Neue Regeln in der digitalen Gegenwart. Über Typen im modernen Fußball. Die kann es nur dann geben, wenn nicht immer wieder krampfhaft verglichen wird.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 03. April 2021 (04:27)

Wenn Didi Kühbauer am Sonntag seinen 50. Geburtstag feiert, könnte sich bei der medialen Berichterstattung einmal mehr die Frage nach den Typen stellen. Die sterben bekanntlich aus. Weshalb sich Fußball-Romantiker gerne an Zeiten erinnern, als Kicker vom Format eines Didi Kühbauer die Fans mit ihren sportlichen Qualitäten verzückten und gleichzeitig mit ihrem authentischen Pfeif-mir-nix-Auftreten dafür sorgten, dass man ihn als Fußballer eben nur lieben oder hassen konnte. Der Kicker Didi Kühbauer stand voll in der Sportöffentlichkeit. Der Mensch Didi Kühbauer, und wie er abseits der rollenden Kugel so tickt, konnte aber im Großen und Ganzen privat bleiben. Das war auch gut so.

Längst hat sich das Fußballer-Dasein aber in eine neue Richtung entwickelt. Das Digitalisierungs-Zeitalter und mit ihm die Etablierung sozialer Medien haben die Dynamik des gläsernen Kickers und auch des gläsernen Vereins angetrieben. Jeder höherstehende Klub hat seinen eigenen TV-Kanal, der möglichst ständig mit passendem Material bespielt werden muss. Praktisch alle Profis sind dazu eigenständig vernetzt und bewegen sich in diesem Hamsterrad längst auch abseits des Spielfelds stets inmitten einer gierigen, digitalen Sportöffentlichkeit voller Likes, Kommentare und Postings. Kein Wunder also, dass jedes Wort abseits der Norm ein potenzieller Fehltritt sein könnte und dass viele Fußballer in diesem Kontext längst auch Profis darin sind, vordergründig viel von sich preiszugeben, substanziell aber eher nur inhaltliche Luftblasen aufsteigen lassen. Wer sich doch mehr sagen traut, ist die absolute Ausnahme oder läuft Gefahr, von der Presseabteilung des Arbeitgebers künftig zurückgepfiffen zu werden.

Dieser Trend mag vor allem für all jene, die schon wesentlich mehr als die 2000er-Jahre intus haben, inflationär und auch mühsam sein. Und doch steht fest: Die sogenannten Typen haben sich, so wie der Fußballbetrieb als Ganzes, verändert. Es gibt sie, aber eben auf einer anderen Ebene. Wer das nicht akzeptiert, steckt in der Vergangenheit fest.