Die Sache beim Namen nennen. Über die Wichtigkeit der Nummer eins in der Partei.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 09. Oktober 2019 (03:54)

Der Umgang innerhalb der SPÖ mit Selbstkritik deutet nicht da-rauf hin, dass sich die Partei allzuschnell erholen wird. Vor allem dann, wenn (wieder einmal) eine inhaltliche Debatte geführt und alles neu aufgestellt werden soll.

Das Hauptproblem der SPÖ ist der „Kopf“. Mit Pamela Rendi-Wagner steht eben eine Frau an erster Stelle, die zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Ein sehr gute ehemalige Gesundheitsministerin ist noch lange keine SPÖ-Chefin und schon gar keine Bundeskanzlerin. Zumindest in der jetzigen Zeit und Konstellation.

Das umgekehrte Beispiel ist bei der ÖVP zu sehen. Ohne Sebastian Kurz wären die Türkisen noch schwarz und vermutlich auf (prozentueller) Augenhöhe mit der SPÖ. Wer also meint, die oder der Spitzenkandidat(in) wäre nicht wahlentscheidend, verweigert die realpolitische Lage – zumindest in der heutigen Zeit. Ähnlich könnte man dies für die Grünen gelten lassen. Auch hier war Werner Kogler mitentscheidend: Ein bodenständiger, hemdsärmeliger Ökologe mit gesundem Hausverstand und Stammtisch-Tauglichkeit.

Dass diese Chef-Debatte bei der SPÖ nicht schon viel lauter geführt wird, liegt an der Alternativlosigkeit. Der einzige Rote, der im Moment das Ruder halbwegs umreißen könnte, wäre Hans Peter Doskozil. Dieser ist aber nicht nur ob seines derzeitigen Stimmverlustes, sondern auch wegen seines Versprechens für das Burgenland zu arbeiten, keine Option.

Aber gerade das erhöht auch den Druck auf den burgenländischen SPÖ-Chef und bringt ihn in die „Bredouille“: Gewinnt er die Wahlen souverän, werden ihn noch mehr als neuen SPÖ-Chef im Bund fordern. Verliert er, ist ihm die Schadenfreude der „Wiener Bobo-Genossen“ sicher.