Der Region die Identität geraubt. Über den tiefen Fall einer burgenländischen Galionsfigur.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 30. Juli 2020 (04:34)

Der Skandal rund um die Commerzialbank ist nicht nur für die Region, sondern auch für das gesamte Burgenland ein brutaler Schlag ins Gesicht. Der mittlerweile Ex-Vorstandsdirektor und SV-Mattersburg-Präsident Martin Pucher hat mit dem „Mattersburger Fußballwunder“ die Region über zwanzig Jahre hinweg zu einer fixen Größe in der österreichischen Sportwelt gemacht. Der „SVM“ war in wirtschaftlicher Hinsicht immer ein Vorzeigeklub.

Vor allem Martin Pucher stand als Person für Ehrlichkeit, Loyalität, Handschlagqualität und Bodenständigkeit. Gerade diese Werte gab er nicht nur seinem näheren Umfeld, sondern auch den hunderten Fußballern und deren Familien über die vielen Jahre hinweg authentisch weiter. Außerdem konnte man Martin Pucher viele Allüren nachsagen, aber Menschen, die unverschuldet in Not gerieten, wurden von Pucher nie im Stich gelassen. Die Region und die Menschen waren dem Sohn eines bekannten und sehr geschätzten Friseurmeisters in Mattersburg stets ein großes Anliegen. Dafür hat man Pucher über die Jahre viel Anerkennung und Wertschätzung entgegengebracht.

Seit dem 15. Juli 2020 wissen wir, dass von all dem scheinbar nichts der Realität entsprach. Mit dieser Woche wurde über die Commerzialbank das Konkursverfahren eröffnet. 528 (!) Millionen Euro fehlen. Im Internet wollten anfangs manche in Pucher eine Art Robin Hood sehen. Dieser hat der Legende nach den Reichen genommen, um den Armen zu helfen. Pucher tat scheinbar das Gegenteil: Er hat den Armen, nämlich den vielen kleinen Sparern, alles genommen. Pucher hat der ganzen Region einen Teil der Identität geraubt und sämtliche Werte mit Füßen getreten.