Der späte Punktesieg

Über die offizielle Bestellung von Gerhard Milletich zum Präsidenten des Österreichischen Fußball-Bundes und sein Alleinstellungsmerkmal im Burgenland.

Erstellt am 21. Oktober 2021 | 00:47

Bis zum Auffliegen des Commerzialbank-Skandals im Juli 2020 prägte der SV Mattersburg seit der Jahrtausendwende als Spitze den Fußball im Burgenland. Auch Klubchef und Bankdirektor Martin Pucher verkörperte auf Funktionärsebene als Vereinsoberhaupt und überdies als Bundesliga-Präsident (von Dezember 2005 bis Dezember 2009) klar die Position der Nummer eins. Parallel formte Gerhard Milletich als Obmann den SC/ESV Parndorf seit dem Aufstieg 2003 zu einem Spitzenteam der Regionalliga Ost, das von 2006 bis 2008 noch eine Stufe höher, in der Ersten Liga, tätig war. Parndorf und Milletich kamen aus dem Schatten des SVM und Pucher trotzdem nicht heraus.

Zu konstant hielt sich Mattersburg in Österreichs Fußball-Elite, die Kräfteverhältnisse waren klar. Dass sich die Big Bosse trotzdem seit jeher distanziert begegneten, war ebenso klar. Es passte ins Bild, dass Pucher 2006 als Bundesliga-Präsident Milletich nach dem Parndorfer Aufstieg nicht persönlich gratulierte. Es passte auch ins Bild, dass Milletich selbst nach 2012 als BFV-Präsident Besuche bei den SVM-Profis im Pappelstadion auf jene seltenen Spiele reduzierte, in denen seine Parndorfer als Gegner zu Gast waren. 2013/2014, als der SC/ESV wieder auf- und Mattersburg erstmals abgestiegen war, spielten beide Klubs kurz gemeinsam in der zweithöchsten Spielklasse.

Längst ist dieses Duell um die Nummer eins im Burgenland aber vorbei. Die Kontrahenten drifteten wieder auseinander. Für Mattersburg ging es 2015 durch den Wiederaufstieg zurück nach oben und nach dem Bankskandal 2020 rein in die Geschichtsbücher. Martin Pucher stürzte ab und ist von der Bildfläche verschwunden. Parndorf ist wieder Burgenlandligist, Gerhard Milletich aber stieg in eine neue Liga auf. Am Sonntag wurde er zum ersten burgenländischen ÖFB-Präsidenten gekürt. Es ist ein später und exklusiver Punktesieg in einem Duell, das es in der Form gar nicht mehr gibt.