Der Mutmacher für Burgenlands Fußball. Über den Werdegang des SV Lafnitz bis hin zum Spitzenreiter der 2. Liga.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 20. Dezember 2020 (01:34)

Vier Seiten ist uns in dieser Ausgabe der SV Lafnitz wert. Nicht ohne Grund. Der Verein der 1.400 Seelen-Gemeinde, die etwa zwei Minuten von der Grenze zum Südburgenland entfernt liegt, macht sich als Winterkönig der 2. Liga derzeit österreichweit einen Namen. Mit zehn rot-goldenen Kickern sowie zwei Betreuern in der Kampfmannschaft und dem Zweierteam sind die Steirer zudem eine regionale Burgenländer-Filiale. Nach Bundesligist Hartberg darf sich der Klub, der vor 20 Jahren noch im Amateur-Niemandsland herumgurkte, als das zweite sportliche Zugpferd jenes Großraums sehen, der südlich des Geschriebensteins mit Fußball zu tun hat. Kein Wunder.

Aus burgenländischer Sicht tut sich ohnehin nicht viel. Mit dem Commerzialbank-Bilanzskandal umd dem damit einhergehenden Aus des SV Mattersburg ist das östlichste Bundesland hochkant aus den beiden höchsten Ligen des Landes rausgeflogen. Die Perspektive für einen Nachfolge-Verein ganz oben fehlt. Eine Etage weiter unten war die 2. Liga seit dem Abstieg des SC/ESV Parndorf im Jahr 2014 und dem Wiederaufstieg des SVM in die Bundesliga 2015 burgenlandfreie Zone. Weil auf Ebene drei die Regionalliga Ost-Vertreter Draßburg und Neusiedl/See eher Abstiegssorgen haben, drängt sich derzeit niemand für den unmittelbaren Weg nach oben auf.

Und doch besteht Hoffnung. Wenn es der SV Lafnitz, dessen Anlage für die 2. Liga reicht, aber sicher nicht bundesliga-tauglich ist, bis auf Platz eins schafft, dann ist das nicht nur ein Qualitäts-Gütesiegel sportlicher Arbeit. Es kann auch ein Anker für Klubs und deren Macher sein, die hierzulande lautstark einen Rampenlichtplatz anstreben. Beispiel Burgenlandligist Siegendorf, wo Präsident und Mäzen Peter Krenmayr fürs Erste unbedingt in die Ostliga will. Von dort aus wäre der nächste Schritt machbar. Fakt ist schließlich, dass die 2. Liga aufgrund aufgeweichter Lizenzkriterien längst nicht mehr unerreichbar ist. Den SV Lafnitz darf man auch deshalb als Mutmacher für den burgenländischen Fußball betrachten.