20.000 Ungarn täglich zu uns. Markus Stefanitsch über die täglichen „Grenzgänger“ ins Burgenland.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 18. April 2018 (06:53)

Das Durchschnittseinkommen bei unseren nachbarschaftlichen Freunden in Ungarn beträgt 400 Euro. Wen wundert es, dass täglich 20.000 Ungarn zu uns pendeln, um hier zu arbeiten. Dafür nehmen sie im Schnitt bis zu 90 Minuten Fahrtzeit in Kauf.

Ob es manchen gefällt oder nicht: Die ungarischen Arbeitnehmer sind nicht mehr aus dem burgenländischen Arbeitsalltag wegzudenken. Viele Branchen kommen ohne die Grenzpendler gar nicht mehr aus. Sei es in der Gas-tronomie oder am Bau.

Ein Grund, warum Ungarn bei vielen Firmen auch sehr beliebt sind, ist eine gewisse Einsatzbereitschaft. Das soll nicht heißen, dass die Österreicher weniger arbeiten wollen. Aber: Wenn jemand die Chance hat, in unmittelbarer Nähe zu seiner Heimat, drei- bis vier Mal soviel zu verdienen, ist die „Motivation“ naturgemäß höher. Deshalb sind die Ungarn generell auch eher bereit, am Wochenende oder abends zu arbeiten. Österreichische Fachkräfte findet man in vielen Bereichen schon lange nicht mehr.

Manche Politiker fordern, den Arbeitsmarkt für Ungarn zu beschränken. Dies zu tun, ohne die Rahmenbedingungen zu ändern, wird zu Verschlechterungen für alle führen. Vielmehr sollte die Politik dafür sorgen, dass unseren Arbeitnehmern mehr übrig bleibt und die Unternehmer weniger Abgaben zahlen. Als Beispiel: Ein Arbeitnehmer, der im Monat rund 1.500 Euro netto verdient, kostet einem Unternehmen rund 3.000 Euro. Rechnet man die restlichen Steuern und Abgaben mit rein, muss das Unternehmen fast 6.000 Euro Umsatz machen, um die Kosten für einen Arbeitnehmer zu tragen – ohne noch einen Cent dabei verdient zu haben. Diese Schere muss kleiner werden.