Wege ans Ziel, die alle etwas wert sind. Über einen atypischen Werdegang und die nötige Förderung im Nachwuchs, ganz gleich wohin die Reise geht.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 13. Dezember 2020 (04:00)

Selbst knapp 20 Jahre danach kennen viele Fußballfans noch die sportliche Geburtsstunde von Christian Fuchs. Der spätere Teamkapitän, Deutschland-Legionär und Premier-League-Champion mit Leicester fiel durch seine Zeit beim 1. Wiener Neustädter SC auf, wo er als 14-Jähriger aus Pitten zum Nachwuchs stieß und 2003 mit 17 aus der Landesliga-Elf zum SV Mattersburg wechselte. Von dort aus startete er dann seinen kometenhaften Aufstieg. Was dem Linksfuß in seiner Vita fehlt, ist die längst übliche Talenteförderung. Fuchs kickte in keinem BNZ, dem Akademie-Vorgängemodell. Sein Werdegang war so gesehen atypisch – und auch deshalb einzigartig.

David Nemeth ist aktuell ebenfalls mitten im Durchbruch. Vertrag mit Mainz 05, Leihe bei Sturm Graz, um Spielpraxis zu sammeln – der St. Georgener macht sich mit 19 längst einen Namen. Dabei wurde er bei der ersten Sichtung für das Landesverbands-Ausbildungszentrum (LAZ) abgelehnt. Sein damaliger Lehrer am Theresianum Eisenstadt, der spätere Fußballakademie-Leiter und SVM-Trainer Franz Ponweiser, ermunterte ihn zu einem zweiten – erfolgreichen – Versuch. Nemeth ist also drangeblieben und doch noch auf den Zug aufgesprungen.

Das ist im modernen Fußball fast schon Pflicht auf dem Weg zum Profi. Gerade weil die Talenteförderungsschiene aber personell begrenzt ist, darf die Aufnahme in ein LAZ von der Anmutung her nicht zum K.O.-Kriterium über Sein oder Nichtsein als Jungkicker verkommen. Mehr denn je wird schon im frühen Kindesalter zwischen gut und schlecht unterschieden. Das mag helfen, um die Allerbesten zu finden.

Das Potenzial der breiten Nachwuchs-Masse darf aber deshalb nicht auf der Strecke bleiben. Dieses gilt es von den Klubs im Zuge sämtlicher Entwicklungsphasen zu hegen und zu pflegen. Genau dafür kann etwa der Weg von Christian Fuchs ein Ansporn für alle sein. Selbst wenn der Werdegang dann nicht in die Premier League, sondern in die Kampfmannschaft des eigenen 2. Klasse-Klubs führen sollte. Denn auch dann wäre er definitiv etwas wert.