Jeder Kompromiss könnte weiterhelfen. Über nötige neue Denkmuster auf den Fußballplätzen, um potenzielle Ansteckungsrisiken in den Griff zu bekommen.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 18. September 2020 (01:45)

Wie gefährlich ist der Amateurfußball in Zeiten steigender Covid-19-Fälle? In der jüngsten Ausgabe des deutschen Nachrichtenmagazins „DER SPIEGEL“ wurde von wissenschaftlichen Versuchen in Bezug auf den Rasen und den Spielball berichtet, ob vorhandene Viren für die 90 Minuten zum Problem werden könnten. Grob zusammengefasst deuten die bisherigen Ergebnisse darauf hin, dass die Infektionsgefahr beim Ball völlig und am Rasen (abhängig von Sonneneinstrahlung und Temperatur) relativ überschaubar sein dürfte. Risiken bleiben Gegen- und Mitspieler. Aber auch hier ist zu differenzieren – Stichwort Freiluftsport, wo ein geringeres Ansteckungsrisiko als in geschlossenen Räumen besteht.

Eher könnte schon der Aufenthalt in den engen, dampfenden Kabinen zum Problem werden, wenn sich rund 15 Personen aneinanderschmiegen müssen. Oder in Kantinenräumen, wo sich Besucher tummeln. Um den Fußballbetrieb beizubehalten, wird es hier neue Sichtweisen brauchen und einen kritischen Blick auf übliche Verhaltensmuster.

Ist die Kabine für ein Spiel zwingend nötig, wenn gerade hier Ansteckungsgefahr herrscht? Was wäre die Konsequenz, vor allem in der kalten Jahreszeit? Spieler müssten bereits umgezogen erscheinen, es bräuchte wohl einen zweiten Trikotsatz in der Pause, gut verpackte Outdoor-Mannschaftsbesprechungen, Heizgeräte zum kurzfristigen Aufwärmen und die Eigenverantwortung der verschwitzten Akteure nach dem Schlusspfiff, um Verkühlungen zu vermeiden.

Und braucht es das Innenleben einer Kantine zwingend, wenn gerade auch dort die Ansteckungsgefahr groß ist? Ein Verkauf der Snacks und Getränke ins Freie kann möglich sein, ebenso wie die dritte Halbzeit nur unter freiem Himmel und zur Not im dicken Wintermantel. Natürlich wären die guten alten Zeiten viel besser, ganz ohne lästige Zuschauer- und Verhaltensbeschränkungen. Aktuell geht es aber nur darum, dass der geliebte Fußballbetrieb am Leben gehalten wird. Und dafür könnte jeder noch so seltsam wirkende Kompromiss hilfreich sein.