Belastungs-Probe erleiden statt sein. Über Kind-Sein und Jugendlicher-Sein zu Corona-Zeiten.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 26. November 2020 (04:55)

Distance Learning bzw. Lernen zuhause ist derzeit quasi „Schulalltag“. Das Burgenland hat die niedrigste Quote aller Bundesländer hinsichtlich jener Schüler, die Betreuung in der Schule beanspruchen. Wiewohl sich kein Elternteil schämen sollte, wenn warum auch immer Betreuung gebraucht wird. Das macht niemanden zu einem schlechten Vater oder einer schlechten Mutter.

Dies gilt gleichermaßen, wenn zwischen Job, Haushalt und Homeschooling die Nerven einmal angespannt sind. Als dreifache berufstätige Mutter weiß man aus Erfahrung, dass es einfach Momente gibt, in denen uns unsere Kinder an unsere Grenzen bringen. Aber gerade dieses gemeinsame Wachsen mit Kindern bereichert auch das eigene Leben ungemein. Schon deshalb sollte es zu denken geben, wie oft Kindern derzeit im gesellschaftlichen Diskurs, wenn auch vielleicht gedankenlos und unbeabsichtigt, das Gefühl gegeben wird, eine Belastung zu sein.

Jugendliche, aber auch kleinere Kinder, die mehr mitbekommen als man vielleicht denkt, werden so selbst belastet. Und dabei haben sie ohnehin schon einiges an Belastungen zu stemmen – etwa, weil sie nicht mit Gleichaltrigen spielen oder Freunde treffen dürfen, wichtige Bezugspersonen wie Großeltern fehlen und sie Stress und Verunsicherung der Erwachsenen ausgesetzt sind. Homeschooling ist eine von aktuell vielen Herausforderungen, die von Eltern mit jahrelang antrainierter Problemlösungs-Routine und zumeist mit viel Unterstützung der Pädagogen angegangen wird. Kinder müssen erst lernen, sich solchen Herausforderungen zu stellen. Auch oder gerade in Krisenzeiten sollte man ihnen das Gefühl geben, dass sie sich dabei auf ihr Umfeld verlassen können.