Das Problem der klaren Ansagen. Über Pandemie-Müdigkeit und politische Kommunikation.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 21. Januar 2021 (04:34)

„Wir befinden uns jetzt in der schwersten Phase der Pandemie.“ Diesen Satz hören wir beinahe täglich – nicht nur aus der Politik, sondern auch aus der Forschung. Dass selbst diese Einschätzung nicht „in Stein gemeißelt“ ist, zeigen die weltweit und auch hierzulande gemeldeten Virus-Mutationen schmerzlich auf. Kaum haben Zahlen und Impfstart Hoffnung gegeben, kaum hat man sich auf Lockdown-Fristen eingestellt, müssen die Spielregeln schon wieder neu definiert werden.

Wie sehr sich die Pandemie-Müdigkeit in der Bevölkerung niederschlägt, zeigt vor allem auch die Diskussion um Schul-Öffnungen und Distance-Learning. Dem Frust, der bei Pädagogen, Eltern und bei den Kindern spürbar ist, liegen auch Fehler in der politischen Kommunikation zugrunde.

Dennoch haben es gerade die Verantwortlichen nicht leicht, den Menschen die so sehr erhofften „klaren Perspektiven“ zu geben. Und das trifft nicht allein auf die Kinderbetreuung zu, dabei geht es um alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Die Lage in dieser Gesundheitskrise ist nach wie vor ernst, das Virus bleibt in Bewegung. Und wenn das neue Maßnahmen oder eine Verlängerung der Einschränkungen zur Folge hat, liegt es – trotz der Unvorhersehbarkeit – an den politisch Verantwortlichen, dies klar zu kommunizieren. In manchem Fall bedeutet das auch: klarer als bisher. Dass man gewisse Entwicklungen nicht endgültig abschätzen kann, muss eben „zugegeben“ werden.

Nur mit offener Kommunikation kann der stets beschworene Gemeinschaftsgeist, das „Ärmel aufkrempeln und Durchhalten“ wieder neuen Schwung bekommen. Denn: Die Lage ist nach wie vor ernst – und genau deshalb ist sie für alle auch ernstzunehmen.