Ära mit riesigem Prestige-Preis. Über den Blick zurück auf den SV Mattersburg.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 13. August 2020 (03:45)

Am 10. Juni 1922 wurde der SV Mattersburg gegründet. Gut 98 Jahre danach ist seit 5. August mit der außerordentlichen Generalversammlung und der Einstellung des Spielbetriebs Schluss. Die mit der Übernahme von Martin Pucher als Obmann seit 1988 so steile Entwicklung zum rot-goldenen Vorzeigeklub endete bekanntlich mit einem historischen Bauchfleck mit schwindelerregenden Ausmaßen. Gefälschte Bilanzen, verworrene Wege von vermeintlichen Sponsorgeldern, Trickreichtum – all das wird im Zuge der anstehenden behördlichen Durchleuchtung der von Pucher geführten Commerzialbank (kolportierter Schaden bei rund 700 Millionen Euro) auch in Zusammenhang mit dem so eng verstrickten SV Mattersburg geprüft.

Aus dem einstigen Vorzeigeklub ist schlagartig ein abschreckendes Beispiel geworden. Weil beim SVM nicht irgendwer schwere Fehler gemacht hat, sondern mit Pucher jener Mann, der Dreh- und Angelscheibe war und ohne dessen O.K. nichts gegangen ist. Er war der Vater des Erfolgs und verwaltete so schon vor mehr als 15 Jahren das mächtige Ansehen des Bundesligisten und Publikumsmagneten in alleiniger Personalunion. Deshalb ist nun vor allem auch der zu zahlenden Prestige-Preis so enorm hoch. Der SV Mattersburg kann einfach nicht losgelöst von Martin Pucher bewertet werden. Über all den Erfolgen, all den großen Momenten und all der Euphorie, die jahrelang rund um das Pappelstadion herrschte, bleibt deshalb eine schwarze Wolke. Das mag zwar höchst ungerecht gegenüber all jenen sein, die für den Verein zu 100 Prozent ehrlich gearbeitet und den Fans so viel Freude bereitet haben. Aber das Gefühl ist eben nicht wegzuleugnen. Ganz ehrlich nicht.