Blick von scheinbaren Tatsachen und einfachen Antworten bevölkert.

Von APA Red. Erstellt am 10. Januar 2019 (07:01)
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Symbolbild

Stattdessen macht nicht nur Brigitte Kren als hartnäckige Oberinspektorin im Film ihres Sohnes Marvin eine Wandlung durch. "Ich dachte mir anfangs: So eine blöde, rechtspopulistische Funsen", beschrieb Kren ihre Figur bei der Präsentation des neuen Krimis (am Dienstag um 20.15 Uhr auf ORF eins) im Gespräch mit Journalisten. "Die kann ich nie spielen! Und Marvin hat gesagt: Oh ja, das ist eine Herausforderung, du machst das schon!" Nicht nur inhaltlich, auch was das körperliche Spiel betrifft, sei "Grenzland" für sie "sehr anstrengend" gewesen. Zartbesaitet kommt in dem von Konstanze Breitebner geschriebenen Film jedenfalls niemand daher.

Inspektorin Jandrasits (Kren) wird an den Tatort einer kleinen Grenzgemeinde im Süden gerufen, wo eine junge Frau tot aufgefunden wurde. Viel spricht dafür, dass ein Asylwerber etwas damit zu tun haben könnte, wie auch der ortsansässige Polizist Boandl (Christoph Krutzler) betont. Doch so einfach macht es sich Jandrasits nicht, selbst wenn ihr diese Antwort nicht unrecht kommen würde. Offene Arme für Hilfe suchende Menschen aus fernen Ländern stehen hier jedenfalls nicht an der Tagesordnung - genauso wenig wie eine Schwarz-weiß-Einteilung der Charaktere.

Fernsehen könne durchaus eine pädagogische Wirkung erzielen, ist sich Brigitte Kren sicher. Mit welchen Reaktionen auf den Film sie rechnet? "Das wird ambivalent sein." Und Sohn Marvin ergänzte diesbezüglich: "Darum geht es ja: Dass man mutig erzählt, der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und mit einer Figur einsteigt, die genau die Seele des Volkes auf der Zunge hat. Und sie macht ja eine Reise durch, wird eines Besseren belehrt, dass es so leicht mit Vorurteilen nicht ist. Sie ist aber trotzdem kein schlechter Mensch. Das sind die feinen Zwischennoten, die man finden muss."

Gelingen kann dies auch dank einer durch die Bank namhaften Besetzung, ist doch beispielsweise Martin Zauner als bärbeißiger Onkel des Opfers zu erleben und gibt Andreas Kiendl den Vater zwar im Trauermodus, aber wohl nicht ganz so mitteilungsfreudig, wie man vielleicht glauben mag. Dreh- und Angelpunkt bleibt aber Jandrasits. "Sie ist ja eine sehr sympathische Person an sich, hat aber verquere, populistische Ansichten", unterstrich Brigitte Kren. "Wenn es per se eine unsympathische Person wäre, hätten wir es leicht. So muss man sich aber durch die Grautöne durcharbeiten, um zu einer persönlichen Erkenntnis zu kommen."

Die gemeinsame Arbeit haben Mutter und Sohn jedenfalls genossen. "Das haben wir zwar schon bei einigen Filmen gemacht, aber noch nie mit einer Hauptrolle", so Marvin Kren. "Das war für uns beide wirklich ein Herzensprojekt." Und eines, bei dem natürlich die Professionalität an erster Stelle stand. "Wir haben überhaupt keine Schwierigkeiten miteinander, im Gegenteil", betonte Brigitte Kren. "Er schaut mich oft an, und ich weiß, was er will." Auch Kritik sei kein Problem. "Die muss er äußern! Und er tut es auch, macht es aber sehr vornehm. Er schreit nicht über das ganze Set, würde nie jemanden bloßstellen."

Für den Sohn hatte die Mutter wesentlichen Einfluss auf seine eigene Laufbahn. "Sie hat mich von klein auf zu den Proben mitgenommen, da bin ich dann im Theater still und leise neben dem Regisseur gesessen. Ich habe diesen Blickwinkel, wie jemand meine Mutter ansieht, schon früh erfahren. Irgendwie ist das scheinbar in die DNA reingewachsen, auch das Geschichtenerzählen. Das Mutter-Sohn-Verhältnis ist in unserer Arbeit definitiv immer da, aber es tritt etwas in den Hintergrund. Wir schätzen uns einfach sehr als Kollegen."

(Die Fragen stellte u.a. Christoph Griessner/APA)