Burgenland-Pausenfilm: „Film-Riss“ durchs Land. Burgenland-Pausenfilm beim Neujahrskonzert scheidet Geister. Fakt ist, Burgenland wurde so via TV zu 50 Millionen Menschen in rund 90 Ländern „transportiert“.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 14. Januar 2021 (05:55)
Kooperation zu 100 Jahre Burgenland. ORF-Landesdirektor Werner Herics, Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sowie Regisseur und Produzent Felix Breisach hatten den Film kurz vor Weihnachten präsentiert.
ORF/Roman Zach-Kiesling

„100 Jahre Burgenland Beitrag während dem Neujahrskonzert vor zig Millionen Zusehern. Volksgruppen, die 500 Jahre und länger hier miteinander leben, werden in keinster Weise gezeigt ... guade Nocht Kultur Burgenland. Oder lahku noć.“ Mit diesem kritischen Facebook-Posting zum 20-minütigen Pausenfilm „Happy Birthday, Burgenland! 1921 - 2021“ beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker hat der Osliper Konrad Robitza auf Facebook eine Diskussion losgetreten – die BVZ berichtete in der Vorwoche in der Ausgabe Eisenstadt–, der weitere rege Diskussionen auf allen BVZ-Kanälen folgten (siehe Lesermeinungen). Kritiker meinen, dass es im Film zu wenig Bezug zum Hier und Heute gebe und die Volksgruppen nicht transportiert worden seien.

Auch Martin Ivancsics, Sprecher der Konferenz der Volksgruppenbeiräte und langjähriger Vorsitzender des Kroatischen Volksgruppenbeirates, sieht eine „verpasste Chance“ und bemängelt die altmodische Darstellung des Burgenlandes: „Die Vielfalt des Landes wurde nicht verstanden. Was wir im Burgenland haben, ist ja etwas, das es nicht überall gibt. Meiner Meinung nach wurde der Kern des Burgenlandes nicht gezeigt.“

Ganz anderer Meinung ist da der Kroatisch Minihofer Norbert Darabos, der für die Jubiläumsausstellung zu „100 Jahre Burgenland“ verantwortlich ist. „Kritik ist immer erlaubt, aber ich halte die Kritik am Pausenfilm für nicht gerechtfertigt. Ich glaube, dass dieser eine unbezahlbare Werbung für das Burgenland ist“, betont Darabos und verweist auf die über 50 Millionen Zuseher.

Der Film zum Neujahrskonzert muss ohne Worte verständlich sein, da er weltweit gesehen wird. Es dürfen ausschließlich Natur- und Kulturschätze vorkommen. Die Darstellung etwa eines modernen Wirtschaftsstandorts Burgenland wäre schon aus markenrechtlichen Gründen nicht möglich. Christoph Langecker

Laut Christoph Langecker von Kultur Burgenland sei es eine große Ehre, dass das Jubiläum des Burgenlandes als Thema für den Film aufgegriffen wurde, da man sonst eher Ereignisse aus der Musikwelt favorisiert. „Die Produktion ist weder ein Image- oder Werbefilm, wo man Inhalte vorgeben kann, sondern eine künstlerisch freie Arbeit der Wiener Philharmoniker und des Regisseurs. Felix Breisach wollte in seinem Geburtstagsgeschenk ans Burgenland besonders Augenmerk auf die Entstehung legen und die Figur des amerikanischen Wissenschaftlers Major Lawrence Martin beleuchten.“ Nonverbal erzähle der Film die historisch verbriefte Grenzziehung und vermittle durch die Kompositionen musikalischer Größen wie Liszt, Goldmark und Haydn auch die Vielfalt der burgenländischen Landschaften, Kulturen und Volksgruppen.

„Der Handlungsstrang vermittelt also nicht die ganze einhundertjährige Historie des Burgenlandes, zeigt aber auch die Schönheiten des Landes 100 Jahre später“, so Langecker. „Die Volksgruppenfrage in so einem Konnex abzuhandeln ist nicht möglich“, meint Darabos und erklärt, dass in der Jubiläumsausstellung aber sowohl die Volksgruppen als auch das moderne Burgenland Thema sein werden.

„Beitrag selbst ist schon wieder Geschichte“

„Ich habe in keinster Weise die musikalische Darbietung kritisiert. Wenn man Geschichte darstellen möchte, sollte man jedoch das Gesamte sehen und die Stärke der burgenländischen Vielfalt als Beispiel für die ganze Welt aufzeigen... Die Landschaft, die Menschen, die Gastfreundlichkeit und die vielfältige Kultur sind Botschaften, die in die Welt getragen werden sollten... Stelle mich hier nicht als fundamentaler Burgenlandkroate dar, sondern als waschechter Burgenländer“, meldete sich Robitza nochmals via Facebook zu Wort.

„Auf der Website wirsind100.at des Landes finde ich die Schlagworte bezüglich Förderungen für inhaltsbezogene Veranstaltungen, Projekte und Ideen interessant: Identität, Wurzeln, Geschichte und Zukunft. Das gefällt mir schon weit besser. Was bedeutet das letztendlich... sich einbringen. Ich werde dieses Jubiläumsjahr im Rahmen der Möglichkeiten gerne mitgestalten und freu mich beim 100er dabei zu sein. Das Konzert und der Beitrag sind mittlerweile auch schon wieder Geschichte.“